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Was für eine missionarische Kirche jetzt wichtig wird

Der Apostel Paulus hat wohl kaum täglich die Eucharistie gefeiert. Sein Hauptaugenmerk lag auf der Verkündigung, damit die Menschen den Geist Gottes empfingen. Daran sollte sich Kirche in der Corona-Krise erinnern, kommentiert Michael Böhnke.

Von Michael Böhnke |  Bonn - 27.03.2020

Was Christen von Nichtchristen und Andersgläubigen unterscheidet, ist, dass sie den Geist Gottes empfangen haben. Wir feiern das in der Taufe, durch die der Geistempfang als unauslöschliches Merkmal verliehen wird. Paulus kennt unterschiedliche Kriterien des Geistempfangs. Der Status, ob jemand Christ ist, entscheidet sich daran, ob er den Gekreuzigten als den Herrn erkennt und anerkennt. Daran hat Paulus die Gemeinde in Korinth erinnert (1 Kor 12,3). Bei aller Verschiedenheit stimmen die Mitglieder der korinthischen Gemeinde darin überein, das Kreuzesgeschehen als Offenbarung der Herrlichkeit Gottes zu deuten.

Der Status des Christseins ist zweitens an der Lebensweise der Christen wahrnehmbar (Gal 5,12–25). Dass Menschen den Geist Gottes empfangen haben, zeigt sich in der konkreten Ausrichtung ihres Handelns, in ihrem Lebenswandel, im Streben nach Frieden, nach Freude und nach Gerechtigkeit. Menschen bestimmen sich selbst dazu, sich vom Geist Gottes bestimmen zu lassen, ähnlich wie Sportler, die sich selbst dazu bestimmen, sich vom Geist der Fairness bestimmen zu lassen, oder Politiker, die im Geist der Freundschaft handeln. Menschen, die sich in ihrem Handeln und Verhalten vom Geist Gottes bestimmen lassen, verkünden den Geist Gottes. Sie sind der Brief Christi (2 Kor 3,2f.).

Wenn Menschen den Geist Gottes empfangen haben, ist er in ihnen dauerhaft präsent. Paulus drückt das durch eine Metapher aus: Gott wohnt in den Menschen, die den Geist Gottes empfangen haben, also den Gekreuzigten als den Herrn erkennen und gemäß dem Geist Gottes leben, wie in einem Tempel. "Wo das Pneuma vorhanden ist, ist göttliche Präsenz, hat also ein Ort bzw. eine Gruppe die Qualitäten eines Tempels." (H. Scherer, Geistreiche Argumente, 257).

Schließlich thematisiert der Geistempfang die Lebens- und Schöpfungsmacht Gottes (Gen 2,7). Die Menschen, die den Geist empfangen haben, haben in Hoffnung teil an der Rettung durch das lebensgebende Pneuma, das Paulus auch bei der Auferweckung des Gekreuzigten am Werke sieht (Röm 1,3). Indem der Gekreuzigte als der Auferweckte erkannt und bekannt wird, erinnern Christen daran, dass an Jesus das Schöpfungspneuma Gottes eine "neue Schöpfung" (Gal 6,15) gewirkt hat. Sie verstehen sich als Kinder Gottes, als Erbe der Verheißung und als Teil der neuen Schöpfung.

Von Michael Böhnke

Der Autor

Michael Böhnke ist Professor für systematische Theologie an der Bergischen Universität Wuppertal. Außerdem ist er Ethik-Beauftragter des Deutschen Leichtathletikverbands.

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