Die Verklärung Christi
Schwester Birgit Stollhoff über das Sonntagsevangelium

Veränderung darf Angst machen!

Können wir nicht alles so beibehalten, wie es ist? Wenn Änderungen anstehen, möchten nicht nur die Jünger auf dem Berg Tabor das Bekannte am liebsten in Stein meißeln, schreibt Schwester Birgit Stollhoff – die seit einem Jahr mit Experten für Veränderung zusammenarbeitet.

Von Sr. Birgit Stollhoff CJ |  Hannover - 07.03.2020

Impuls von Schwester Birgit Stollhoff

Wie geht Verwandlung? Wie geht Veränderung? Es sind Fragen, die sich jeder und jede Einzelne stellt und die wir in der Kirche vielleicht gerade mit größerer Dringlichkeit stellen.

Die Geschichte vom Berg Tabor zeigt bespielhaft, wie Veränderung "geht". Für mich ist sie inzwischen eine zentrale Bibelstelle, da ich seit einem Jahr mit Jugendlichen in einem offenen Jugendcafé namens "Tabor" arbeite. Begonnen habe ich mit vielen Unsicherheiten und Sorgen: Wie geht das? Schaffe ich diese neue Aufgabe? Zum Glück hatte ich gute Mitarbeiter und Vorgesetzte und vor allem die Jugendlichen selbst, die Experten für Veränderung.

Mit der Brille unseres Alltags lässt sich die Tabor-Erzählung vielleicht so lesen: Eine Herausforderung bei Veränderungen ist zunächst die Frage nach der Vergangenheit – nach alten Vorbildern, alten Gewohnheiten, alten Rollen etwa. Und da sind die Jünger wie wir: Können wir die nicht fest in unser Leben mauern? Können wir das alles so beibehalten? Und die Erzählung lehrt: Nein, das können wir nicht. Die Vergangenheit gehört zu uns als Teil unserer Identität, aber sie ist nicht Zukunftsplan. Wir dürfen uns ändern, wir müssen Beziehungen ändern. Für die Jugendlichen ist das Alltag und auch wir selber leben letztlich ständig in sich ändernden Konstellationen und Rollen.

Wie sieht die Zukunft aus? Da gibt es manchmal schmerzhaft-deutliche Einsichten zu uns und anderen Personen, vage Ideen und viel "Verschwommenheit". Manches ist uns klar und bringt uns weiter, anderes völlig offen. Und so ist auch die Erfahrung der Jünger am Berg Tabor beides: Eine klare Ansage zu Jesus und die Beziehung zu ihm und viel Unsicherheit. Was ich, so paradox es klingen mag, am beruhigendsten finde in dieser Erzählung: Die Zukunft darf Angst machen! Die Jünger sind nicht begeistert von der Erfahrung, gehen nicht trunken-geläutert und weise den Berg herunter. Erkenntnisse und Einsichten machen zunächst Angst. Was passiert da? Wie soll das gehen? Immer wieder fragen die Menschen in der Bibel Gott danach. Und immer wieder zeigt Gott, dass er es ist, der die Zukunft schenkt – meist ganz anders, als erwartet und immer mehr, als wir uns zugetraut hätten. Und die Zukunft, das ist auch ein wichtiger Aspekt, ereignet sich nach der ersten Erkenntnis unterwegs. Was das Ereignis auf dem Berg Tabor bedeutet, lernen die Jünger erst danach, wieder untern am Berg, auf dem gemeinsamen Weg, in den Erlebnissen von Jesu Kreuzigung und Jesu Auferstehung in Jerusalem. Auch ich lerne mit und von den Jugendlichen Veränderung – im Alltag, jeden Tag neu. Mal ist es ein Loslassen, mal eine schöne Erkenntnis, manchmal eine schwierige Erfahrung und oft viel großartiger, als je vorgestellt.

In der Kirche haben wir derzeit große Pläne, scheinbar auch zwei sich gegenüberstehende festgemauerte Entwürfe von Zukunft. Da finde ich es sehr hoffnungsvoll, dass Papst wie Bischöfe dazu aufrufen, gemeinsam und in den Gruppen vor Ort loszugehen. Veränderung geschieht unterwegs und sie ist immer anders, als gedacht.

Der evangelische Dichter Armin Juhre beschreibt die Mühen der Verwandlung in einem wunderschönen Lied: "Sing nicht so schnell dein Glaubenslied, sing nicht so laut, so grell. Der Glaube trägt ein schweres Kleid aus Gnadenglück und Sterbeleid. Vielleicht kommt er dir nahe. Vielleicht bleibt er dir fern." Die gleiche Geduld gilt für die Liebe, die uns verwandelt, für die Hoffnung, die ihren eigenen weiten Horizont hat und für den Frieden, der es manchmal schwer hat bei uns Menschen. Verwandlung ist ein langer Weg.

Von Sr. Birgit Stollhoff CJ

Evangelium nach Matthäus (Mt 17, 1-9)

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht.

Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus. Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.

Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst!

Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus. Während sie den Berg hinab stiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Die Autorin

Sr. Birgit Stollhoff CJ gehört dem Orden Congregatio Jesu (auch bekannt als Mary-Ward-Schwestern) an, arbeitet im Jugendpastoralen Zentrum "Tabor" in Hannover, studiert Theologie im Fernstudium an der Universität Luzern und ist mitverantwortlich für die Öffentlichkeits- und Medienarbeit ihres Ordens.

Ausgelegt!

Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.