Wie Studierende verzweifelten Abiturienten bei den Prüfungen helfen
Projekt des Fachbereichs Katholische Theologie der Universität Frankfurt

Wie Studierende verzweifelten Abiturienten bei den Prüfungen helfen

Nach den schriftlichen Abiturprüfungen folgen in den kommenden Wochen die mündlichen. Da kommen gerade wegen der Verlegung des Unterrichts ins Digitale schnell mal Fragen auf. Der Fachbereich Katholische Theologie der Universität Frankfurt hat sich dafür etwas einfallen lassen.

Von Melanie Ploch |  Bonn/Frankfurt - 23.05.2020

Die schriftlichen Abiturprüfungen sind in den meisten Fällen schon gewesen, nun folgen in den kommenden Wochen die mündlichen Prüfungen. Doch seit Monaten findet der Unterricht digital statt – gerade für die Abiturjahrgänge manchmal eine schwierige Situation und neue Erfahrung, sowohl unter Lehrern als auch unter Schülern. Für letztere hat der Fachbereich Katholische Theologie der Universität Frankfurt ein Projekt gestartet, um sie im mündlichen Prüfungsfach Religion zu unterstützen. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Frederike Breuer und drei Lehramtsstudenten der katholischen Theologie in höheren Semestern stellen sich den Fragen der Abiturienten. Im Interview erzählt Breuer, wie die Sprechstunden laufen – und welche Fragen der Renner sind.

Frage: Im Fachbereich Katholische Theologie bieten Sie und Theologie-Studierende im Lehramt Hilfe für Abiturienten an, die Religion als mündliches Prüfungsfach belegt haben. Seit wann gibt es dieses Angebot und wie ist die Idee dafür entstanden?

Breuer: Wir haben schon in den letzten Monaten verschiedene Maßnahmen ergriffen, um den Studiengang Katholische Theologie bekannter zu machen und unter das Volk zu bringen. Eine Konsequenz der Corona-Krise ist, dass wir nicht persönlich auf Schülerinnen und Schüler zugehen können. In Zusammenarbeit mit den Studierenden haben wir beschlossen, virtuelle Angebote zu machen. Darüber kam die Idee, Schüler, die sich in katholischer Religion im Abi prüfen lassen – die also zumindest schon ein gewisses Interesse an Theologie haben –, zu unterstützen. Denn durch die Corona-Krise fallen Möglichkeiten wie Lerngruppen im Grunde genommen weg.

Manche berichten von geringer Unterstützung, andere werden durchaus sehr gut betreut. Es hängt auch immer davon ab, wie die digitale Infrastruktur ist – sowohl an den Schulen als auch bei den Schülern zu Hause.

Zitat: Frederike Breuer

Frage: Wenn Sie mit Abiturienten sprechen, sehen Sie – verglichen mit anderen Jahrgängen – einen Einbruch in der Vorbereitung, da der Unterricht durch die Corona-Pandemie seit Wochen digital stattfindet?

Breuer: Ja, teilweise schon. Doch das ist sehr unterschiedlich: Manche berichten von geringer Unterstützung, andere werden durchaus sehr gut betreut. Es hängt auch immer davon ab, wie die digitale Infrastruktur ist – sowohl an den Schulen als auch bei den Schülern zu Hause. Ich habe schon den Eindruck, dass es einigen fehlt, mit ihren Mitschülern zusammen zu lernen, gerade bei der Präsentationsprüfung. Die trägt man sich auch mal gegenseitig zur Übung vor.

Frage: Was ist die Präsentationsprüfung?

Breuer: Hier in Hessen haben die Abiturienten drei schriftliche Prüfungen und zwei mündliche, wobei eine wahlweise als Präsentationsprüfung stattfinden kann. Sie unterscheidet sich insofern von einer mündlichen Prüfung, dass der Schüler sich das Thema selbstständig erarbeitet. Man muss selbst recherchieren, sich Literatur und Quellen suchen und das ansprechend ausarbeiten. Es geht nicht darum, ein Referat zu halten, sondern das Projekt muss hochwertig umgesetzt und dargestellt sein. Bei der mündlichen Prüfung bekommen die Schüler in der Regel ein Thema oder einen Text und müssen nach ein paar Minuten Vorbereitungszeit Fragen dazu beantworten. Somit ist die Präsentationsprüfung etwas aufwendiger. Doch auch dabei bekommt man anschließend Fragen gestellt. Die Schüler, die wir betreuen, wissen es sehr zu schätzen, dass sie diese Präsentationsprüfung vor einem Studierenden probehalten können, der sich mit dem Thema bereits intensiver auseinandergesetzt hat und davon vielleicht auch etwas mehr Ahnung hat.

Frage: Wie wurde und wird das Angebot bisher wahr- und angenommen?

Breuer: Das Angebot läuft seit etwa Anfang Mai. Wir hatten ein paar Anfragen von verschiedenen Schulen. Luft nach oben ist natürlich immer. Doch im Grunde genommen sind die Tutorinnen, die ich dafür gewinnen konnte, gut beschäftigt. Möchte jemand seine Präsentationsprüfung vorstellen, ist da weniger Vorbereitungszeit, denn dann schaut man sich diese Präsentation an und gibt Rückmeldungen. Möchte er konkret über ein Thema sprechen oder kennt sich in diesem nicht so gut aus, müssen sich die Tutorinnen mehr vorbereiten, indem sie sich nochmal einlesen oder in ihre Uni-Unterlagen schauen. Aktiv werden sie immer auf Abruf; da gibt es keine pauschale Zeit.

Frage: Wie läuft eine solche Anfrage ab?

Breuer: Die Schüler melden sich mit einem Anliegen. Wir teilen die Fälle dann auch nach Themenvorliebe unter uns auf. Möchte der Schüler nur eine bestimmte Frage stellen, kann das oft per E-Mail erledigt werden. Meistens machen wir aber über Zoom oder Skype einen Termin für eine Online-Sprechstunde aus und befassen uns näher damit.

Häufig kommen interreligiöse Fragen auf, beispielweise zur Konversion, oder Fragen zur Beziehung zwischen Christentum und dem Islam beziehungsweise dem Christentum und dem Judentum. Religionsphilosophische Fragen sind sowieso generell ein Renner bei Abiturfragen

Zitat: Frederike Breuer

Frage: Gibt es Knackpunkte, also Themen, die immer wieder nachgefragt werden?

Breuer: Häufig kommen interreligiöse Fragen auf, beispielweise zur Konversion, oder Fragen zur Beziehung zwischen Christentum und dem Islam beziehungsweise dem Christentum und dem Judentum. Religionsphilosophische Fragen sind sowieso generell ein Renner bei Abiturfragen, da das ein Thema ist, bei dem es sich anbietet, den Lernstoff abzufragen, zum Beispiel bei der Religionskritik oder verschiedenen Auffassungen zu Religion und Vernunft.

Frage: Melden sich nur Abiturienten aus Hessen bei Ihnen oder auch aus anderen Bundesländern – und sind Sie für diese überhaupt offen?

Breuer: Das wären wir natürlich. Wenn sich jemand bei uns mit einer theologischen Frage meldet, würden wir ja nicht sagen: "Du bist nicht aus Hessen, wir beantworten dir deine Frage nicht." Aber bisher kam es nicht vor, dass sich jemand außerhalb von Hessen gemeldet hat; das Projekt ist ja noch sehr jung. Wir haben vor allem mit dem E-Mail-Verteiler des Bistums Limburg, wo wir mit dem Fachbereich angesiedelt sind, über das Haus am Dom und das religionspädagogische Amt in Frankfurt gearbeitet. Deswegen hat das wahrscheinlich in erster Linie nur hessische Schulen erreicht.

Bild: © Privat

Frederike Breuer ist Absolventin des Gymnasiallehramts und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Katholische Theologie der Universität Frankfurt.

Frage: Für die Lehramts-Studierenden ist es wahrscheinlich auch eine gute Übung, den Stoff zu erklären?

Breuer: Ja, die haben alle Spaß daran und sind sehr motiviert. Wir sind Feuer und Flamme für das Projekt, weil die Berufsinformation oder Studieninformation zurzeit flachfällt. Viele Abiturienten hätten jetzt eigentlich Berufsvorbereitungskurse oder wären für Schnuppertage an der Uni. Das fällt alles aus, von daher ist es ein tolles Angebot für die Schüler, dass sie über ein Thema, für das sie sich sowieso schon ein bisschen interessieren, mit einem Studierenden sprechen können.

Frage: Sind also auch Abiturienten dabei, die darüber nachdenken, Theologie zu studieren und konkret nachfragen oder machen Sie aktiv Werbung?

Breuer: Beides. Wir hatten durchaus schon jemanden, der das Interesse bekundet hat. Ansonsten fragen wir natürlich nach, was die Schüler sich für später vorstellen können. Manche haben konkrete Pläne, aber das ist eher selten. Die meisten wissen noch nicht, wie es weitergeht.

Von Melanie Ploch

Weitere Informationen

Wie sich Schüler bei den Tutorinnen melden können, steht auf der Internetseite der Universität Frankfurt.