Bischof Jung: Kirche braucht Lernbereitschaft statt Anpassung
"An der Schwelle zu einer neuen Art, Kirche zu sein"

Bischof Jung: Kirche braucht Lernbereitschaft statt Anpassung

Nicht nur das Bistum Würzburg, sondern auch die globale Kirche stehe vor einem Wandel, findet Bischof Franz Jung. Deshalb müsse man Neues wagen, so der Würzburger Oberhirte. Die Kirche könnte dabei noch viel lernen.

Würzburg - 12.07.2020

Der Würzburger Bischof Franz Jung sieht die Katholiken "an der Schwelle zu einer neuen Art, Kirche zu sein". Jung sagte am Sonntag: "Wir sind gerade dabei, in unserem Bistum die neuen Pastoralen Räume zu erkunden, gewissermaßen das Land auszukundschaften und die Räume unseres seelsorglichen Tuns neu zu vermessen." Im Zuge der geplanten Strukturreform im Bistum Würzburg sollen aus 600 Pfarrgemeinden 39 Pastorale Räume entstehen.

Auch global stehe die Kirche vor einem Wandel, so Jung. Die "ganze Situation, in der wir als Kirche leben, hat sich komplett geändert", sagte der Oberhirte. Dies sei auch eine Einladung, sich Neues zuzumuten. "Gefragt ist Lernbereitschaft und ein kritischer Blick, der schaut, wo man gut anknüpfen kann, ohne sich einfach anpassen zu wollen."

Der Bischof ergänzte, die Kirche habe in den vergangenen Jahren gemerkt, dass sie noch viel lernen könne, wenn sie gucke, "wie es in der heutigen Welt so geht". Dazu gehöre auch der Umgang mit Fehlern, Konflikten und dem ihr anvertrauten Geld. Auch zähle dazu, Probleme offen auf den Tisch zu legen. "Wir haben von der Corona-Zeit gelernt, dass man von der Welt vieles abschauen kann", fügte Jung an, etwa bei der Digitalisierung.

Fragen des Synodalen Wegs

Jung sprach auch die aktuelle Reformdebatte der katholischen Kirche in Deutschland, den Synodalen Weg, an. Dort gehe es um folgende Fragen: "Wie ist das in unserer Kirche mit der Beteiligung, mit einer offenen Diskussionskultur, mit der Frage, wer wir für die Menschen sein wollen? Wo können wir das Evangelium zur Geltung bringen?" Der Weg zwinge zu einer Bestandsaufnahme "in aller Ehrlichkeit". Jung weiter: "Von was muss man sich am Ende verabschieden, wenn man durch diese enge Pforte hindurchgeht?"

Im Frühjahr 2019 hatten die deutschen Bischöfe einen auf zwei Jahre angelegten, verbindlichen Synodalen Weg beschlossen. Vor allem geht es um die vier Foren zu den Themen Macht, Sexualmoral, Lebensform der Priester und die Rolle von Frauen in der Kirche. Mit dabei sind die deutschen Bischöfe, katholische Laien und externe Experten. Ziel ist es, Fragen zu den Themen zu klären und durch den Missbrauchsskandal verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Es seien immer die Schwellenmomente im Leben, in denen man sich fragen müsse, was man wirklich habe an Glaube, Hoffnung und Liebe, führte Jung aus. "Ob wir uns trauen, diesen Schritt in eine unbekannte Zukunft zu tun, mit all den Verheißungen, aber auch mit all den Konflikten, die damit verbunden sind. Man muss es aber trotzdem wagen, wenn man gewinnen will." Das Reich Gottes sei nicht identisch mit der Kirche, sondern weiter. "Es ist gut, darauf zu achten, wo das Reich Gottes auch außerhalb der Kirche anbricht." Jung äußerte sich zum Abschluss der Kiliani-Wallfahrtswoche. Die traditionellen Festtage erinnern alljährlich an die Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan. Die irischen Missionare starben um 689 in Würzburg den Märtyrertod. (mpl/KNA)