Mit Klingelbeuteln wird während der Messe die Kollekte eingesammelt.
2020 könnte man noch "mit einem blauen Auge" davonkommen, aber...

Österreichs Diözesen rechnen mit hohen Einbußen wegen Corona

Ausfall bei den Kirchensammlungen und weniger Kirchenbeitragseinnahmen: Die österreichischen Diözesen gehen für dieses Jahr von einem Rückgang der Einkünfte um 90 Millionen Euro aus. Auch für 2021 sieht die Prognose nicht allzu gut aus.

Salzburg - 16.07.2020

Österreichs katholische Diözesen rechnen in diesem Jahr mit finanziellen Einbußen von rund 90 Millionen Euro. Diese Zahl nannte der Vorsitzende der diözesanen Finanzkammerdirektoren, Cornelius Inama, am Mittwoch im Österreichischen Fernsehen. Als Hauptgründe nannte der Finanzkammerdirektor der Erzdiözese Salzburg einen beträchtlichen Ausfall bei den Kirchensammlungen, den Totalausfall bei den kirchlichen Bildungshäusern sowie weniger Kirchenbeitragseinnahmen.

Mittels Rücklagen aus dem Vorjahr und staatlicher Hilfen hoffe er allerdings, in diesem Jahr "mit einem blauen Auge" davonzukommen, so Inama wörtlich. Größere Sorgen bereite ihm das kommende Jahr. Die Kirche müsse Sparmaßnahmen treffen, etwa durch "Verschiebungen von Baumaßnahmen oder Verschlankungen in der Verwaltung".

Durch den wochenlangen Wegfall öffentlicher Gottesdienste habe es Einbußen bei den Kollekten von rund 14 Millionen Euro gegeben, sagte Inama. Ebenso sei es wegen des Corona-Lockdowns zu einem "Totalausfall bei den kirchlichen Bildungshäusern" gekommen. Zugleich schlügen Mehrkosten für neu geschaffene kirliche Onlineangebote zu Buche. Einbußen seien auch bei den Kirchenbeiträgen zu verzeichnen, so der Experte. Denn wer melde, dass er weniger verdient, müsse auch weniger bezahlen, stellte Inama klar.

Auswirkungen vor allem auf den Personalbereich

Auch für das Jahr 2021 prognostizierte der Ökonom hier niedrigere Einnahmen: Da viele Kirchenmitglieder in diesem Jahr corona-bedingt weniger verdienten, würden auch die Vorschreibungen für den künftigen Kirchenbeitrag niedriger ausfallen und so auch die damit verbundenen Einnahmen. Betroffen seien davon vor allem Gläubige in den "touristischen Diözesen – vor allem im Westen Österreichs", die weniger verdient hätten. So seien allein in Salzburg 50 Prozent aller Beschäftigten entweder in Kurzarbeit oder arbeitslos. "Das wird sich auswirken auf den Kirchenbeitrag", erklärte der Finanzexperte.

Die Einnahmeeinbußen würden vor allem im Personalbereich der Kirche zu spüren sein, so Inama. "In Abstimmung mit den Diözesen" versuche man aber, "mit allen Kräften das Personal zu halten", betonte er.

Auch die deutschen Bistümer stellen sich angesichts der Corona-Pandemie auf sinkende Einnahmen ein. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte bereits im April erklärt, dass sie durch den zu erwartenden wirtschaftlichen Einbruch ein Minus bei den Kirchensteuereinnahmen erwarte. Die Höhe könne aber "aktuell nicht seriös beziffert werden", so der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp. Mehrere Diözesen haben wegen der Pandemie bereits geplante Einstellungen und Investitionen gestoppt. Mehrere Bistümer haben zudem Haushaltssperren beziehungsweise Investitionsstopps erlassen. (mal/KNA)