Bunt beleuchtet ist ein Bordell in Deutschland. Die Dunkelziffer von Zwangsprostituierten ist hoch.
Sexarbeit in Österreich seit dem 1. Juli wieder möglich

Ordensfrauen kritisieren Öffnung von Bordellen in Corona-Pandemie

In Deutschland sind die Bordelle noch geschlossen, in Österreich können sie seit Monatsanfang wieder öffnen. Ordensfrauen haben diese Lockerung inmitten der Corona-Pandemie nun kritisiert.

Wien - 07.07.2020

Das Ordensfrauen-Netzwerk Solwodi hat die Öffnung von Bordellen in der Corona-Pandemie kritisiert. "Überall wird auf Abstand gesetzt, Schulen werden geschlossen und im Bordell scheint das keine Rolle zu spielen", sagte Schwester Maria Schlackl vom österreichischen Solwodi-Verein am Montag in Wien. "Der Kunde als Freier ist oft genug Partner, Familienvater, Arbeitskollege und kann somit auch das Infektionsrisiko in seinem Umfeld erhöhen", mahnte Schlackl, die dem Orden der Salvatorianerinnen angehört. Kaum jemand würde seinen Namen und seine Adresse bei einer Prostituierten hinterlassen, was die Rückverfolgung einer Ansteckung unmöglich mache.  

In Österreich dürfen Bordelle seit dem 1. Juli wieder öffnen. Die Sexarbeit ist allerdings nur mit einer Maske erlaubt. In Deutschland müssen Bordelle wegen der Corona-Krise weiterhin geschlossen bleiben. Einzelne Bundesländer prüfen jedoch mögliche Lockerungen. Prostituiertenverbände warnen vor dem Abgleiten der Branche in die Illegalität und fordern finanzielle Hilfen. 

Nutznießer der Öffnung seien "Sexindustrie und Kunden"

Das Argument, Prostituierte müssten arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wies Schlackl zurück. Beim vorigen Lockdown seinen "die Sexarbeiterinnen sofort von ihren Mitverdienern fallen gelassen" worden. "In Wien mussten für diese Frauen Lebensmittel gesammelt werden, damit sie nicht verhungern." Die eigentlichen Nutznießer der Öffnung seien "die Sexindustrie und der Kunde". Zudem fördere die Öffnung der Bordelle letztendlich den Menschenhandel und zwinge Prostituierte dazu, höhere Gesundheitsrisiken einzugehen. "Wer hier von Freiwilligkeit spricht, verhält sich geradezu zynisch gegenüber den Frauen in einem System von Zwang und Ausbeutung", so Schlackl.  

Der Verein Solwodi wurde 1985 von der Ordensfrau Lea Ackermann in Kenia gegründet, seit 1987 ist er in Deutschland aktiv. Solwodi setzt sich als Hilfsorganisation für die Beratung und Betreuung der Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution ein. 2010 gründeten Schlackl und weitere Ordensfrauen einen österreichischen Ableger des Vereins. (rom)