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Standpunkt

Die Bischöfe gehen bei Anerkennungszahlungen den richtigen Weg

Die deutschen Bischöfe haben höhere Zahlungen für Missbrauchsopfer beschlossen. Kritiker halten auch diese größeren Beträge für zu gering. Björn Odendahl hält die Überlegungen der Oberhirten aber für richtig. Denn es gehe um Vergleichbarkeit.

Von Björn Odendahl |  Bonn - 06.03.2020

Lange haben die deutschen Bischöfe über die Anerkennungsleistungen für Betroffene sexuellen Missbrauchs diskutiert. Jetzt steht fest: Es werden Summen von bis zu 50.000 Euro pro Person bezahlt – deutlich mehr als zuvor. Damit bewegt sich die Kirche am oberen Rand dessen, was staatliche Gerichte Opfern als Schmerzensgeld in vergleichbaren Fällen zugestanden haben. Auch fordert die Kirche weiterhin – anders als jene Gerichte – von Betroffenen keine umfangreichen Beweise ein, so dass man von einer unbürokratischen und soliden Lösung sprechen könnte.

Stattdessen wird jedoch Kritik daran laut, dass die Summe nicht deutlich höher ausgefallen ist. Dass das so ist, ist auch einem Kommunikationsproblem der Bischöfe geschuldet. Denn nicht sie haben die Summe von bis zu 400.000 Euro ins Spiel gebracht, sondern eine externe Expertengruppe. Von einem "Rückzieher" oder ähnlichem kann daher eigentlich nicht die Rede sein. In der breiten Öffentlichkeit ging dieser Fakt aber ebenso unter wie der, dass die vorgeschlagene Summe auch gesamtgesellschaftlich in keinem Verhältnis steht.

Man kann natürlich damit argumentieren, dass die Kirche reich ist; dass sie ihre eigenen moralischen Ansprüche verraten hat; und dass nicht zuletzt systemische Ursachen den Missbrauch gefördert haben. All diese Aussagen sind für sich genommen nicht falsch. Und dennoch bleibt es problematisch, wenn man daraus deutlich höhere Anerkennungszahlungen für Missbrauchsopfer speziell im kirchlichen Kontext ableiten möchte. Denn auch wenn Vergleiche bei einer so heiklen Thematik schwierig sind, weil sie im Verdacht stehen, relativieren zu wollen, bleibt die Frage: Ist der Missbrauch schlimmer und verlangt höhere Zahlungen, wenn er von einem Priester begangen wird statt von einem Lehrer oder Fußballtrainer? Wird nicht auch hier ein besonderes Vertrauensverhältnis verletzt? Sind die Folgen für die Missbrauchten nicht die gleichen?

Richtig ist, dass die Kirche alle Faktoren, die den Missbrauch in ihren eigenen Reihen begünstigt, eliminieren muss, damit er sich nicht wiederholt. Mit dem Synodalen Weg, den Präventionsschulungen, der Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften und vielem mehr versucht sie das. Richtig ist auch, dass die Kirche bei Härtefällen – etwa da, wo Missbrauch durch systemische Ursachen andauern konnte oder die Aufarbeitung verhindert wurde – mehr als die genannten 50.000 Euro zahlt. Das hat sie vor. Dass die Empörung vieler Missbrauchsopfer im Kontext der Kirche groß ist, ist mehr als verständlich. Dennoch war es die richtige Entscheidung, in Deutschland nicht für ein Zwei-Klassen-System bei Entschädigungszahlungen zu sorgen.

Von Björn Odendahl

Der Autor

Björn Odendahl ist Chef vom Dienst bei katholisch.de.

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