Türkei: Gericht ebnet Weg zur Nutzung der Hagia Sophia als Moschee
Museumsstatus aufgehoben

Türkei: Gericht ebnet Weg zur Nutzung der Hagia Sophia als Moschee

Über das Ergebnis war bereits seit längerer Zeit spekutliert und diskutiert worden, nun hat das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei sein Urteil gefällt. Der Weg für die Nutzung der Hagia Sophia in Istanbul als Moschee ist damit frei.

Istanbul - 10.07.2020

Das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei hat einem Bericht zufolge den Weg zur Nutzung der Hagia Sophia in Istanbul als Moschee freigemacht. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag meldete, annullierten die Richter den Status des berühmten Bauwerks als Museum. Damit könnten rein rechtlich in der Hagia Sophia wieder religiöse Zeremonien stattfinden.

Die Hagia Sophia ("Göttliche Weisheit") wurde im Jahr 537 als Reichskirche des griechisch-orthodoxen Kaiserreichs Byzanz geweiht und war die größte Kirche des Christentums. Nach der Eroberung Konstantinopels, des heutigen Istanbul, durch die türkischen Osmanen wurde sie 1453 zur Moschee und mit Minaretten versehen. Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk machte sie 1934 zu einem Museum. Seit 1985 stehen die Hagia Sophia und andere historische Bauwerke Istanbuls auf der Unesco-Liste für das Weltkulturerbe.

Auf die Hagia Sophia erheben Christen wie Muslime gleichermaßen Anspruch. Sie wurde als "Kirche der göttlichen Weisheit" im Jahr 537 geweiht und war fast ein Jahrtausend lang die christliche Hauptkirche Konstantinopels und die größte Kirche der Welt. Als die Türken 1453 die Stadt eroberten, wurde sie zur Moschee umfunktioniert. In den 1930er Jahren wandelte der türkische Staatsgründer Kemal Atatürk sie in ein Museum um – dieser Beschluss Atatürks wurde mit dem Urteil nun annulliert. Die Hagia Sophia gehört zum Unesco-Weltkulturerbe.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Streit

Die Entscheidung des Obersten Verwaltungsgerichts in der Türkei, ob die Hagia Sophia wieder zur eine Moschee wird, wurde bereits in der vergangenen Woche erwartet, war dann aber verschoben worden. Die türkische Denkmalschutzvereinigung hatte bereits in der Vergangenheit eine Umwandlung des Gebäudes in ein islamisches Gotteshaus beantragt, war damit aber immer wieder gescheitert. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan selbst hatte sich an die Spitze der Moscheebewegung gesetzt und das Vorhaben in den vergangenen Wochen zusätzlich forciert.

Im Vorfeld der Entscheidung gab es auch einen Kompromissvorschlag des armenisch-orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel, Erzbischof Sahak Masalyan. Er schlug auf Twitter vor, das Gebäude in ein Gotteshaus für Muslime und Christen zu verwandeln. Eine einseitige Rückkehr der Hagia Sophia zum Status als Moschee würde ihrer fast tausendjährigen Bedeutung als bedeutendste Kirche der Christenheit nicht gerecht, gab Sahak zu bedenken. Er empfinde zudem die Anwesenheit von betenden Muslimen und Christen angemessener als die derzeitigen Besucherströme von schaulustigen, aber auch oft ehrfurchtslosen Touristen. "Mögen wir auch verschiedenen Religionen angehören, so dienen wir doch dem Einen Gott", fügte der Geistliche hinzu. (cbr/KNA/epd)