Zwanzig-Euro-Scheine für Kirchengebäude
Angesichts Corona-Krise "schöpferische Destruktion" wagen

Pastoraltheologe: Kirchensteuerzahler sollen über Verwendung bestimmen

Ein Einbruch der Kirchensteuern zeichnet sich seit Jahren ab. Mit der Corona-Krise kommen die Finanzsorgen jetzt deutlich früher – der Münchner Pastoraltheologe Andreas Wollbold plädiert daher für eine Reform der Kirchensteuer.

Würzburg - 27.05.2020

Der Münchner Pastoraltheologe Andreas Wollbold fordert eine Reform des deutschen Kirchensteuersystems. In einem Interview mit der "Tagespost" (Donnerstagsausgabe) spricht sich der Dekan der katholisch-theologischen Fakultät der Universität München dafür aus, "lebendige Zentren der Kirche" zu stärken, indem die Kirchensteuer "gezielt einzelnen Gemeinden oder Klöstern" gewidmet werden könne. Spätestens mit dem durch die Corona-Krise bedingten deutlichen Einbruch der Kirchensteuer sei es an der Zeit, "schöpferische Destruktion" zu wagen. Wollbold befürchtet, dass man stattdessen "das System um jeden Preis halten" wolle und dafür dort sparen würde, wo sich kein lautstarker Widerspruch erhebe.

Bisher wird die Kirchensteuer wie andere Steuern ohne direkten Einfluss der steuerpflichtigen Personen erhoben. Die Zuweisungen von Kirchensteuermitteln an einzelne kirchliche Stellen erfolgt auf Grundlage von Wirtschafts- und Haushaltsplänen, die von Kirchensteuerräten beschlossen werden. Diesen Gremien gehören auch gewählte von der Kirche wirtschaftlich unabhängige Laien an.

Massive Einbrüche bei der Kirchensteuer erwartet

Reformen der Kirchensteuern werden seit einigen Jahren diskutiert. 2017 hatte der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, gefordert, insbesondere den einzelnen Kirchengemeinden eine weitreichende Mitbestimmung über die Verwendung der Kirchensteuereinnahmen einzuräumen. Eine Verwaltung auf Gemeindeebene wie in der Schweiz entspreche besonders dem Subsidiaritätsprinzip der Katholischen Soziallehre.

Trotz sinkender Mitgliederzahlen haben die Kirchensteuereinnahmen in den vergangenen Jahren zugenommen. Mit Blick auf den Ausfall der geburtenstarken Jahrgänge als Steuerzahler rechneten die Kirchen jedoch spätestens ab 2030 mit einem deutlichen Rückgang ihrer Einnahmen. Einer 2019 veröffentlichten Studie des Forschungszentrums Generationenverträge der Universität Freiburg zufolge werde sich die Kaufkraft der Kirchensteuereinnahmen bis 2060 ungefähr halbieren.

Mit dem wirtschaftlichen Einbruch durch die Corona-Krise hat sich diese Entwicklung beschleunigt. Der Leiter des Forschungszentrums, der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen, hatte im Mai prognostiziert, dass im Zuge der Krise mit einem Rückgang an Kirchensteuereinnahmen von bis zu 20 Prozent zu rechnen sei. Erste Bistümer haben mittlerweile Haushaltssperren verhängt. (fxn)