Hellgraues Priesterhemd mit eingestecktem Collar
Nicht an Auflagen aus Missbrauchsverfahren gehalten

Gottesdienstverbot für Pfarrer im Erzbistum Freiburg

Das Missbrauchsverfahren gegen den Pfarrer liegt zwar schon zwei Jahrzehnte zurück. Weil er aber gegen bestimmte Auflagen aus der Zeit verstieß, untersagte ihm jetzt Freiburgs Erzbischof Stephan Burger das öffentliche Feiern von Gottesdiensten.

Freiburg - 09.03.2020

Das Erzbistum Freiburg hat einem Geistlichen das öffentliche Feiern von Gottesdiensten untersagt, weil der Pfarrer sich nicht an Auflagen aus einem früheren Missbrauchsverfahren gehalten hat. Ein Bistumssprecher bestätigte damit am Montag einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung.

Der heute 59-Jährige war vor 20 Jahren wegen sexuellen Missbrauchs von drei Kindern zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Seit seiner Freilassung arbeitet der Mann in der kirchlichen Verwaltung. Ihm war es seitdem verboten, Kontakte zu Kindern und Jugendlichen aufzunehmen. Weil an einzelnen Gottesdiensten nun doch Kinder teilgenommen hätten, habe Erzbischof Stephan Burger dem Mann jetzt untersagt, öffentliche Gottesdienste zu leiten, so der Sprecher. Es gebe aber keine neuen Missbrauchsvorwürfe.

Hinweise, dass Personalakte des Priesters nicht vollständig ist

Derzeit analysieren mehrere Arbeitsgruppen des Erzbistums den Umgang mit sexuellen Missbrauchstaten durch Kirchenmitarbeiter. Dazu gehört auch der Fall des 59-Jährigen. Dem Vernehmen nach gibt es Hinweise, dass die entsprechende Personalakte des Priesters nicht vollständig ist, beziehungsweise im Nachhinein Seiten entfernt worden sein könnten. Eine eigene Arbeitsgruppe mit Juristen und Kriminalisten ist beauftragt, nach Hinweisen auf das gezielte Vertuschen oder Verschweigen von Missbrauchsvorwürfen zu suchen. Die Expertengruppe will voraussichtlich im Herbst ihren Abschlussbericht vorlegen.

Die deutschen Bischöfe hatten im Jahr 2018 eine Studie zum sexuellen Missbrauch (MHG-Studie) veröffentlicht. Demnach wurden in den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 Hinweise auf bundesweit 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden. Nach den Zahlen für das Erzbistum Freiburg wurden im Zuge der Missbrauchsstudie 4.114 Personalakten von Klerikern aus den Jahren 1946 bis 2015 ausgewertet. Dabei wurden 190 Beschuldigte identifiziert, unter ihnen 164 Priester, zwölf Ordensangehörige und vier Diakone. Laut dem Erzbistum gab es 442 Betroffene, von denen eine knappe Mehrheit (51,3 Prozent) weiblich war. (tmg/KNA)