Geistlicher wird des Missbrauchs und der Veruntreuung beschuldigt

Bericht: Bischof Zanchetta zurück am Arbeitsplatz im Vatikan

Aktualisiert am 14.06.2020  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ In seiner Heimat wird wegen Veruntreuung und Missbrauchs gegen ihn ermittelt. Nun ist der argentinische Bischof Gustavo Zanchetta laut einem Bericht an seinen Arbeitsplatz im Vatikan zurückgekehrt – was offenbar auch an der Corona-Pandemie liegt.

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Der argentinische Bischof Gustavo Zanchetta, gegen den in seiner Heimat wegen Veruntreuung und sexuellen Fehlverhaltens ermittelt wird, ist auf seinen Arbeitsplatz im Vatikan zurückgekehrt. Dies berichtete am Wochenende das US-amerikanische Portal Crux. Da wegen der Corona-Pandemie die argentinische Justiz monatelang brach lag, sei Zanchetta auf seinen Posten als Assessor bei der vatikanischen Vermögensverwaltung APSA zurückgekehrt, stehe aber weiterhin der Justiz zur Verfügung, zitiert "Crux" Vatikan-Pressesprecher Matteo Bruni.

Im Januar 2019 war Zanchetta von seiner Stelle bei der APSA zunächst suspendiert worden, nachdem es Berichte gab, er habe erwachsene Seminaristen belästigt. Zudem seien auf seinem Mobiltelefon pornografische Bilder aufgetaucht. Vom Missbrauch Minderjähriger sei damals keine Rede gewesen.

Ermittlungen in der Heimat

In Argentinien wird Zanchetta der Veruntreuung öffentlicher Gelder sowie jetzt auch des "schweren fortgesetzten sexuellen Missbrauchs" beschuldigt, da zwei ehemalige Seminaristen eine Strafanzeige gegen ihn eingereicht haben. Der Bischof soll zwischen 2013 und 2017 rund 250.000 US-Dollar (umgerechnet nach damaligem Kurs) unterschlagen haben. Das Geld der Provinzregierung sei für die Restaurierung eines Pfarrhauses sowie eine Vortragsreihe im örtlichen Priesterseminar beantragt gewesen, was beides aber nie stattgefunden habe. Zanchetta hatte Ende 2019 angekündigt, bei den Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs umfassend mit den argentinischen Behörden zusammenzuarbeiten und war dafür in seine Heimat zurückgekehrt.

Gegen Zanchetta läuft zudem ein Verfahren vor der vatikanischen Glaubenskongregation. Die aber will mit ihrem Urteil die Ergebnisse der Justiz in Argentinien abwarten.

Zanchetta gilt als Vertrauter von Jorge Bergoglio aus dessen Zeit als Erzbischof von Buenos Aires. Als Papst hatte Franziskus Zanchetta 2013 zum Bischof von Oran ernannt. Im August 2017 trat dieser zurück – wie es hieß: aus gesundheitlichen Gründen. Der Papst selber räumte später ein, Grund seien Führungsmängel Zanchettas gewesen. Nach einem längeren Aufenthalt in Spanien wurde der Bischof Ende 2017 auf den neu geschaffenen Posten bei der APSA berufen. (mal/KNA)