Kardinal Rainer Maria Woelki
Kölner Kardinal im Interview zur Corona-Krise

Woelki: Missbrauchsstudie nach Krise – kein öffentlicher Kommunionempfang

Der Plan, Namen von Verantwortlichen zu nennen, stehe weiter, sagt Kardinal Rainer Maria Woelki in einem Interview. Darin äußert er auch eine klare Meinung zum öffentlichen Kommunionempfang während Corona.

Köln - 03.04.2020

Das Erzbistum Köln wird seine Missbrauchsstudie laut Kardinal Rainer Maria Woelki nach dem Ende der Corana-Krise vorstellen. Die beauftragte Münchner Kanzlei lege noch in diesem Jahr ihre Personalakten-Recherchen zum Umgang der Bistumsleitung mit Missbrauchsfällen vor, "und zwar so früh wie möglich", sagte der Erzbischof dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Samstag). Die zunächst für den 12. März geplante Präsentation hatte das Erzbistum kurzfristig abgesagt, weil die geplante Nennung ehemaliger oder aktiver Entscheidungsträger noch eine rechtliche Klärung und Absicherung brauchte.

"Namen werden genannt"

"Nichts von dem, was wir versprochen haben, wird zurückgenommen. Namen werden genannt", sagte Woelki. "Aber dafür müssen die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden." Im Laufe der Untersuchung seien frühere Entscheidungsträger mit Sachverhalten und Fragen konfrontiert worden. "Alle konnten hierzu Stellung nehmen und haben das auch getan", so der Erzbischof. Nun müsse die Kanzlei die Darstellung so fassen, "dass sie presserechtlich und äußerungsrechtlich wasserdicht ist".

Nach den Worten des Kardinals kann das Erzbistum im Bemühen um Aufklärung "nicht in Kauf nehmen, dass wir mit einem Bericht, der dem Recht Gehör verschaffen soll, gleichzeitig die Rechte von Personen verletzen, die in dem Bericht belastet werden". Denn auch diese Personen hätten Rechte, die es zu achten gelte. "Die Maßstäbe des Rechtsstaats gelten für alle", so der Erzbischof.

Ich halte es nicht für gut, öffentlich zum Kommunionempfang einzuladen.

Zitat: Kardinal Woelki über die Eucharistie während der Corona-Krise

In Bezug auf die Corona-Krise zeigt Woelki Verständnis für Forderungen nach Exit-Strategien. "Für viele Menschen geht es um ihre Existenz". Deshalb solle es Verständnis geben für diejenigen, "die jetzt fragen, wann wir zur Normalität zurückkehren können."

Momentan stehe aber der Schutz des Lebens an erster Stelle, betonte der Erzbischof. Er hoffe, dass die Menschen in der derzeitigen Zwangspause über wirtschaftliches Handeln nachdenken, Maßlosigkeit erkennen und einen Ausgleich zwischen Arm und Reich sowie zwischen Wirtschaft und Umwelt ins Auge fassen. Die Arbeitsplätze im Erzbistum Köln seien sicher, sagte Woelki. "Es ist nicht daran gedacht, im Zuge dieser Krise Arbeitsplätze abzubauen."

Woelki gegen Einladung zum Kommunionempfang während Corona-Krise

Gottesdienste mit Kirchenvolk wird es dem Bericht zufolge im Erzbistum Köln mindestens bis nach Ostern nicht geben. Die Kirchen sollten aber zum persönlichen Gebet geöffnet bleiben. Die Erzdiözese hat öffentliche Gottesdienste auf ihrer Homepage bis zum 19. April ausgesetzt. Woelki wandte sich gegen die Idee, die Kommunion zu festen Zeiten in den Kirchen für jedermann zugänglich auszuteilen. "Ich halte es nicht für gut, öffentlich zum Kommunionempfang einzuladen." Er befürchte Schwierigkeiten mit dem Land und den Kommunen. Gläubige könnten aber nach wie vor einzeln, etwa nach der Beichte, die Kommunion erhalten. Der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken hatte vor der Kontaktsperre in Sankt Remigius die Kommunion über einen Zeitraum von rund zwei Stunden nacheinander an rund 70 Menschen ausgeteilt. Mit der Kontaktsperre wurde diese Praxis allerdings eingestellt. (gho/KNA)

Korrektur, 4. April 2020, 14.05 Uhr: Für die Kommunionspendung in Bonn wurde zunächst ein falsches Datum angegeben. Tatsächlich wurde die Praxis mit Erlass der Kontaktsperre in Einklang mit den staatlichen Regelungen eingestellt. (fxn)

Linktipp: Aus rechtlichen Gründen: Kölner Missbrauchsstudie verzögert sich

Eigentlich wollte das Erzbistum Köln am Donnerstag Namen von Verantwortlichen für die Missbrauchsvertuschung nennen. Doch die Veröffentlichung der neuen Missbrauchsstudie wurde nun gestoppt: Es gebe noch rechtliche Probleme, hieß es zur Begründung.