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Limburger Missbrauchsbericht: Endpunkt oder "Beginn der Ehrlichkeit"?

Am Wochenende wurde der Bericht des Projekts zur Aufarbeitung von Missbrauch im Bistum Limburg vorgestellt. Roland Müller ist beeindruckt von den mehr als 60 Reformforderungen des Papiers. Doch er fragt sich, welche Ideen wirklich umgesetzt werden.

Von Roland Müller |  Bonn - 16.06.2020

"Der Beginn der Ehrlichkeit" – unter diesem mit etwas Pathos aufgeladenen Leitwort stand am Samstag die Veranstaltung in der Frankfurter Paulskirche, bei der die Ergebnisse der Missbrauchsaufarbeitung im Bistum Limburg vorgestellt wurden. Bischof Georg Bätzing und die Präsidentin der Diözesanversammlung, Ingeborg Schillai, hatten das Projekt im vergangenen September als eine Art "Wahrheitskommission" ins Leben gerufen, um Licht ins Dunkel der Missbrauchsfälle in der Diözese zu bringen. Das ist den 70 Beteiligten aus Wissenschaft und Gesellschaft, Missbrauchsopfern und Kirchenvertretern gelungen.

Die für das Bistum Limburg umfangreich analysierten Themenfelder erstrecken sich über so verschiedene und dennoch eng ineinander verschränkte Punkte wie Klerikalismus, Machtmissbrauch, Sexualmoral, Geschlechterrollen, Verwaltung und Kirchenrecht. Die Ergebnisse des Projekts schlagen sich in der Forderung nach 61 Maßnahmen nieder: Ein besseres Beschwerdemanagement, eine größere sexualpädagogische Kompetenz in der Seelsorge oder eine Theologie im Angesicht des Missbrauchs sollen sexuelle Vergehen im kirchlichen Kontext künftig verhindern.

Dass diese notwendigen Änderungen trotzdem nur teilweise ein Erfolg sind, zeigt sich in der von Bischof Bätzing ausgesprochenen Einschränkung, dass wohl nicht alle Vorschläge der Projektgruppe umsetzbar sind. Die auf den Priester zugeschnittenen Strukturen in der Liturgie zu verändern oder den gleichberechtigten Zugang von Frauen und Männern zum Weiheamt zu schaffen, sind nun einmal weltkirchliche Fragestellungen.

Dennoch macht die Aufarbeitung des Missbrauchs im Bistum Limburg große Hoffnungen auf einen nachhaltigen Wandel in der Kirche. Ein großes Anliegen der Beteiligten war eine transparente Kommunikation, die die Interessen der Missbrauchsopfer in den Vordergrund stellt und die der Kirche in die zweite Reihe verweist. Gelungen ist das dem Ergebnisbericht schon allein dadurch, dass die Namen der betreffenden Personalverantwortlichen, Generalvikare und Bischöfe für alle einsehbar genannt wurden – etwas, das bei der bereits angekündigten und auf unbestimmte Zeit verschobenen Missbrauchsstudie des Erzbistums Köln vorerst nicht möglich war.

Damit ist der Limburger Bericht ein Hoffnungsschimmer für den Umgang der Kirche in Deutschland mit dem Thema Missbrauch, zumal Bischof Bätzing nicht nur Oberhirte seiner Diözese, sondern auch Vorsitzender der deutschen Bischöfe ist. Nun muss die Umsetzung des Forderungskatalogs zeigen, ob es sich wirklich um einen "Beginn der Ehrlichkeit" handelt oder doch eher um einen vorläufigen Endpunkt. Dabei hat das Bistum Limburg die einmalige Möglichkeit, zum Vorbild für andere Diözesen zu werden.

Von Roland Müller

Der Autor

Roland Müller ist Redakteur bei katholisch.de

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