Künftiger Bischof Meier: Staat ist nicht nur für Katholiken da
Oberhirten rufen in Corona-Krise zu Glaubensverkündigung und Solidarität auf

Künftiger Bischof Meier: Staat ist nicht nur für Katholiken da

Sollten sich die Kirchen dafür einsetzen, dass trotz der Corona-Krise öffentliche Gottesdienste stattfinden können? Augsburgs künftiger Bischof Bertram Meier hat das zurückgewiesen und daran erinnert, dass der Staat nicht nur für Katholiken da ist.

Augsburg/Passau/München - 29.03.2020

Augsburgs ernannter Bischof Bertram Meier hat sich gegen Kritik verwahrt, die Kirchen sollten in der Corona-Krise stärker auf das Recht der freien Religionsausübung pochen. "Sicher sind wir als katholische Kirche nicht nur systemrelevant, sondern auch und vor allem heilsrelevant", sagte Meier laut Manuskript beim Gottesdienst am Sonntag in der Bischöflichen Hauskapelle in Augsburg. "Aber der Staat hat die Pflicht, das Recht auf körperliche Unversehrtheit seiner Bürger zu garantieren", so Meier weiter. "Denn der Staat ist eben nicht nur für katholische Christen da, sondern für alle Bürger."

"Dies bitte ich zu verstehen und in dieser 'Fastenzeit im Ernstfall' die geistige Kommunion zu vollziehen", ergänzte Meier, der zurzeit Apostolischer Administrator seiner Diözese ist. "Ich wünsche mir, dass Sie diese Notlösung nicht nur als Kröte schlucken, sondern im Herzen annehmen."

Der Passauer Bischof Stefan Oster rief dazu auf, in der Coronakrise über den Glauben zu sprechen. "Wir brauchen Glauben und wir brauchen einander im Glauben. Stärken wir uns gegenseitig, indem wir uns gerade jetzt davon erzählen, wie wir glauben, was uns stärkt im Glauben, was uns bewegt", sagte Oster am Sonntag in Passau. Er ergänzte: "Wir sind nicht sehr gewohnt, davon zu sprechen - aber womöglich hilft uns der Herr gerade jetzt zu sehen, was wesentlicher ist als alles andere? Vielleicht hilft er uns zu sehen, wo er wohnt und wie wir mit dem Herzen da hinfinden können."

Oster erklärte, der Glaube werde derzeit angefochten, jetzt in der Krisenzeit besonders. "Gibt es Gott wirklich? Ist Jesus wirklich da, trotz Corona?", fragte Oster. Der Bischof ergänzte, er sei überzeugt, dass die Liebe, die von Jesus komme, stärker sei als der Tod. "Und wenn wir davon berührt sind, dann zeigen auch wir unserem Nächsten gegenüber, dass wir die sind, die Hoffnung haben, die Glauben haben, die ein inneres Daheim bei Jesus haben."

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx appellierte an die Menschen, aus der Corona-Krise für das künftige Miteinander zu lernen. "Wie können wir die Macht der Verzweiflung, des Egoismus, das Kreisen um sich selbst durchbrechen, wie schaffen wir das in unserer Gesellschaft?", fragte der Erzbischof von München und Freising am Sonntag in München. "Es geht darum, wie wir leben wollen, was dies für unser Zusammenwirken bedeutet", fügte Marx an. Der Kardinal ermutigte dazu, in "das Land der Hoffnung zu treten, der Zuversicht, des Miteinanders", und zu prüfen, "wie wir die Kräfte der Hoffnung angesichts des Todes stärken können".

Zum Tagesevangelium des fünften Fastensonntags sagte Marx: Die vom Evangelisten Johannes geschilderte Auferweckung Lazarus' von den Toten richte den Blick nicht nur aufs Sterben. Das zeige: "Wir müssen jetzt deutlich machen, dass wir eine Hoffnung haben, angesichts der Dunkelheit, angesichts der Krise, eine Hoffnung, die unser Engagement füreinander prägt, weil jedes menschliche Leben ein Geschenk Gottes ist", so Marx. Wer Christus gefunden habe, habe eine Hoffnung, "die stärker ist als der Tod, eine Hoffnung, die der Verzweiflung standhält - das kann inspirierend sein für unsere Gesellschaft, das sollten wir Christen einbringen in die Gesellschaft". (rom/KNA)