Eine Frau guckt ein YouTube-Video mit Papst Franziskus.
Erzbistum Freiburg im Gespräch mit Videoplattform

Kirche verhandelt mit YouTube: Streams sollen einfacher werden

Für viele ist YouTube die erste Wahl für Videos – auch für den Livestream aus der eigenen Kirche. Mit dem Handy braucht man dafür mindestens 1.000 Abonnenten. Zu viel für viele Pfarreien – das Erzbistum Freiburg will helfen.

Freiburg - 26.03.2020

Mehrere Bistümer stehen mit YouTube in Verhandlungen, um das Streaming von Gottesdiensten zu erleichtern. Wie die Erzdiözese Freiburg am Donnerstag auf ihrer Facebook-Seite mitteilte, könnte für einige Gemeinden demnächst die Untergrenze von 1.000 Abonnenten fallen, die benötigt werden, um vom Smartphone aus Livestreams über die Videoplattform zu senden. "Wir sind gerade mit YouTube im Gespräch, dass wir eine begrenzte Anzahl für Freischaltungen bekommen", heißt es im Posting.

Der Freiburger Pressesprecher Michael Hertl steht auf Vermittlung des Organisators der Videodays, des größten YouTuber-Festivals Europas, Christoph Krachten, im Kontakt mit Google Deutschland. Google betreibt die Videoplattform. Beteiligt seien alle Pressestellen der Bistümer, Werke und Orden sowie die Deutsche Bischofskonferenz, so Hertl gegenüber katholisch.de: "Jedes Bistum kann selbst entscheiden, wem das Angebot zugute kommen soll; in erster Linie ist es an Pfarreien gerichtet, aber wir haben jetzt auch einige Bistümer mit geringen Subscriberzahlen sowie einige Kategorialseelsorger auf die Liste gesetzt." Wichtig sei vor allem, dass verantwortungsvoll mit der Option des mobilen Livestreamings umgegangen werde. Die Vorauswahl durch die kirchlichen Pressestellen solle gewährleisten, dass nur für seriöse Angebote die YouTube-Grenze von 1.000 Abonnenten gesenkt wird.

1.000-Abonnenten-Grenze nach Diskussion um Terror-Livestreams eingeführt

Im Unterschied zu anderen Social-Media-Plattformen beschränkt YouTube das Livestreaming über Smartphones und stellt diese Funktion im Normalfall nur Accounts mit mehr als 1.000 Abonnenten zur Verfügung. YouTube hatte die Grenze im April des vergangenen Jahres wieder eingeführt, nachdem die Funktion zuvor ab 2017 allen Nutzern zur Verfügung stand. Über Webcams und andere an Computer angeschlossene Kameras sind Livestreams auch bisher schon für alle YouTube-Nutzer möglich.

Medienberichten zufolge steht die Änderung im Zusammenhang mit dem Attentat im neuseeländischen Christchurch, bei dem der Täter seine Morde live gestreamt hatte. Im Anschluss verschärfte Australien seine Haftungsregelungen für Anbieter von Streaming-Plattformen. Gegenüber dem Sydney Morning Herald gab eine YouTube-Sprecherin an, dass das Attentat nicht der einzige Grund für die Änderung und diese nach "umfassender Prüfung" erfolgt sei.

Im Zuge der Corona-Krise haben viele Gemeinden und andere kirchliche Einrichtungen damit begonnen, Gottesdienste und Andachten über Social-Media-Plattformen per Livestream anzubieten. In der vergangenen Woche konnten die Kirche bei ihren Rahmenverträgen mit den Verwertungsgesellschaften GEMA und VG Textedition vereinfachte Regelungen für die Verwendung von urheberrechtsgeschützter Musik und Texten treffen, außerdem ermöglichten die Landesmedienanstalten ein vereinfachtes Verfahren zur rechtskonformen Umsetzung von rundfunkähnlichen Livestreams, die im Normalfall eine Rundfunklizenz benötigen. (fxn)