Eine weiße Kapelle mit Besuchern
Nach Missbrauchsvorwürfen gegen Schönstatt-Gründer

Bistum Trier setzt neue Historikerkommission im Fall Kentenich ein

Noch immer ist das diözesane Seligsprechungsverfahren für den Schönstatt-Gründer Josef Kentenich nicht abgeschlossen. Durch in den vatikanischen Archiven aufgetauchte Missbrauchsvorwürfe kommt es jetzt zu einer neuen Wendung.

Trier - 07.07.2020

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann wird eine neue Historikerkommission im Seligsprechungsverfahren von Pater Josef Kentenich einsetzen. Dies kündigte das Bistum am Dienstag in einer Pressemeldung an. Durch die Öffnung der vatikanischen Archive bis zum Ende des Pontifikats Pius XII. (1958) sind nun Dokumente verfügbar, die zuvor im Rahmen der diözesanen Untersuchung  nicht einsehbar waren. In einem Artikel in der Zeitung "Die Tagespost" hatte die Historikerin Alexandra von Teuffenbach von Missbrauchsvorwürfen gegen den Gründer der Schönstatt-Bewegung berichtet, auf die sie bei Archivrecherchen gestoßen sei. Unterlagen zufolge hätten Mitglieder der von Kentenich gegründeten Marienschwestern über Machtmissbrauch und in einem Fall über sexualisierte Gewalt seitens Kentenichs berichtet. Das Bistum geht in seiner Meldung nicht auf die von Teuffenbach erhobenen Vorwürfe ein.

In einer ersten Stellungnahme begrüßte die Schönstatt-Bewegung die neue Kommission. Zwischen dem Bistum und der Bewegung habe es dazu Gespräche gegeben. Schönstatt hoffe, "dass auf diesem Weg bezüglich Person, Leben und Werk ihres Gründers so bald wie möglich weitere Transparenz und Klarheit geschaffen werden kann", so die Erklärung.

Aufgabe der neuen Historikerkommission sei es der Mitteilung des Bistums Trier zufolge, das neu gefundene Material mit dem abzugleichen, was bislang schon von der früheren Kommission an Dokumenten aus anderen Archiven zusammengetragen und ausgewertet worden sei. Dabei sollen alle nun zugänglichen Dokumente gesichtet und bewertet werden. Am Ende der Arbeit soll ein Bericht über Persönlichkeit und Spiritualität Kentenichs stehen. Die Mitglieder der Kommission stehen noch nicht fest.

Kritik auch aus der Bewegung am Kurs der Schönstatt-Leitung

Auf die Veröffentlichungen zu den Vorwürfen gegen Kentenich hatte die Schönstatt-Bewegung zunächst ablehnend reagiert. In einer ersten Stellungnahme des Generalpräsidiums am vergangenen Mittwoch hatte man noch darauf verwiesen, dass mit der Erteilung eines "Nihil obstat" durch die Glaubenskongregation für den Beginn des Seligsprechungsprozesses alle Vorwürfe schon damals geklärt seien. In den folgenden Tagen hatten sich jedoch andere Stimmen aus der Schönstatt-Bewegung auf der Webseite des Werks zu Wort gemeldet, die eine ergebnisoffene Aufklärung fordern. So schrieb Francisco Pistilli, Bischof von Encarnación (Paraguay) und selbst Mitglied der Schönstatt-Patres, dass man darauf vertraue, dass Kentenich "die Prüfung bestehen wird, aber er muss in der Lage sein, sich unparteiisch auf diese Weise zu zeigen". Es gehe nicht darum, "in die Defensive zu gehen, sondern im Licht ermutigt zu werden".

Das Seligsprechungsverfahren für den Schönstatt-Gründer Josef Kentenich wurde im Februar 1975 durch den Trierer Bischof Bernhard Stein eröffnet. Als Weihbischof stand Stein einer Visitation Kentenichs vor. Das Bistum Trier ist zuständig, da sich der Gründungsort und das heutige Zentrum der Schönstatt-Bewegung in Vallendar bei Koblenz befinden. Die diözesane Phase des Seligsprechungsprozesses ist bis heute nicht beendet, obwohl die zuvor eingerichtete Kommission 2007 ihre Arbeit abgeschlossen hatte. Die Normen für Seligsprechungen sehen die Einrichtung von Historikerkommissionen in jedem Verfahren vor. (fxn)