Eberhard Schockenhoff im Porträt
Ehemaliger stellvertretender Ethikratsvorsitzender tot

Moraltheologe Eberhard Schockenhoff gestorben

Einer der profiliertesten Moraltheologen Deutschlands ist tot. Der Freiburger Professor Eberhard Schockenhoff ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Er gehörte zu den gefragtesten Experten für Bioethik – nicht nur in der Kirche.

Freiburg - 19.07.2020

Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff ist tot. Wie der Freiburger Fundamentaltheologe Magnus Striet gegenüber katholisch.de bestätigte, starb Schockenhoff am Samstag im Alter von 67 Jahren an den Folgen eines Unfalls. Der gebürtige Stuttgarter galt als einer der profiliertesten Moraltheologen Deutschlands und beschäftigte sich vor allem mit bioethischen Fragestellungen. Schockenhoff war bis 2016 Mitglied des Deutschen Ethikrats, von 2008 bis 2012 als stellvertretender Vorsitzender. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehörten außerdem das Naturrecht und das Gewissen. Zu seinen zentralen Überzeugungen gehörte, dass die kirchliche Sexualmoral die Erkenntnisse der Humanwissenschaften berücksichtigen müsse. Im Synodalen Weg wirkte er im Forum Sexualmoral mit.

Immer wieder beteiligte sich der Theologe an kirchlichen und gesellschaftlichen Debatten. 2011 gehörte er zu den Unterzeichnern des Memorandums "Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch". Auch zu Fragen der Sexualmoral und der Öffnung der Ehe nahm er Stellung und war ein gefragter Ratgeber und Diskussionspartner. 2019 gehörte er zu den theologischen Experten, die bei der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen zu Konsequenzen aus der MHG-Missbrauchsstudie sprachen. Dort betonte er, dass zwischen dem Missbrauchsskandal und dem Geltungsverlust der kirchlichen Lehraussagen zur menschlichen Sexualität kein unmittelbarer Zusammenhang bestehe. Die Krise stelle aber einen dringlichen Anlass dar, über die Gründe nachzudenken, die eine Revision zentraler Aussagen dieser Lehre geboten erscheinen lassen, so Schockenhoff: "Der innere Sachgrund für den Plausibilitätsverlust, den die kirchliche Sexualmoral schon lange vor dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals erlitten hatte, liegt darin, dass ihre normativen Postulate an den Erkenntnissen verschiedener Humanwissenschaften über die Sinndimensionen menschlicher Sexualität keinen Rückhalt mehr haben."

Das menschliche Leben findet in Gott seine Vollendung. Das ist radikal unanschaulich.

Zitat: Eberhard Schockenhoff

Der Rottenburg-Stuttgarter Diözesanpriester war nach seiner Assistenzzeit bei Walter Kasper zunächst in Passau und ab 1994 in Freiburg Professor für Moraltheologie. Rufe an die Universitäten München und Tübingen lehnte er ab. Seit 2016 war er Präsident des Katholischen Akademischen Ausländerdienstes. Er gehörte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und dem Kuratorium des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik in Paderborn an.

In einem Interview mit der "Zeit" anlässlich des Tods seines Bruders, des CDU-Politikers Andreas Schockenhoffs, hatte Schockenhoff 2015 gesagt, dass er nicht an eine "familiäre Wiedersehensfeier im Himmel, wie man sich das so kindlich vorstellt", glaube: "Das menschliche Leben findet in Gott seine Vollendung. Das ist radikal unanschaulich. Jedes Bild, das wir uns davon machen, kann nur eine Denkhilfe sein. Näher ausmalen möchte ich mir das nicht." (fxn)