Therese von Liseux ist eine der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche.
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Großvater sei Uhrenhändler aus dem Schwarzwald gewesen

Theologe: Thérèse von Lisieux hat deutsche Wurzeln

Thérèse von Lisieux ist eine der spannendsten Heiligengestalten des 19. Jahrhunderts und hat es sogar bis zur Kirchenlehrerin geschafft. Was kaum jemand weiß: Ihre familiären Wurzeln liegen wohl in Süddeutschland.

Freiburg - 17.06.2020

Die französische Heilige Thérèse von Lisieux hat laut dem Theologen und Mediziner Andres Beck deutsche Wurzeln. Ihr Großvater sei ein Wirtssohn aus einem heute noch bestehenden Gasthof im Schwarzwald gewesen, schreibt Beck in einem Beitrag für die am kommenden Wochenende erscheinenden Ausgabe der Freiburger Bistumszeitung "Konradsblatt". Anton Martin sei 1814 von seiner Heimatstadt Furtwangen nach Frankreich ausgewandert, um dort mit Uhren zu handeln. 1823 sei schließlich dessen Sohn Ludwig, französisch Louis, dort zur Welt gekommen – der Vater von Marie Françoise Martin, so der bürgerliche Name der heiligen Thérèse.

Anton Martin habe alle seine Enkelkinder bis auf die jüngste, Marie Françoise, erlebt, schreibt Beck weiter. Über sie habe ein Zeitgenosse gesagt, "dass die 'Merkmale der Schwarzwälder Rasse' in ihr von allen Geschwistern und Schulkameraden am stärksten ausgeprägt gewesen seien, besonders die blonden Haare, das Schwarzwälderinnengesicht, außerdem der deutsche Name Martin, den es dort nicht gibt".

Deutsch-französische Spannungen als Grund für Unkenntnis

Erstmals auf die deutschen Wurzeln der heiligen Thérèse von Lisieux aufmerksam gemacht worden sei er als Student in Madrid von einem aus dem Schwarzwald stammenden Professor, sagte Beck in einem Interview, das sich seinem Beitrag anschließt. Seine Recherchen fußen auf Mitteilungen aus Pfarrarchiven sowie aus den Erzählungen der Nachkommen des Auswanderers. Weil sich Frankreich und Deutschland lange Zeit "spinnefeind" gewesen seien, sei der familiäre Zusammenhang nie besonders beachtet worden. Bislang sei die Herkunft der Heiligen in keinem deutschsprachigen Heiligenlexikon erwähnt worden, "daher hat sich diese Unkenntnis verfestigt", so der Theologe und Mediziner.

Thérèse von Lisieux (1873-1897) trat als 15-Jährige in den Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen ein. Obwohl sie bereits im Alter von 24 Jahren starb und kaum Schriften hinterließ, wurde sie wegen ihres außergewöhnlichen Lebenswandels und ihrer theologischen Überzeugungen bald nach ihrem Tod verehrt. 1923 wurde sie selig-, 1925 heiliggesprochen. Seit 1944 ist sie Patronin Frankreichs. 1997 erhob Papst Johannes Paul II. Thérèse von Lisieux schließlich zur Kirchenlehrerin. 2015 sprach Papst Franziskus ihre Eltern Zélie und Louis Martin im Rahmen der Familiensynode ebenfalls heilig. (mal)