So kommen Sie trotz Corona in die Sixtinische Kapelle
Virtuelle Rundgänge durch Kirchen und Museen

So kommen Sie trotz Corona in die Sixtinische Kapelle

Seit Anfang des Monats ist alles dicht: Die Vatikanischen Museen haben wegen der Pandemie geschlossen. Doch im Internet kann man sie und zahlreiche andere Museen und Kirchen noch besuchen. Katholisch.de stellt einige virtuelle Rundgänge vor.

Von Cornelius Stiegemann |  Bonn - 28.03.2020

Wo Menschen normalerweise draußen Schlange stehen und sich drinnen von Raum zu Raum drängen, herrscht plötzlich gähnende Leere: Im Zuge der Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus mussten Museen in aller Welt schließen, auch diejenigen des Vatikan sowie der Petersdom sind nicht mehr öffentlich zugänglich. In Deutschland stehen die meisten Kirchen zwar noch zum persönlichen Gebet offen, doch bleiben viele Gläubige aus Angst vor einer Ansteckung zuhause. Es gibt aber eine Möglichkeit, wie man in diesen Tagen durch Museen schlendern oder ein Gotteshaus besuchen kann – vollkommen gefahrlos und noch dazu kostenfrei.

Nicht erst seit dem Ausbruch der Pandemie entwickeln religiöse wie kulturelle Institutionen vielfältige Online-Angebote. Doch gerade in Zeiten von Versammlungsverbot und Kontaktsperre haben viele ihre Anstrengungen intensiviert. Sie bieten virtuelle Rundgänge durch ihre Häuser an, die der Besucher an PC oder Smartphone auf eigene Faust oder geführt erkunden kann.

Dabei ist eins natürlich klar: Kein Online-Rundgang kann dem Kunstliebhaber die Aura des realen Werkes oder dem Gläubigen die Aura des geweihten Raumes ersetzen. Doch das sollen die Rundgänge auch gar nicht leisten, die katholisch.de im Folgenden vorstellt. Vielmehr eröffnen sie neue Perspektiven auf vermeintlich Altbekanntes und halten diese besonderen Orte auch in Zeiten des erzwungenen Rückzugs ins Private im Bewusstsein.

"Der ungläubige Thomas"

"Der ungläubige Thomas" fasst auf einem Gemälde von Caravaggio in die Seitenwunde des auferstandenen Jesus.

Vatikanische Museen und Sixtinische Kapelle, Vatikanstadt

Die 360-Grad-Rundgänge auf der Homepage der Musei Vaticani warten auch für Menschen, die sich schon einmal durch ihre Gänge gequetscht haben, mit ganz neuen Eindrücken auf: Augustus, Marc Aurel und mamorne Konsuln stehen dem virtuellen Besucher Spalier, die Gänge sind fast menschenleer. Die "Schritte", die man mit Mausklick oder über den Touchscreen machen kann, sind recht klein. Sie sind ein gut gemeinter Zwang, neben den Statuen links und rechts den Blick auch mal über die kunstvollen Mosaiken am Boden oder die Friese hoch oben an der Wand streifen zu lassen. Das Angebot ist Kunstgenuss pur – denn Informationen zu den Werken gibt es nicht. Doch der ebenfalls online verfügbare Katalog der Museen schafft Abhilfe. Nicht zuletzt betritt man die Sixtinische Kapelle und kann durch Heranzoomen den weltberühmten Deckenfresken Michelangelos so nah sein wie nie zuvor.

Galerie der Uffizien, Florenz und Alte Pinakothek, München

Der Katalog der Uffizien liest sich wie das Who is who der Kunstgeschichte schlechthin: Von Giotto, Botticelli da Vinci und Raffael über Tizian bis Caravaggio und Artemisia Gentileschi. Doch wegen Corona sind die Gänge wie leergefegt. Die App "Google Arts and Culture" öffnet nun Tür und Tor: Sie bedient sich dabei der "Street View"-Funktion und macht so die Innenräume von Sammlungen und Galerien weltweit auch in Pandemiezeiten zugänglich. Häuser wie die Uffizien, die Alte Pinakothek in München oder das Van-Gogh-Museum in Amsterdam sind nur drei von über 1.200 Häusern, die an dem Projekt teilgenommen haben. Das Angebot ist gigantisch und kann nach Sammlungen, Künstlern, Epochen oder sogar Farben sortiert werden. Besondere Hingucker sind virtuelle Rundgänge, wie der durch die Caravaggio-Ausstellung der Alten Pinakothek in München. Die ist eigentlich schon vorbei, am Bildschirm besteht sie aber noch. Die Angebote sind am PC nutzbar, doch das Erlebnis soll mit Smartphone und Tablet oder einer 3D-Brille noch immersiver sein, versprechen die Macher. Daneben bieten zahlreiche Museen eigene Touren und Angebote auf ihren Webseiten an, beispielsweise das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid oder das Städel-Museum in Frankfurt. Letztgenanntes bietet sogar einen eigenen Online-Kurs zu moderner Kunst an.

Ein Paar mit kaiserlichen Herrschaftssymbolen liegt als Mamrmor-Relief auf einem Grab. Es handelt sich um das Kaisergrab im Bamberger Dom.
Bild: © KNA

Auch dieses prachtvolle Grabmal kann man im Bamberger Dom virtuell besichtigen: Das mamorne Kaisergrab von Tilman Riemenschneider (1460-1531) zeigt Kunigunde mit ihrem Gatten Heinrich II. (978-1024).

Kölner Dom

Ein Virtual-Reality-Angebot zum Kölner Dom? Was soll es in der bekanntesten Kirche Deutschlands denn noch zu entdecken geben? Eine aufwendige WDR-Produktion hat in Videos und Fotografien Orte und Perspektiven gesammelt, die selbst der kundige Dom-Besucher noch nicht gesehen hat. Es gibt eine Reise durch die Geschichte bis zu den Anfängen des Gotteshauses im römischen Köln. Der Domorganist Winfried Bönig gibt ein Privatkonzert, während man selbst hoch oben durch den Kirchenraum schwebt. Und es geht hinter die Kulissen einer Kathedrale, die niemals fertig gebaut sein kann. Das Angebot gibt es als eigene App, kann aber auch über den Browser aufgerufen werden.

Kathedralen in Bamberg, Münster und Fulda

Auch andere Kathedralkirchen laden zu Entdeckungsreisen ein. Durch den Paulusdom in Münster führt ein vorgegebener Weg beginnend am Paradiesportal durch das Gotteshaus. Es geht aber noch weiter: Durch Sakristei, den Kreuzgang und das Kachelzimmer – und auch ein Abstecher in den Domschatz ist möglich. Im Bamberger Dom kann man zwei Führungen mitmachen oder die Highlights der Kirche auf eigene Faust erkunden. Wie in Münster bieten viele Stationen neben Info-Texten auch kurze Video- oder Audioaufnahmen. Zusätzlich gibt es beim Bamberger Reiter oder dem Papstgrab noch spirituelle Impulse. Den Augsburger Dom besuchen jedes Jahr Touristen aus aller Welt. Deshalb ist auch die virtuelle Tour in deutscher, englischer und italienischer Sprache erlebbar. Eine Karte verrät jeweils den aktuellen Standpunkt, die Blickrichtung und weitere Sehenswürdigkeiten der Kathedrale. Ähnliche Online-Angebote gibt es auch in Fulda, Paderborn und Aachen. Im alten Kaiserdom in Worms sind sowohl die Saliergruft als auch der Dachstuhl begehbar. Und der protestantische Magdeburger Dom lockt mit spektakulären Ansichten des Kirchenschiffs und von der Turmspitze über die Elbe.

Zwei Heiligenstatuen rahmen den Weg zur Barockkirche St. Franziskus in Zwillbrock.

Hinter einem bescheidenen Äußeren verbirgt sich eine vollständig erhaltene, prächtige Barockausstattung: St. Franziskus in Zwillbrock nahe der niederländischen Grenze.

St. Maria und St. Clemens, Schwarzrheindorf

Wegen ihrer prächtigen Deckenmalereien gilt die frühere Stiftskirche als romanisches Kleinod am Rhein. Online stehen dem Besucher nicht nur die Unterkirche, sondern auch die Oberkirche und die das komplette Gebäude umlaufende und mit kunstvollen Kapitellen geschmückte Galerie offen – die sieht man sonst nur mit einer Führung.

St. Franziskus, Zwillbrock

In die kleine Bauernschaft Zwillbrock, direkt an der niederländischen Grenze, verirren sich nicht häufig Besucher. Doch ein Besuch lohnt sich – und über das Internet ist die Kirche des Ortes, St. Franziskus, nur wenige Klicks entfernt. Vom Zweiten Weltkrieg verschont wartet sie mit einer komplett erhaltenen Barockausstattung auf, einzigartig im Münsterland. Besonderer Clou der Produktion: In der Kirche steht Bruder Hubert dem Besucher stets mit Rat und Tat zur Seite. Der Canisianerbruder war bis zu seinem Ruhestand 2017 jahrzehntelang Küster der Kirche und kennt sie wie kein Zweiter. Mit ihm kann der Besucher das Geheimnis des Altarbildes lösen und den größten Schatz des kleinen Gotteshauses finden.

Die Erzabtei St. Martin in Beuron liegt malerisch vor Bergen.

Die Erzabtei St. Martin in Beuron liegt malerisch im Donautal.

Erzabtei St. Martin in Beuron und Abtei Roggenburg

Normalerweise hat man hier keinen Zutritt: Der virtuelle Rundgang durch die Erzabtei St. Martin in Beuron führt auch in die Klausur der Mönche. Durch lichtdurchflutete Gänge geht man an den Zellentüren vorbei – jeden Moment erwartend, dass sich eine von ihnen öffnet und man einem Benediktiner gegenübersteht. Doch auch wenn man am Ende allein bleibt, bietet der Rundgang spannende Einblicke in das berühmte Kloster. Neben Kirche und Konvent geht es auch durch die weitläufigen Gartenanlagen der Abtei – Vogelzwitschern inklusive. Einen ähnlich schönen Rundgang bietet die Abtei Roggenburg. Der Besucher kann die fast unverändert erhalten gebliebene Barockanlage erkunden und die prächtigen Deckengemälde in der Kirche bestaunen. Überall finden sich kleine Informationstexte und in kurzen Videos tauchen immer wieder einige der 12 Prämonstratenser-Chorherren auf, die hier leben.

Ehemalige Abtei Rommersdorf

In Rommersdorf bei Neuwied gibt es heute keine Mönche mehr. Doch bis zur Säkularisation beteten und arbeiteten auch hier Prämonstratenser. Nach jahrelangem Verfall hat eine Stiftung die Gebäude der ehemals bedeutenden Abtei im Bistum Trier wiederhergestellt und einen Rundgang eingerichtet. Wem der virtuelle Besuch der Ausstellung im Kreuzgang noch nicht genug war, kann hinterher noch auf der Homepage der Abtei stöbern: Umfangreiches Bild- und Textmaterial illustrieren sowohl die Geschichte des Klosters als auch Rettung der Anlage in den 1970er Jahren.

Von Cornelius Stiegemann