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Im Missbrauchsskandal sollten Kirchenmänner zu ihren Fehlern stehen

Das Erzbistum Köln sagte die Vorstellung einer Missbrauchsstudie ab, bei der auch Namen genannt werden sollten. Doch wer Fehler begangen hat, sollte unaufgefordert dazu stehen, kommentiert Benjamin Leven.

Von Benjamin Leven |  Bonn - 17.03.2020

Benjamin Leven

Das Erzbistum Köln hat vergangene Woche die Vorstellung einer Studie zum sexuellem Missbrauch abgesagt. Kölns Erzbischof Rainer Maria Woelki hatte eine Münchner Anwaltskanzlei beauftragt, die Akten des Erzbistums zu durchforsten, um systemische Defizite, aber auch Fehler von Verantwortlichen aufzuklären. Dabei war auch geplant, Namen zu nennen – ein Novum in der deutschen Kirche. Dagegen waren offenbar zuletzt rechtliche Bedenken aufgekommen. Woelki und sein Generalvikar Markus Hofmann wollen sich darum zusätzlich juristisch absichern, halten aber weiter an einer Veröffentlichung fest. Die Studie untersucht einen Zeitraum von 1975 bis heute.

Ein ehemaliger Personalchef des Erzbistums, Robert Kümpel, hatte Ende Januar bereits eingestanden: „Ich hätte mich stärker dafür einsetzen müssen, dass wir viel strikter und konsequenter gegen diese Täter vorgehen.“ Im Fokus der Untersuchung steht naturgemäß nicht zuletzt das Wirken der ehemaligen Personalverantwortlichen und Generalvikare. Dass aus der geplanten Veröffentlichung vorerst nichts wurde, hat dem Vernehmen nach auch damit zu tun, dass gegen das Vorhaben juristisch vorgegangen wird. Natürlich hat jedermann das Recht, auf die Wahrung seiner Persönlichkeitsrechte zu pochen und sich mit allen Mitteln des Rechtsstaates zu verteidigen.

Dennoch könnten sich alle Beteiligten, insbesondere diejenigen, die heute noch hohe und höchste kirchliche Ämter in Deutschland bekleiden, ein Beispiel an dem ehemaligen Personalchef Kümpel nehmen. Wer nicht an Gedächtnisverlust leidet, weiß, was er konkret getan und was er unterlassen hat. Er weiß, ob er seiner Verantwortung gerecht geworden ist. Es wäre darum ein Zeichen von Größe, jetzt öffentlich dazu zu stehen – und wenn nötig, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Das gilt übrigens nicht nur für Kirchenmänner aus dem Erzbistum Köln.

Von Benjamin Leven

Der Autor

Benjamin Leven ist Redakteur der "Herder Korrespondenz".

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