Wenn plötzlich Jesus da ist
Bild: © KNA
Schwester Jordana Schmidt über das Sonntagsevangelium

Wenn plötzlich Jesus da ist

Der kleinen und großen Lichtblicke beraubt, trotten gerade viele einem unsicheren Alltag entgegen – ähnlich den Emmausjüngern des Sonntagsevangeliums. Doch nach einem besonderen Erlebnis ist Schwester Jordana gewiss: Dieser Jesus geht mit.

Von Sr. Jordana Schmidt OP |  Schwalmtal-Waldniel - 25.04.2020

Impuls von Schwester Jordana Schmidt

"Zwei Jünger gingen, voll Not und Zweifel, traurig war ihr Gesicht. Doch da kam Jesus und sprach zu ihnen – und plötzlich wurde es Licht." Seit Ostermontag summe ich diese Liedzeile von Helga Poppe immer wieder mal vor mich hin. In dieser so merkwürdigen Coronazeit passt das Bild der Jünger, die brav zu Zweit gehen (bestimmt auch mit zwei Meter Abstand zwischen ihnen 😉), auf besondere Weise.

Die beiden sprechen über Jesus und dann ist ER plötzlich da! Mehr bleibt uns momentan auch nicht, als unsere Wirklichkeit durch Sprache lebendig werden zu lassen: wenn wir miteinander telefonieren, eine andere Person treffen und über Dinge reden, die gerade nicht mehr möglich sind. Für viele sind es Dinge, die sie schmerzhaft vermissen – die Verwandtschaft, Freunde, die Gemeinschaft der Gemeinde im Gottesdienst den Chor oder auch das Fitnessstudio.

Indem wir miteinander teilen, einander mitteilen, was wir vermissen und was wir daran schätzen, werden diese Dinge wieder Teil unseres Lebens. Sie gehen nicht verloren. Jesus wurde in der Emmausgeschichte lebendig durch das Gespräch und er ging den schweren Weg mit, tröstete sie und erklärte was geschehen war. Auf ihre Bitten hin blieb er zum Essen. Und erst da, am Gewohnten, am Brechen des Broten, erkannten sie ihn.

Oft sind es auch bei uns die alltäglichen Dinge, die Routine, die uns ein Gefühl von Sicherheit, Bekanntheit und auch Zuhause geben. Das weiß Jesus. In diesen Zeiten ohne Gottesdienste gewinnt das für mich nochmal mehr an Bedeutung. Als ich an Gründonnerstag mit den Kindern meiner Kinderdorffamilie das Fladenbrot auf dem Feuer gebacken habe und anschließend in unserer Abendmahlsfeier mit einem Segensgebet brach und an alle verteilte, da war genau diese Präsenz von Jesus und seinen Jüngern spürbar.

Etwas, was mir manchmal in einem Gottesdienst verloren geht. Weil die Liturgie nur abstrakt ein Essen darstellt, die Hostie nur zeichenweise richtiges Brot ist. Und als wir miteinander darüber sprachen, was dieses Zeichen für uns bedeutet und was Jesus für uns bedeutet, da war ER spürbar.

Ich bin dankbar für diese Corona-Jünger-Erfahrung, die Groß und Klein in unserer Kinderdorffamilie nochmal so deutlich machte, was wir jeden Sonntag feiern und was Ostern eigentlich heißt, ja, was wir glauben: Jesus wird überall da lebendig, wo über ihn gesprochen wird, wo geteilt wird. Ob dies nun Brot und Wein sind oder andere Dinge die uns am Leben halten wie Freundschaft, Mitgefühl, Solidarität, Wertschätzung.

Sprechen wir also über diesen Jesus und vertrauen darauf, dass ER lebendig mitten unter uns ist. Auch in diesen merkwürdigen Zeiten.

Von Sr. Jordana Schmidt OP

Evangelium nach Lukas (24,13-35)

Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.

Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Er fragte sie: Was denn?

Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk. Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.

Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.

Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen? Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.

Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken.

Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete? Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.

Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Die Autorin

Schwester Jordana Schmidt OP ist gelernte Familientherapeutin und Diplom-Heilpädagogin. Seit 1994 gehört sie den Dominikanerinnen von Bethanien an. Von 2002 bis 2012 arbeitete sie als Erziehungsleiterin im Bethanien Kinderdorf in Schwalmtal-Waldniel. Seitdem ist sie Kinderdorfmutter von fünf Kindern. Sie ist mehrmals im Jahr im Radio bei "Kirche im WDR" zu hören. Ihre Bücher "Auf einen Tee in der Wüste" und "Ente zu verschenken" waren wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreiben Ordensleute und Priester für uns.