Jesus traut es uns zu
Schwester Christine Klimann über das Sonntagsevangelium

Jesus traut es uns zu

Manchmal scheint unser Leben klein und unbedeutend – auch Schwester Christine Klimann kennt dieses Gefühl. Und doch ruft Jesus alle Gläubigen zu Großem auf. Unsere Autorin spürt nach, wie das zusammenpasst.

Von Schwester Christine Klimann |  Rom - 08.02.2020

Impuls von Schwester Christine Klimann

Was wäre, wenn es Sie auf dieser Welt nicht gäbe? Haben Sie schon einmal über diese Frage nachgedacht? Die Frage ist wie die Annäherung an einen Abgrund, sie bringt an die Grenze des Denkbaren. Und doch ist sie interessant. Wenn Sie nicht existieren würden – was wäre anders in Ihrer Umgebung, was würde fehlen in Ihrer Familie, was ginge ab, dort, wo Sie sich einsetzen, welche Spuren wären nicht hinterlassen worden?

Was würde fehlen ohne mich? Die Bildworte Jesu vom Salz und vom Licht sind wie eine Einladung, über diese Frage nachzudenken. Was ist es, was ich persönlich einbringe in diese Welt – welche Farbe, welchen Geschmack, welchen Klang? Dabei stehen wir immer in der Spannung zwischen der aktuellen Realität unseres Lebens und dem Ideal, auf das hin wir unterwegs sind.

Auch Jesus scheint diese Spannung vor Augen zu haben. "Ihr seid das Salz, ihr seid das Licht", sagt er uns zu und bezeichnet damit, was für Gott Realität ist. Wir sind Salz und Licht, und zwar unabhängig davon, ob uns gerade danach ist, ob wir es spüren. Nicht durch unseren Verdienst, unsere Fähigkeiten oder Anstrengungen, sondern durch das Geschenk Gottes an uns. Durch sein Leben, das uns durchwebt, durch sein Licht, das er uns in der Taufe geschenkt hat, durch die Gegenwart seines Geistes in uns.

Ich bin Licht – unabhängig davon, ob ich mich gerade toll finde oder nicht, ob ich heute schon etwas geleistet habe oder ob ich mich gerade erst mühsam aus dem Bett gequält habe. Und so wie ich Licht bin, sind es auch die anderen Menschen. "Namaste" grüßen sich die Inder, was so viel heißt wie: Ich verbeuge mich vor dir, weil ein göttlicher Funke in dir wohnt. Wie würden sich unsere Beziehungen verändern, wenn sie etwas mehr von dieser Ehrfurcht voreinander geprägt wären?

Jesus geht noch einen Schritt weiter. Denn das Licht soll scheinen und das Salz soll würzen – weil die Welt es braucht. Ich kann, je nachdem wie ich mich verhalte, mehr oder weniger Licht um mich verbreiten. Dabei geht es nicht nur um das Lächeln, das bekanntlich die Sonne aufgehen lassen kann.

Jesus verwendet das Bild vom Salz und fragt: Wie viel Würze verbreitest du um dich her? Dabei kommt es auf die Dosis an – eine versalzene Suppe schmeckt niemandem. Aber manchmal kann ein klares Wort, die Weigerung bei einem falschen Spiel mitzumachen, das Einstehen für Werte auch gegen Widerstand oder das Aufdecken von Ungerechtigkeit weit christlicher sein als ein freundliches Lächeln.

Salz und Licht – weil wir es sind, können wir es immer mehr werden. Jesus traut uns zu, jedem von uns auf je eigene Weise, dieser Welt Geschmack zu verleihen!

Von Schwester Christine Klimann

Evangelium nach Matthäus (Mt 5,13-16)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.

Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus.

So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Die Autorin

Schwester Christine Klimann gehört zur Kongregation der Helferinnen, ist Pastoralreferentin und studiert in Rom Psychologie.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.