Ein gutes Dutzend Personen zeichnet sich Schattenhaft im grünen Scheinwerferlicht, mit dem die Christus-Statue angestrahlt wurde, ab.
Bild: © Harald Oppitz
Deutsche Bischöfe und Funktionäre ziehen eine positive Bilanz des Weltjugendtags

Rhythmisch und politisch

Unter den zwei Millionen Teilnehmern zeigten sich auch die deutschen Bischöfe und Funktionäre von dem Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro begeistert. Nach dem Abschlussgottesdienst am Sonntag freute sich Jugendbischof Karl-Heinz Wiesemann stellvertretend für die knapp 2.000 deutschen Pilger: "Die Jugendlichen haben am Strand getanzt und gebetet".

Rio de Janeiro - 29.07.2013

Gleichzeitig sei das Glaubensfest in dem Schwellenland stark von den Gegensätzen zwischen Reichenviertel und Favela geprägt gewesen, so der Jugendbischof weiter: "Die Pilger haben sich mit großer Ernsthaftigkeit gefragt, warum es so viel soziale Ungerechtigkeit in der Welt gibt." Bianka Mohr, die für die Deutsche Bischofskonferenz die Jugendseelsorge leitet, bestätigte Wiesemanns Sicht: "Angesichts der Realitäten in Lateinamerika haben sich viele gefragt, ob man nicht mit einem halb so großen Koffer auskommen kann."

Politischer Glaube

Die Auftritte von Papst Franziskus waren auch für die deutschen Pilger Höhepunkt des WJT: "Papst Franziskus ist ein authentischer Vermittler zwischen der Welt des Glaubens und der Lebenswirklichkeit der Menschen", so Wiesemann. Der Papst habe den Jugendlichen Mut gemacht. "Aber er hat sie auch aufgefordert, sich einzusetzen und sich Gehör zu verschaffen", sagte der Bischof aus Speyer.

Jugendliche Pilger am Strand - im Hintergrund die erleuchtete Kulisse von Rio de Janeiro.
Bild: © Harald Oppitz

Nach dem Auftaktgottesdienst mit Rios Erzbischof Orani Joao Tempesta blieben viele Pilger am Strand zurück und erfreuten sich am Anblick Rios bei Nacht.

Bundespräses des Bundes der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ), Pfarrer Simon Rapp, betonte die politischen Schwerpunkte des WJT: "Der Weltjugendtag hat eben auch eine soziale und politische Seite, die dem Papst ebenso wichtig ist, wie den jungen Katholikinnen und Katholiken." Das internationale " Youth Hearing ", eine Ideenbörse, in deren Rahmen Jugendliche ihre Visionen für eine gerechtere Welt diskutieren, habe die politische Dimension des Glaubens gezeigt, so Rapp. Daher plädierte er dafür, das Format weiterzuentwickeln und auch in das Programm künftiger Weltjugendtage aufzunehmen.

Nach den Worten von Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck hat auch der Papst eindeutige Zeichen gesetzt: "Mit seinem Besuch in der Favela und der Eröffnung einer Klinik für Drogensüchtige hat uns Papst Franziskus gezeigt, dass Kirche bei den Armen und Ausgeschlossenen sein muss."

Nach Rio ist vor Krakau

Beim kommenden Weltjugendtag 2016 in Krakau erwarten die Organisatoren wieder mehr Pilger aus Deutschland: "Wir freuen uns sehr auf eine Begegnung mit der Kirche und den Menschen in unserem Nachbarland. Wir sind sicher, dass sich viele deutsche Pilgerinnen und Pilger auch dorthin auf den Weg machen werden", so Mohr von der Jugendseelsorge. Beim Abschlussgottesdienst hatte Franziskus die Jugend der Welt in die südpolnische Stadt eingeladen. (mir)

Wiesemann: Ein unfassbar großes Fest

Jugendbischof Karl-Heinz Wiesemann zeigte sich nach dem Weltjugentag tief bewegt. Im Interview mit katholisch.de sprach er von den Erlebnissen bei der Begrüßungsfeier für den Papst am Strand der Copacabana und war beeindruckt um Einfühlungsvermögen des Papstes: "Ich denke dabei zum Beispiel an die junge Brasilianerin, die vor Rührung und Freude, den Papst als Repräsentantin ihres Kontinents begrüßen zu können, so bewegt war, dass sie kaum sprechen konnte und wie verständnisvoll Papst Franziskus sie dann in die Arme geschlossen hat." Besonders beeindruckt haben ihn der Auftritt von Papst Franziskus: "Man spürt die Zuneigung der Lateinamerikaner zu 'ihrem Papst' und umgekehrt. Gleichzeitig geht Franziskus dorthin, wo – wie er bereits mehrfach gesagt hat – der Rand der Gesellschaft ist, die Ausgeschlossenen: Strafgefangene, Favela-Bewohner und Drogenabhängige in einem Krankenhaus. Er spricht Realitäten aus, die in diesem Kontinent nicht jeder gerne hören mag." (mir)