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Standpunkt

Die vatikanische Intervention in Trier ist peinlich

Erst das Stoppschild aus dem Nichts, jetzt spricht Bischof Ackermann in Rom vor: Das Verhalten des Vatikan in Sachen Trierer Bistumsreform ist kleinlich – und zeigt, wie unkoordiniert die römischen Mühlen mahlen, kommentiert Gabriele Höfling.

Von Gabriele Höfling |  Bonn - 14.05.2020

Das Verhalten des Vatikan in Sachen Trierer Bistumsreform ist kleinlich und peinlich. Erst wurde das Vorhaben Ende 2019 nach Gutsherrenart quasi aus dem Nichts gestoppt, jetzt spricht Bischof Stephan Ackermann in Rom vor.

Wie unverhältnismäßig das Vorgehen ist, zeigt sich einmal inhaltlich: Ackermann bezweifelt nicht etwa zentrale Aspekte der Kirchenlehre. Er will in seinem eigenen Bistum eine Strukturreform durchführen. Und das ist nicht Willkür seinerseits, sondern wegen des sich abzeichnenden Priester- und Gläubigenmangels bitter nötig. Für katholische Verhältnisse ist diese Reform zudem ziemlich demokratisch zustande gekommen: nach einer mehrere Jahre dauernden Synode, an der auch Laien beteiligt waren.

Noch viel unverständlicher ist die Art und Weise, wie Rom eingriff. Statt den jahrelangen Diskussionsprozess zur Intervention zu nutzen, kam diese genau einen Tag, nachdem Bischof Ackermann die ersten Schritte der Reform in Kraft gesetzt hatte. Wie so häufig – zuletzt in Deutschland im Falle Ansgar Wucherpfennig – haben die bürokratischen Mühlen im Vatikan mehr als langsam und unkoordiniert gemahlen. Mutmaßte man anfangs, dass es ernsthafte Bedenken wegen einer Unbedenklichkeitserklärung für den Rektor der Hochschule Sankt Georgen gegeben habe, sollen es letztlich doch nur interne Verzögerungen gewesen sein. Ob nun bürokratisches Versagen oder absichtliches Verschleppen: So oder so blamiert sich der Vatikan damit selbst. Auch ein wertschätzender Umgang mit dem eigenen Personal sieht in beiden Fällen anders aus.

Mit ihrem Eingreifen in Trier fallen die vatikanischen Behörden außerdem ihrem Chef Franziskus in den Rücken, der immer wieder fordert, einzelne Bistümer sollten mehr Entscheidungsfreiheit haben. Wenn das noch nicht einmal bei einer Entscheidung wie einer Bistumsreform möglich ist, dann schwindet letztlich jede Hoffnung, dass größere Fragen für die Zukunft der Kirche wie "viri probati" oder Frauendiakonat einmal auf der Ebene einer Gliedkirche entschieden werden können.

Von Gabriele Höfling

Die Autorin

Gabriele Höfling ist Redakteurin bei katholisch.de.

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