Legionäre Christi haben neuen Generaloberen – erstmals kein Mexikaner
Generalkapitel beschäftigt sich mit Missbrauchsfällen

Legionäre Christi haben neuen Generaloberen – erstmals kein Mexikaner

Seit mehr als zehn Jahren befinden sich die Legionäre Christi wegen des Missbrauchsskandals um ihren Gründer in einer schweren Krise. Nun hat die Ordensgemeinschaft einen neuen Leiter – erstmals ist dieser kein Mexikaner.

Rom - 07.02.2020

Die Legionäre Christi haben einen neuen Generaloberen: Das derzeit tagende Generalkapitel wählte den US-Amerikaner John Connor an die Spitze der Ordensgemeinschaft. Der 51-Jährige ist der erste Generaldirektor der Kongregation, der nicht aus Mexiko stammt, teilten die Legionäre Christi am Donnerstag mit. Connor wurde im US-Bundesstaat Maryland geboren und studierte Theologie in Rom, wo er 2001 zum Priester geweiht wurde. Er hat in Deutschland, Italien und Spanien gelebt. Seit 2014 war Connor als Territorialdirektor der Regionalobere für die Mitglieder der Legionäre Christi in Nordamerika.

Mit der Wahl von Connor endete die Amtszeit des bisherigen Generaldirektors Eduardo Robles-Gil. In den kommenden Tagen wählt das Generalkapitel zudem sechs Ordensmitglieder, die den Generalrat bilden, das höchste Gremium der 1941 in Mexiko gegründeten Gemeinschaft.

Zuvor hatte sich das Generalkapitel zwei Wochen lang nahezu ausschließlich mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs beschäftigt. Das Ziel sei, "den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen sowie unsere Mentalität, unser Handeln und die institutionelle Kultur zu verändern, die so viel Leid ermöglicht haben", teilte die Ordensgemeinschaft mit. Außerdem verpflichtete sich das Generalkapitel, "die Ergebnisse seiner Reflektionen und Beschlüsse zu diesem Thema zu veröffentlichen, wenn die Arbeit beendet ist".

Kurz nach dem Beginn Ende Januar hatte das Generalkapitel bereits bekanntgegeben, gegen sexuellen Missbrauch entschieden vorgehen zu wollen. Die Teilnehmer trafen sich deshalb mit zwei Missbrauchsopfern. Ferner besuchte der Jesuit Hans Zollner das in Rom tagende Generalkapitel. Der Vatikan-Spezialist für den Kampf gegen Kindesmissbrauch empfahl den Legionären Christi, den Kontakt zu den Opfern zu suchen.

Das Generalkapitel der als konservativ geltenden Gemeinschaft tagt noch bis März. Es wird sich nach Angaben der Legionäre Christi außerdem mit der Tätigkeit des Ordens in der Seelsorge, der Ausbildung der Seminaristen, dem Ideal der Armut, dem Gemeinschaftsleben, der Berufungsförderung und der religiösen Disziplin beschäftigen. Das letzte Generalkapitel fand 2014 statt, nachdem der Orden aufgrund des Missbrauchsskandals um seinen Gründer Marcial Maciel in eine tiefe Krise geraten war. Als Folge hatte ab 2009 hatte unter Aufsicht des Vatikan ein mehrere Jahre dauernder Reformprozess stattgefunden. Die Legionäre Christi haben nach eigenen Angaben mehr als 1.500 Mitglieder und sind weltweit in 21 Ländern tätig. Auch in Deutschland ist die Gemeinschaft ansässig. (rom)