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Standpunkt

Die CDU in der Krise: Was die Partei jetzt beachten sollte

Die Rücktrittsankündigung von Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Krise der CDU weiter verschärft. In seinem Kommentar macht Abtpräses Jeremias Schröder Vorschläge, welche Lehren die Partei nun ziehen sollte.

Von Jeremias Schröder OSB |  Bonn - 11.02.2020

Der Standpunkt macht heute mal Urlaub vom Synodalen Weg. Denn in Berlin brennt's ja: die Regierungspartei CDU braucht eine neue Führung, und zwar presto.

Früher, als man das Wort Volkspartei noch nicht in Anführungszeichen setzen musste, gehörte zu deren Identität, dass sie ein großes Zelt zu bieten hatte, unter dem sich recht Unterschiedliches versammeln konnte. Law-and-order, Herz-Jesu-Sozialismus und liberale Ordnungspolitik, das gab es alles in der CDU. Die heißt ja auch nicht ohne Grund "Union", was ja darauf abzielt, dass hier allerlei verbunden und zusammengehalten werden soll.

Einem Klosterbruder wie mir ist das nicht ganz fremd. So eine Klostergemeinschaft ist ja auch keine homogene Mannschaft. An der Verschiedenheit der Brüder kann man oft Freude haben, aber nicht immer. Dem Abt wird sie als Last und Aufgabe auferlegt. Wenn Klöster kleiner werden, wird die Aufgabe eher schwerer. Und so scheint das in der Partei auch zu sein. Helfen wollen dann die Profilschärfer, die wissen wo es langgeht.

Das mag auch so richtig sein – von Parteipolitik verstehen wir im Kloster wirklich nicht so viel. Aber angesichts der fragmentierten Wählergunst wird auch die Fähigkeit zum Aufspannen des großen Zeltes wieder gebraucht werden. Wenn nicht innerhalb der Parteigrenzen, dann ganz sicher jenseits der eigenen Partei. Denn ohne Koalitionspartner wird ja doch in Deutschland auf absehbare Zeit niemand regieren können. Bei aller Freude am Profil wird man sich deshalb doch wünschen müssen, dass es wieder Kanzlerkandidaten und Parteivorsitzende gibt, die Anschlusspunkte finden können. Dabei ist es hilfreich, wenn man Profil und Konturen etwas vage hält und eher Einendes als Trennendes betont.

Ein anderer Rat aus der Klosterzelle ist, etwas mehr Geduld aufzubringen. In wenigen Monaten sind jetzt zwei recht fähige Parteivorsitzende verloren gegangen, weil in den Parteien der lange Atem zu fehlen scheint, mit dem man auch einmal eine Eintrübung überstehen kann. Das wirkt etwas fiebrig.

Von Jeremias Schröder OSB

Der Autor

Jeremias Schröder OSB ist Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien.

Hinweis

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