Ein Mann schaut auf ein Notenblatt und dreht die Seite um.
DOV schreibt an Bischofskonferenz und Evangelische Kirche

Orchestervereinigung: Musiker-Auftritte in Gottesdiensten ermöglichen

Wegen Corona haben fast alle freischaffenden Berufsmusiker ihre Verdienstmöglichkeiten verloren. Die Deutsche Orchestervereinigung appelliert daher nun an die beiden großen Kirchen in Deutschland, sie für Gottesdienste zu engagieren.

Berlin - 20.05.2020

Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) appelliert an die Kirchen, in den kommenden Wochen bei Gottesdiensten bevorzugt freischaffende Musiker auftreten zu lassen und diese zu bezahlen. "Das könnte für viele ein erster Schritt zurück in ein 'normales' Berufsleben und in die Selbstständigkeit sein", erklärte Gerald Mertens, DOV-Geschäftsführer am Mittwoch in Berlin. In Briefen an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, und den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, regte der Verband solche honorierten Auftrittsmöglichkeiten an.

Kirchen können seit Anfang Mai wieder Gottesdienste und Amtshandlungen mit größeren Gemeindegruppen abhalten. "Der Einsatz eigener Instrumentalgruppen, insbesondere eigener Chöre, bleibt aus Gründen des Gesundheitsschutzes wohl noch für längere Zeit ungewiss", sagte Mertens: "Diese Lücke könnten Freischaffende füllen."

Die Orchestervereinigung verwies darauf, dass durch den Shutdown des öffentlichen Lebens seit Mitte März fast alle freischaffenden Berufsmusiker ihre Verdienstmöglichkeiten verloren haben. "Sie verloren als erste ihre Aufträge und werden unter den gegebenen Umständen die letzten sein, die wieder auftreten und selbstständig ihren Lebensunterhalt verdienen können", sagte Mertens mit Blick auf abgesagte Konzerte und ausfallenden Unterricht. Die Kirche könnten mit "einen wichtigen Beitrag für diese besonders betroffene Berufsgruppe leisten". Die DOV vertritt neben den professionellen Musikerinnen und Musikern in Berufsorchestern, Rundfunkorchestern und -chören sowie freien Ensembles auch die Interessen der freischaffenden Berufsmusikerinnen und -musiker.

"Gottesdienste ohne Musik wirken trostlos"

Unterdessen verwies der Musikwissenschaftler Michael Kaufmann auf die Musik als ein entscheidendes Element in Gottesdiensten. "Gottesdienste ohne Musik wirken trostlos, denn Wort und Klang gehören zusammen", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es sei richtig, dass die Kirchen detaillierte Hygienekonzepte zur Eindämmung der Corona-Pandemie entwickelt hätten, betonte der Orgelsachverständige. "Dennoch gehören die rationale und die emotionale Komponente zusammen." Viele Besucher wüssten es zu schätzen, dass Gottesdienste wieder möglich seien und dass vielerorts die Orgel erklingen könne, so Kaufmann. Gemeinde- und Chorgesang seien dagegen in den meisten Bistümern untersagt. "Zudem sind die Kirchen aufgrund der Platzbegrenzungen so wenig besetzt, dass wir von einem ergreifenden Gemeinschaftserlebnis noch weit entfernt sind", bedauerte der Fachmann. (tmg/epd/KNA)