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Standpunkt

Anti-Rassismus-Debatte: Sprecht über die Hautfarbe Jesu!

In den Köpfen vieler ist Jesus immer noch weiß, behauptet Gabriele Höfling. Sie ist überzeugt: Gelingt es der Kirche, diese tief verankerte Vorstellung zu korrigieren, ist auch ein großer Schritt gegen Rassismus getan.

Von Gabriele Höfling |  Bonn - 22.07.2020

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Wenn ich die Augen schließe und an Jesus Christus denke, dann entsteht ziemlich schnell ein Bild vor meinen Augen. Würde mich jemand fragen, welche Hautfarbe dieser Jesus hat, würde ich ohne zu zögern antworten: weiß. Schließlich zeigen die allermeisten Darstellungen Jesu hierzulande einen weißen Mann. Das beginnt schon bei den Figuren der weihnachtlichen Krippen. Mir hat sich das in jahrzehntelanger Sozialisation tief eingeprägt – auch wenn ich auf rationaler Ebene natürlich längst weiß, dass die Hautfarbe Jesu höchstwahrscheinlich nicht weiß war.

Ich könnte mir vorstellen, dass es bei diesem Gedankenexperiment anderen ähnlich ergeht. Daher bietet sich der Kirche hier eine große Chance für einen Beitrag gegen Rassismus. Die vorhandenen Jesus-Figuren einfach alle umzupinseln, würde zwar zu kurz greifen. Aber es muss immer wieder darüber aufgeklärt werden, dass die vielen, oft jahrhundertealten Bilder und Skulpturen in unseren Kirchen und in der Kunst nicht der Realität entsprechen. In Gesprächen, Katechesen, Predigten, gerne auch in Bischofs- oder sogar Papstworten sollte thematisiert werden, dass Jesus höchstwahrscheinlich nicht weiß war. Es könnten hier bei uns vermehrt Jesus-Darstellungen aus anderen Teilen der Welt gezeigt werden, die ihn mit anderen Hautfarben darstellen. Und es wäre ein großes Symbol, wenn wenigstens an bestimmten Orten, etwa in Kirchengebäuden in eher international geprägter Umgebung, eine schwarze oder People of Colour-Figur von Jesus aufgestellt würde.

Natürlich könnte man sagen, dass es wichtigere Baustellen gibt, wenn die Kirche in Deutschland etwas gegen Rassismus tun will – ein besseres Miteinander von muttersprachlichen und deutschsprachigen Gemeinden zum Beispiel oder eine Internationalisierung der Gremien der Kirche.

Aber ich bin davon überzeugt, dass auch die grundsätzliche Bewusstseinsebene eine wichtige Rolle spielt. Wenn die tief verankerte Vorstellung eines weißen Jesus nachhaltig korrigiert würde, würde das sicher auch an der Einstellung gegenüber Menschen mit anderen Hautfarben etwas ändern. 

Von Gabriele Höfling

Die Autorin

Gabriele Höfling ist Redakteurin bei katholisch.de.

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