Jeder vierte europäische Neupriester stammt aus Polen
Aber: Immer mehr Kleriker geben Amt auf

Jeder vierte europäische Neupriester stammt aus Polen

Die Kirche Europas wird zahlenmäßig wesentlich von Polen geprägt: Ein Viertel aller Neupriester kommt aus dem Land. Doch auch die Kleriker, die ihren Beruf aufgeben, sind auf Rekordhöhe – und das sind nicht die einzigen schlechten Nachrichten.

Krakau - 18.02.2020

Jede vierte Priesterweihe in Europa findet in Polen statt. Dies geht aus Zahlen des polnischen Institut für Statistik der Katholischen Kirche (ISKK) hervor, die von dem Nachrichtenportal "deon.pl" am Freitag veröffentlicht wurden. Demnach wurden 2017, dem Jahr, aus dem die aktuellsten Zahlen vorliegen, in Europa 1.272 Priester geweiht, davon 26 Prozent (330) in Polen. Weltweit gab es im selben Jahr insgesamt 5.800 Priesterweihen.

Gleichzeitig verlassen in Polen aber auch überdurchschnittlich viele Priester den Klerikerstand. Den Zahlen des Instituts zufolge waren 73 der 146 europäischen Geistlichen, die ihren Beruf aufgaben, polnische Diözesanpriester. Zwischen 2000 und 2017 wurden demnach im Schnitt 56 polnische Priester aus dem Klerikerstand entlassen. Bei Ordenspriestern gebe es ähnliche Tendenzen, aufgrund der internationalen Organisation der Orden sei dies jedoch nicht so genau zu beziffern, stellt das ISKK fest.

Ende 2019 veröffentlichte Daten deuten darauf hin, dass es zu einem deutlichen Rückgang bei den Priesteranwärtern kommen wird. In diesem Jahr hatten 498 Männer ihre Ausbildung aufgenommen, im Jahr zuvor waren es 122 mehr. Bei der Mitfeier der Sonntagsmesse gab es zuletzt leichte Steigerungen.

Vertrauensverlust der Kirche in Polen

Die katholische Kirche in Polen musste aktuellen Umfragen zufolge einen großen Vertrauensverlust hinnehmen. Einer Anfang 2020 veröffentlichten Umfrage im Auftrag der Zeitung "Rzeczpospolita" zufolge ist das Vertrauen in die Kirche im Vergleich zu 2017 um 13 Prozentpunkte gesunken. Nur noch 39,5 Prozent der Befragten gaben an, der Kirche zu vertrauen. 2017 waren es noch 52,7 Prozent. Dabei zeigt sich eine große Polarisierung der Bevölkerung. Unter den Wählern der Regierungspartei PiS vertrauen 63 Prozent der Kirche, unter den Anhängern der Opposition 37 Prozent. Der Rückgang wird vor allem mit dem Umgang mit Missbrauchsfällen in der Kirche begründet.

Das ISKK ist nach eigenen Angaben das älteste unabhängige sozialwissenschaftliche Forschungszentrum, das sich mit kirchlichen Fragen befasst. Unter anderem auf der Grundlage der kirchlichen Statistik des vatikanischen Staatssekretariats stellt es jährlich ein "Annuarium statisticum Ecclesiae in Polonia" zusammen mit Zahlen zur Lage der Kirche in Polen. Zuletzt erschien Ende 2019 die Ausgabe mit Zahlen zum Jahr 2017. (fxn)