Joannes Baptista Sproll, Bischof von Rottenburg-Stuttgart von 1926–1949
Gedenkgottesdienst für von Nazis vertriebenen Oberhirten

Fürst: "Bekennerbischof" Sproll ist Vorbild für mutigen Glauben

Vor 75 Jahren kehrte der von den Nazis vertriebene Bischof Joannes Baptista Sproll nach Rottenburg zurück. Für den amtierenden Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, zeige der "Bekennerbischof", was es heißt, das Evangelium ernst zu nehmen.

Rottenburg - 14.06.2020

Gebhard Fürst, Bischof von Rottenburg-Stuttgart, hat den "Bekennerbischof" Joannes Baptista Sproll (1870-1949) als Vorbild für einen mutigen Glauben bezeichnet. Sproll habe gezeigt, dass Christsein Konsequenzen habe, sagte Fürst am Sonntag in seiner Predigt beim Gedenkgottesdienst im Rottenburger Dom anlässlich des 75. Jahrestags der Rückkehr Sprolls in die Bischofsstadt. "Wenn wir das Evangelium ernst nehmen, sind wir gezwungen, uns aus Liebe für die Menschen, deren Leben bedroht und gefährdet ist, einzusetzen", so der Bischof. Sproll sei dafür ein "herausragendes" Beispiel.

Sproll stehe für das, was Jesus den Aposteln im Evangelium aufgetragen habe, so Fürst weiter. "Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen ist er Bekenner für Barmherzigkeit gegenüber behindertem und versehrtem Leben". Zudem sei Sproll Mahner für ein respektvolles Miteinander der Religionen und Fürsprecher für alle, die unter den Folgen von Flucht und Vertreibung litten. "Wenn Selige und Heilige, wie das Zweite Vaticanum sagt, den Menschen als Vorbilder im Glauben vorangestellt sind, wem sollte dann dies nicht eher zukommen als Bischof Joannes Baptista Sproll?", fragte Fürst in Anspielung auf Sprolls Seligsprechungsprozess, der seit 2011 läuft.

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Am 14. Juni 1945, dem Fronleichnamsfest, kehrte der damalige Rottenburger Oberhirte Joannes Baptista Sproll nach sieben Jahren von den Nationalsozialisten erzwungenem Exil unter dem Jubel der Bevölkerung in seine Bischofsstadt zurück. Der körperlich schwer gezeichnete Sproll wurde von den Gläubigen auf den Marktplatzgetragen. Wegen seiner öffentlich bekundeten Gegnerschaft zum NS-Regime war er 1938 von den Machthabern aus Rottenburg vertrieben worden und verbrachte die Jahre bis Kriegsende in einem Sanatorium im bayerisch-schwäbischen Krumbach.

Auch wenn die Jahrestage der Ereignisse aus dem Jahr 1945 in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie kleiner begangen werden müssten, dürfe das Gedenken nicht stiller werden, betonte Fürst. Viele Gläubige hätten den Krieg und seine Auswirkungen als Kind miterlebt. "Sie kennen die Entbehrungen, Hunger und den Verlust des Vaters oder Bruders, der aus dem Krieg nicht mehr zurückkam", so Fürst. Er sei dankbar, dass es in Rottenburg und in der ganzen Diözese viele Menschen gebe, die die Erinnerung an das Geschehene "wach und lebendig" halten.

Nicht wegducken vor Rassismus und Unterdrückung

Rassismus und Unterdrückung von Minderheiten seien allerdings keineswegs Phänomene der Vergangenheit. Sie seien keine "tragischen Ausnahmeerscheinungen irgendwo in den Vereinigten Staaten" oder in anderen Teilen der Welt. "Sie sind leider immer noch Teil des Alltags, auch hier bei uns", sagte Fürst. Doch gerade Christen dürften davor die Augen nicht verschließen. "Wir können uns nicht wegducken!"

Anlässlich des Gedenkens an die Rückkehr Sprolls vor 75 Jahren hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart eine Multimedia-Reportage über das Leben und Wirken des "Bekennerbischofs" produziert. Diese enthält einige historische Dokumenten, ein Original-Audio aus dem Jahr 1935 und mehrere Interviews, die sich mit Sproll auseinandersetzen. Die Reportage ist im Internet abrufbar. (mal)