Drei Diakone der Piusbruderschaft empfangen in Zaitzkofen das Sakrament der Priesterweihe.
US-Distrikt stellt Untersuchungsteam zusammen

Piusbruderschaft lässt Missbrauch in eigenen Reihen untersuchen

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. will begangenes Unrecht wiedergutmachen und künftiges Leid vermeiden: Dafür stellt der US-Distrikt der Piusbrüder nun ein Team zusammen, das Missbrauch in den eigenen Reihen untersuchen soll.

Washington - 07.05.2020

Der US-Distrikt der traditionalistischen Piusbruderschaft will sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen untersuchen lassen. In einer Mitteilung fordert die von Rom getrennte Gemeinschaft Betroffene zudem auf, sich an einen Priester oder ein sonstiges Mitglied zu wenden. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. wolle begangenes Unrecht wo möglich wiedergutmachen und künftiges Leid vermeiden. Vorausgegangen waren Berichte der ultrakonservativen US-Website Church Militant, die Fälle von sexuellem Missbrauch bei den Piusbrüdern öffentlich gemacht hatte. Für Aufklärung will die Bruderschaft einen unabhängigen und ständigen Ausschuss zur Überprüfung von Missbrauch einrichten.

Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) wurde 1969 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991) gegründet. Sie lehnt viele Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) in der katholischen Kirche ab. Streitpunkte sind vor allem Liturgie, Religionsfreiheit und Ökumene. Die Piusbruderschaft sieht sich als Bewahrerin der Tradition der "Heiligen Römischen Kirche". Anfangs kirchlich anerkannt, zeigte sich die Bruderschaft zunehmend antikonziliar. 1975 entzog Rom ihr die kirchenrechtliche Zulassung. Nach unerlaubten Priesterweihen wurde Lefebvre 1976 die Ausübung seines Bischofsamtes verboten. Indem er 1988 ohne päpstliche Zustimmung vier Priester seiner Bruderschaft zu Bischöfen weihte, zogen sich alle fünf die Exkommunikation zu. Die Weihen Lefebvres sowie die der von ihm Geweihten sind nach dem Kirchenrecht zwar unrechtmäßig, aber gültig.

Kontroversen

Papst Benedikt XVI. (2005-2013) ließ 2007 die sogenannte "Alte" oder auch "Tridentinische Messe" wieder allgemein zu und erfüllte damit eine Bedingung der Bruderschaft für die Aufnahme offizieller Gespräche. 2009 hob er als weitere Versöhnungsgeste die Exkommunikation der Bischöfe der Piusbruderschaft auf. Damit haben diese die Rechte katholischer Laien; die Ausübung kirchlicher Ämter ist ihnen weiter untersagt. Die Aufhebung sorgte damals für Kontroversen, insbesondere da einer der Bischöfe, Richard Williamson, wiederholt den Holocaust geleugnet hatte; er wurde 2012 aus der Bruderschaft ausgeschlossen. In der Folge gab es im Vatikan mehrere Gesprächsrunden über strittige Lehrfragen. 2011 legte der Vatikan der Leitung der Piusbrüder eine "Lehrmäßige Erklärung" über grundlegende Glaubenslehren zur Unterzeichnung vor, von der eine mögliche Wiedereingliederung der Bruderschaft in die katholische Kirche abhängt. 2012 kam der Prozess ins Stocken.

2018 wählte das Generalkapitel der Piusbrüder den Italiener Davide Pagliarani für eine Amtszeit von zwölf Jahren zum Generaloberen. Er folgte auf Bernard Fellay, der die Bruderschaft fast 25 Jahre lang im Bischofsrang leitete. Oberer des deutschen Distrikts der Priesterbruderschaft St. Pius X. ist seit August der Schweizer Stefan Pfluger. (tmg/KNA)