Therese von Lisieux
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Heimatforscher: These seit Langem in der Region verankert

Zweifel an Untersuchung zu deutschen Wurzeln von Thérèse von Lisieux

Der Theologe Andreas Beck hatte zuletzt versucht, die angeblichen deutschen Wurzeln der heiligen Thérèse von Lisieux nachzuweisen. Doch nun zweifelt ein Experte die Untersuchungen an: Die These gebe es schon lange – sie fuße aber nur auf Vermutungen.

Freiburg - 22.06.2020

An den Untersuchungen des Theologen Andreas Beck zu den familiären Wurzeln der heiligen Thérèse von Lisieux sind Zweifel laut geworden. Becks Behauptung, Thérèses Großvater stamme aus dem Schwarzwald, sei auf Forschungen eines Benediktinerpaters aus der Mitte des 20. Jahrhunderts zurückzuführen, der sich von Vermutungen habe leiten lassen, schreibt der Heimatforscher Stefan Heimpel in einem Beitrag für die am kommenden Wochenende erscheinenden Ausgabe der Freiburger Bistumszeitung "Konradsblatt". Die These von der familiären Verbindung der heiligen Thérèse in den Schwarzwald sei seit vielen Jahrzehnten in der Region verankert und habe sogar Eingang in Publikationen gefunden.

Beck hatte zuletzt in einem Beitrag für das Konradsblatt behauptet, dass es sich bei Thérèses Großvater um den Uhrmacher Anton Martin aus Furtwangen handle, der 1814 nach Frankreich ausgewandert sei und dort Karriere im Militär gemacht habe. Seine Recherchen fußen auf Mitteilungen aus Pfarrarchiven sowie aus den Erzählungen der Nachkommen des Auswanderers. Weil sich Frankreich und Deutschland lange Zeit "spinnefeind" gewesen seien, sei dieser familiäre Zusammenhang nie besonders beachtet worden, so Beck.

Parallelen zwischem echtem und behauptetem Großvater

Laut Stefan Heimpel gibt es Parallelen zwischen dem Auswanderer Anton Martin und Pierre Martin, dem tatsächlichen Großvater der heiligen Thérèse: Beide hätten eine militärische Laufbahn durchlaufen und als Uhrmacher gearbeitet. Allerdings gebe das Taufdokument von Thérèses Vater Louis Martin "eindeutig" Aufschluss, dass die Familie aus der Normandie stamme, schreibt Heimpel.

Thérèse von Lisieux (1873-1897) trat als 15-Jährige in den Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen ein. Obwohl sie bereits im Alter von 24 Jahren starb und kaum Schriften hinterließ, wurde sie wegen ihres außergewöhnlichen Lebenswandels und ihrer theologischen Überzeugungen bald nach ihrem Tod verehrt. 1923 wurde sie selig-, 1925 heiliggesprochen. Seit 1944 ist sie Patronin Frankreichs. 1997 erhob Papst Johannes Paul II. Thérèse von Lisieux schließlich zur Kirchenlehrerin. 2015 sprach Papst Franziskus ihre Eltern Zélie und Louis Martin im Rahmen der Familiensynode ebenfalls heilig. (mal)