Junge im Flüchtlingslager von Damhamieh ( Bekaa-Tal, Libanon)
Libanon im Mittelpunkt

Misereor-Fastenaktion in Erfurt eröffnet

Unter dem Leitwort "Gib Frieden!" eröffnete das Hilfswerk Misereor seine Fastenaktion. Im Zentrum steht in diesem Jahr der Libanon – denn über die vielen Toten des Krieges gebe es zu viel "Gleichgültigkeit und Ignoranz".

Erfurt - 01.03.2020

Die Fastenaktion des katholischen Hilfswerks Misereor ist am Sonntag mit einem Gottesdienst im Erfurter Dom eröffnet worden. Sie steht unter dem Leitwort "Gib Frieden!" und richtet den Blick auf die Arbeit von Partnerorganisationen in Syrien und im Libanon. Die Aktion sei "ein Zuruf an uns gegen Gleichgültigkeit und Ignoranz", sagte Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel: "Wo kann ich für Frieden eintreten? Wo meine Stimme erheben? Wo braucht es meine Solidarität und meine Zivilcourage gegen Ausgrenzung und Hass?"

In seiner Predigt beschrieb Kardinal Mario Zenari aus Syrien in bewegenden Worten die Not vieler Menschen in der Region, die von vielen als "Hölle auf Erden" beschrieben werde: "In diesem Winter sind schon etwa 50 Babys gestorben – zum Teil in den Armen ihrer Mütter – auf der Flucht, vor Hunger, durch die Kälte." Auch viele ältere Kinder seien erfroren oder verhungert.

Die Kirche sei hier aufgerufen, "Feldlazarett zu sein, wie Papst Franziskus sagt" und nach dem Vorbild des barmherzigen Samariters die Not zu lindern. Dabei sei die Arbeit von Misereor und anderen Hilfswerken sehr wichtig, ergänzte Zenari, der Nuntius, also Botschafter des Papstes in Syrien ist: "Materielle Hilfe, Solidarität und Mitgefühl sind unsere Aufgaben heute", auch wenn es angesichts der riesigen Aufgabe oft fast aussichtslos erscheine.

Ein "Hilfeschrei der Menschen"

Misereor-Chef Spiegel beschrieb das Aktionsmotto "Gib Frieden!" als "Ausdruck des Hilfeschreis der Menschen" in der Region. Der Krieg habe seit 2011 eine halbe Million Todesopfer gefordert, mindestens zwölf Millionen Menschen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen. Der an Syrien angrenzende Libanon laufe Gefahr, der nächste Konfliktort der Region zu werden. Das kleine Land habe allein 1,5 Millionen Geflüchtete aus den Kriegen in Syrien und dem Irak aufgenommen. In Syrien und dem Libanon bündelten sich die Probleme des Nahen Ostens wie in einem Brennglas.

Seit 1958 entwickelt Misereor für die katholische Kirche in Deutschland ein Angebot zur Gestaltung der Fastenzeit. Zugleich wird die Bevölkerung gebeten, Notleidende in Asien, Ozeanien, Afrika, dem Nahen Osten und Lateinamerika zu unterstützen. Mehr als 109.000 Projekte wurden im Laufe der Jahre gefördert. Am sogenannten Misereor-Sonntag (29. März) wird in allen katholischen Gottesdiensten über die Arbeit des Hilfswerks informiert und um Spenden gebeten. (KNA)