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Die Bischöfe brauchen ein Teambuilding

Die deutschen Bischöfe suchen im März einen neuen Vorsitzenden. Doch statt sich auf die Personalie zu konzentrieren, lohnt ein Blick auf die Herausforderungen der gesamten Bischofskonferenz, kommentiert Christoph Paul Hartmann. Dort ist einiges zu tun.

Von Christoph Paul Hartmann |  Bonn - 17.02.2020

Kardinal Reinhard Marx will aufhören und bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im März nicht mehr als deren Vorsitzender kandidieren. Die Bischöfe Peter Kohlgraf (Mainz) und Georg Bätzing (Limburg) haben nun vor einer Personaldebatte gewarnt – und damit haben sie Recht. Denn ein wie in der Politik mit harten Bandagen ausgefochtener Wahlkampf würde die Gräben in der Bischofskonferenz noch vertiefen.

Dabei geben die deutschen Oberhirten schon seit Langem ein überaus zerstrittenes Bild ab: Es bestehen zahlreiche persönliche Animositäten, man redet lieber per Statement oder Interview übereinander statt miteinander – und wenn manchem Bischof Entscheidungen des Plenums nicht passen, schreibt er einfach an die entsprechende Stelle in Rom, mit der Bitte um Intervention.

Das sind nur einige Indizien für die wachsenden Polarisierungen, die neben dem Kirchenvolk und der Gesamtgesellschaft auch die Bischofskonferenz spalten. Unterschiedliche Glaubensstile, Grundüberzeugungen und Amtsverständnisse stehen vermeintlich unversöhnlich nebeneinander – und deren Vertreter sind immer weniger empfänglich für die Position Andersdenkender.

Was die Bischöfe deshalb brauchen, ist ein gemeinsames Teambuilding. Es geht nicht darum, Differenzen zu negieren, kleinzureden oder zu übergehen. Vielmehr muss im Zentrum stehen, verschiedene Überzeugungen als solche wahrzunehmen und wertzuschätzen – Konfliktfähigkeit ist das große Stichwort. Diese Konflikte gibt es auch an der Basis, in vielen Pfarreien wird nach dem "modus vivendi" für einen Alltag gesucht, in dem für verschiedene Wege der Gottessuche und des Glaubenslebens Platz ist. Erst aus der Annahme der Unterschiede kann in einem wahrhaftigen Dialog die Überzeugung wachsen, dass das Verbindende letztendlich über dem Trennenden steht.

Immer neu müssen auch die Bischöfe das "katholische", allumfassende und damit verbindende Element der Kirche ernst nehmen. Denn nur mit einer grundlegenden Einmütigkeit und einem Gemeinschaftsbewusstsein können sie zusammen die großen Projekte der Kirche der Zukunft angehen – und wiederum Vorbilder für die Gläubigen sein.

Von Christoph Paul Hartmann

Der Autor

Christoph Paul Hartmann ist Redakteur bei katholisch.de.

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