Papst Franziskus als "Antichrist" bezeichnet

Polen: Rede- und Auftrittsverbot für Bischof aus Kasachstan

Aktualisiert am 25.02.2020  –  Lesedauer: 

Wloclawek ‐ Erzbischof Lenga ist kein Freund von Papst Franziskus: In Büchern, Interviews und Stellungnahmen hat er ihm immer wieder Irrlehren vorgeworfen und ihn als Ketzer bezeichnet. Nun ist der Geduldsfaden der Bischöfe in Polen gerissen.

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Nach heftiger Kritik am Papst darf der emeritierte Erzbischof von Karaganda (Kasachstan) in Polen nicht mehr predigen, öffentlich die Messe feiern und in den Medien auftreten. In einer Stellungnahme der polnischen Bischofskonferenz vom Samstag betonte deren Sprecher, dass der in Polen lebende Erzbischof Jan Pawel Lenga nicht zur polnischen Bischofskonferenz gehöre und nicht für den polnischen Episkopat spreche. Es sei bedauerlich, dass Lenga "die Gläubigen in die Irre" führe.

Die Sanktionen gelten vorerst bis zu einer endgültigen Entscheidung des Heiligen Stuhls. Der zuständige Ortsbischof von Wloclawek hatte das Auftritts- und Predigtverbot angeordnet, um weitere "Ärgernisse unter den Gläubigen" zu unterbinden, wie ein Sprecher des Bistums bereits am Donnerstag gegenüber der polnischen katholischen Nachrichtenagentur KAI erläuterte. Schon im Januar hatte sich die polnische Bischofskonferenz deutlich von Lenga distanziert.

Der emeritierte Erzbischof hatte Papst Franziskus öffentlich als "Antichrist" bezeichnet und weigert sich, den von ihm "Thronräuber und Häretiker" genannten Pontifex im Hochgebet zu erwähnen, wie es von der Kirche vorgeschrieben ist. Fernsehauftritte und ein Buch des Erzbischofs hatten in den letzten Jahren für Kontroversen in Polen gesorgt. In einem Interview warf er dem Papst vor, "die Welt in die Irre zu führen". Franziskus vertrete nicht die Tradition der Kirche, sondern "Unwahrheiten und Sünden".

Papstkritisches Manifest veröffentlicht

Lenga gehörte im vergangenen Mai neben Kardinal Raymond Leo Burke und dem Weihbischof des kasachischen Astana, Athanasius Schneider, zu den fünf Unterzeichnern einer "Erklärung der Wahrheiten in Bezug auf einige der häufigsten Irrtümer im Leben der Kirche unserer Zeit", in der sie sich unter anderem zu Zölibat, dem Eucharistieempfang, dem Verhältnis zu anderen Religionen und Geschlechterfragen geäußert hatten. Auch die von Papst Franziskus verfügte Ächtung der Todesstrafe im Katechismus kritisierten die Unterzeichner. Der Text wurde insgesamt als Missbilligung der Amtsführung des Papstes interpretiert.

Der Erzbischof hat seit seiner Emeritierung im Jahr 2011 seinen Altersruhesitz in Lichén in einem Kloster seines Ordens, der Kongregation der Regularkleriker Marianer von der Unbefleckten Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria (Marianer). Lenga wurde 1950 in der heutigen Ukraine geboren und 1980 in Vilnius im Untergrund zum Priester geweiht. 1991 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Apostolischen Administrator für Kasachstan und Zentralasien. 1999 wurde die Administratur zum Bistum Karaganda geboren, deren erster Bischof Lenga wurde. (fxn)