Ein Schild mit "Einsiedelei" steht in einem Wald
Bewerbungsgespräche wurden abgesagt

Nach 350 Jahren: Einsiedelei bleibt wegen Corona-Pandemie unbewohnt

Seit 350 Jahren wohnt ein Eremit in einer Klause im österreichischen Saalfelden. Im April hätte jemand Neues in die Einsiedelei ziehen sollen. Doch daraus wird nichts. Schuld daran ist die derzeitige Corona-Pandemie.

Saalfelden - 02.04.2020

Die Einsiedelei im österreichischen Saalfelden bleibt in diesem Jahr leer. Grund dafür ist die derzeitige Corona-Krise, weshalb Bewerbungsgespräche für die Stelle abgesagt werden mussten, teilte der Bürgermeister der Stadt, Erich Rohrmoser, dem ORF am Dienstag mit. Im April hätte ein neuer Eremit einziehen sollen. Dem Bericht zufolge ist die über 350 Jahre alte Klause im Bundesland Salzburg damit zum ersten Mal über längere Zeit nicht bewohnt.

Noch im Februar hatten Pfarrei und Stadt gemeinsam nach einem Nachfolger für den Belgier Stan Vanuytrecht gesucht. Der Einsiedler müsse "eine gefestigte Person sein", hatte der Saalfelder Dechant Alois Moser auf der Internetseite der Stadt die Anforderungen der Stelle betont. Die gesuchte Person müsse mit der Einsamkeit am Abend und in der Nacht genauso klarkommen wie mit den vielen Menschen, die die Einsiedelei tagsüber besuchten. "Das Leben in einer Klause am Berg – ohne Strom, Zentralheizung und fließendes Wasser – erfordert Genügsamkeit, eine gute körperliche Verfassung und handwerkliches Geschick", so Moser. Das Büro des Bürgermeisters hatte damals mitgeteilt, dass man für Bewerberinnen und Bewerber gleichermaßen offen sei. Eine Frau habe den Posten bisher allerdings noch nicht bekleidet.

Drei Jahre lang wohnte der Belgier Stan Vanuytrecht in der Einsiedelei Saalfelden in Österreich – nun will er Priester werden.

Vanuytrecht hatte sich 2017 gegen 50 weitere Bewerber durchgesetzt und drei Jahre lang jeweils von April bis November die Klause in Saalfelden bewohnt. Anfang Februar hatte er Moser in einem Schreiben seinen Rücktritt mitgeteilt. In seinem Brief bedankte der Belgier sich für die Zeit in der Einsiedelei: "Es war mir eine Freude, Menschen zu trösten, mir ihre Geschichten anzuhören und eine angenehme Zeit mit ihnen zu verbringen."

Ehemaliger Eremit möchte Priester werden

Mehrere Gründe hätten ihn dazu bewogen, die Stelle aufzugeben. So erlaube sein Gesundheitszustand keine langen Aufenthalte auf der Einsiedelei mehr. "Außerdem möchte ich ein Priesterstudium absolvieren. In Belgien habe ich die Möglichkeit, als Priesterkandidat aufgenommen zu werden." Bevor er zum Eremiten in Österreich wurde, war der Katholik bei der belgischen Luftwaffe in Deutschland stationiert. Anschließend studierte er Vermessungstechnik. 2014 ging der zweifache Vater in Rente. 

Die Klause von Saalfelden liegt in 1400 Meter Höhe und ist eine der letzten bewohnten Einsiedeleien in Europa. Seit dem 16. Jahrhundert wird dort ein Bildnis des Heiligen Georg verehrt, des Schutzpatrons der Tiere. Die natürliche Felshöhle wurde 1664 zu einer Kapelle mit anliegender Klause ausgebaut. (cbr)