Sketch Bibel
Bild: © Helmut Jansen
Berliner Pastoralreferent ergänzt Predigt-Clips mit Zeichnungen

"Sketch Bibel": Wie man mit Skizzen das Evangelium visualisiert

Zu der Vielzahl an christlichen Angeboten im Netz hat sich mit "Sketch Bibel" ein neues Projekt hinzugesellt. Dort ergänzen Seelsorger ihre Predigten mit Skizzen und basteln daraus Videos. Der Initiator hofft, damit eine "Marktlücke" zu schließen.

Von Matthias Altmann |  Berlin - 05.07.2020

Viele Gemeinden und Seelsorger legten in der Corona-Pandemie eine große Kreativität an den Tag: Es gab Livestreams von Gottesdiensten, Online-Impulse oder Gebetstreffen per Video-Konferenz oder Messenger-Dienst. Als sich auch Helmut Jansen fragte, wie er das, was er sonst tut, "auf online umstellen" kann, kramte er eine Idee aus dem letzten Jahr wieder aus der Schublade. Damals hatte der Berliner Pastoralreferent und Geistliche Mentor für Theologiestudierende in der katholischen Berliner Studierendengemeinde einen Gottesdienst samt Kurzkatechese vorbereitet. Diese wollte er zusätzlich visualisieren – aber "ohne großen Medienkram" wie Laptop und Beamer. Aufwand hat er dennoch viel betrieben: Er nahm die Predigt auf, machte anschließend zu ihrem Inhalt Zeichnungen und Skizzen und fügte diese in die Predigtaufnahme ein. Das Ganze stellte er schließlich auf YouTube. Beim Gottesdienst teilte er schließlich einen Zettel mit der fertigen Zeichnung und dem Link zum Video aus.

Als das Virus seinen Arbeitsalltag auf den Kopf stellte, begann Jansen wieder mit der Produktion von Clips – diesmal hatte er aber ein größeres Publikum als die Berliner Studierendengemeinde im Blick. So gibt es nun seit etwa drei Monaten auf dem YouTube-Kanal "Sketch Bibel" und auf einer extra eingerichteten Internetseite immer sonntags und an Feiertagen neue, rund drei Minuten lange Videos als Sketchnotes. Unterstützt wird Jansen dabei von seiner Kollegin Esther Göbel. Grundlage des Clips ist immer das aktuelle Evangelium. An diesen arbeiten sich Jansen und Göbel ab, destillieren die theologischen Kernaussagen heraus und beziehen sie auf den Alltag. Zunächst entsteht die Predigt, danach die Zeichnungen – und aus diesen beiden Elementen schließlich das Video.

In ihren Kurzpredigten gehen Jansen und Göbel unter anderem der Frage nach, was der Filmklassiker "Casablanca" mit dem Johannesevangelium gemeinsam habe, was es heißt, dass Gott Mitleid mit den Menschen hat und wie Nachfolge und Jüngerschaft Jesu heute zu verstehen sind. Wichtig ist dem Team von "Sketch Bibel" die kritische Auseinandersetzung mit den biblischen Texten. "Kritisch heißt: Wir suchen nach der Relevanz für das Leben", sagt Helmut Jansen. "Meine Überzeugung ist, dass Menschen auf Freiheit hin geschaffen sind und nicht zu allem Ja und Amen sagen müssen”. Freiheit müsse man in Verantwortung leben, "nicht im Nachplappern oder Erfüllen irgendwelcher Pflichten". Das sei der inhaltliche Leitfaden der Clip-Predigten.

Konzentration auf das Wesentliche

Ist das Projekt eine Kritik an der Predigtlandschaft in der Kirche? "Ich kenne natürlich auch sehr gute Predigten, aber manchmal sind sie auch sehr meditativ", sagt Helmut Jansen und schmunzelt. Tatsächlich entwickelte sich die Idee zum Projekt aus einer Selbstbeobachtung heraus: Wenn er sich Videos im Netz anschaue, spule er "selbstverständlich" vor. "Auch jetzt in Corona-Zeiten, in der viele Predigten online gestellt wurden, habe ich mir diejenigen nicht angeguckt, die zehn Minuten lang sind." Deshalb hat er sich selbstkritisch hinterfragt, was er bei seiner eigenen Verkündigungspraxis ändern müsse. So begann bei ihm ein Lernprozess, wie man bei Predigten Unnötiges weglässt und sich wirklich nur auf das Wesentliche beschränkt. Oder anders gesagt: "Es geht uns darum, da auf den Punkt zu kommen, wo wir als Theologen gerne mal um den heißen Brei herumreden."

Durch das Visualisieren des Predigtinhalts mit Zeichnungen und Skizzen werde das nochmal schwieriger und einfacher zugleich, findet der Pastoralreferent. "Ich will mich selbst in die Pflicht nehmen, eine bildreichere Sprache zu verwenden und nicht zu theoretisch zu sein, sondern anschaulich." Das Zeichnen soll also eine Hilfestellung sein – für ihn und die User.

Aus seiner Sicht werde die christliche Online-Landschaft von freikirchlichen Projekten dominiert, so Jansen. Aus "normal-katholischer" Sicht gebe es wenig Gutes. Es fehle eine bodenständige, reflektierte und kritische Theologie, die trotzdem anschaulich sei. "Ich bin selbst nicht so ein charismatischer Typ und möchte auch ungern das Feld den zu charismatischen, pfingstlerischen Leuten überlassen", betont der Theologe.

Nun macht "Sketch Bibel" erstmal Sommerpause. Wie geht es danach weiter? Helmut Jansen hofft, dass sich die Reichweite der Clips weiter vergrößert. Deshalb wurden bereits einige Gastprediger angefragt, die ihre Bereitschaft zum Mitmachen signalisiert haben. Von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie sei das Wohl und Wehe des Projekts nicht abhängig. "Unser vorläufiges Ziel ist es, ein Lesejahr durchzuhalten", kündigt Pastoralreferent Jansen an. Danach müsse man sehen, ob sich das Projekt unter christlichen Usern einigermaßen etabliert habe.

Von Matthias Altmann

Linktipp

Weitere Informationen und Videos gibt es auf der Internetseite des Projekts.