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Standpunkt

Beim Synodalen Weg wird die Streitkultur entscheidend sein

Bischöfe und Laien können beim Synodalen Weg öffentlich aussprechen, was früher nur hinter vorgehaltener Hand gesagt wurde. Eine Frage wird die kommenden Versammlungen daher bestimmen, kommentiert Christof Haverkamp: Wie gehen die Teilnehmer mit abweichenden Meinungen um?

Von Christof Haverkamp |  Bonn - 07.02.2020

Christof Haverkamp ist Chefredakteur einer Bistumszeitung.

Ein Anfang ist gemacht, und der Auftakt des Experiments in der Zukunftswerkstatt scheint geglückt. Die erste Versammlung zum Synodalen Weg in Frankfurt am Main hat den Eindruck vermittelt, dass die 230 Teilnehmer gemeinsam nach einem Weg suchen, wie die derzeit schrumpfende katholische Kirche in Deutschland eine Zukunft haben kann. Eine Antwort auf die Frage, warum sie gebraucht wird, ist dringend nötig – denn es ist gewaltiger Druck im Kessel. Es herrschen ein Reformstau und ein dramatischer Verlust an Glaubwürdigkeit. Wer sich als Bischof im Pfarrsaal den teils wütenden Fragen stellen muss, etwa von Frauen, der weiß: Die Einstellung ist deutlich kritischer als früher.

Dennoch werden auch bei den nächsten Synodalversammlungen viel Geduld und Toleranz nötig sein und große Bereitschaft, Andersdenkenden zuzuhören. Wie gehen die Teilnehmer miteinander um, vor allem bei abweichenden Meinungen? Die Frage der Streitkultur wird entscheidend sein. Immerhin können Laien, Theologen, Bischöfe jetzt auch öffentlich ansprechen, was sie früher oft nur hinter vorgehaltener Hand zu sagen wagten. Das altmodische Wort "Freimut" hat Konjunktur bekommen, und das ist gut so. Papst Franziskus hat zweifellos zu einer neuen Diskussionskultur beigetragen.

Umso ärgerlicher sind manche verbale Attacken und Unterstellungen von Gegnern eines Reformkurses. Einen NS-Vergleich anzustellen, das geht bei Politikern nicht und schon gar nicht bei Kirchenvertretern. Mit der Erinnerung an das Ermächtigungsgesetz macht Kardinal Gerhard Ludwig Müller viel kaputt. Im Geist des Evangeliums ist das nun wahrlich nicht. Ebenso wenig wie der Versuch anderer, von Häresien zu sprechen oder das Gespenst der deutschen Nationalkirche oder des deutschen Spaltpilzes an die Wand zu malen. Das Pochen auf Autorität ist ebenfalls wenig zielführend. Theologische Argumente sollten dagegen zählen, auch Vielfalt zugelassen werden. Nur dann wird eine Umgestaltung der Kirche und der Welt im Geist des Evangeliums und im Vertrauen auf Gott möglich sein. Denn die Beschäftigung mit der Kirche darf kein Selbstzweck sein.

Von Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Chefredakteur der Bistumszeitung "Kirche+Leben" in Münster.

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