Das Sommerlager der KjG Laubenheim von oben
KjG Laubenheim entwickelt Hygienekonzept für Ferienfreizeiten

Zeltlager mit Abstand: Wie eine Jugendgruppe Corona trotzt

Eigentlich sollten alle Ferienfreizeiten der Jugendarbeit im Bistum Mainz ausfallen. Doch für die KjG Laubenheim kam das nicht in Frage: Die jungen Katholiken haben ein eigenes Hygienekonzept entwickelt, mit dem sie ihr Zeltlager retten.

Von Felix Neumann |  Mainz-Laubenheim - 25.07.2020

Für die Katholische junge Gemeinde Laubenheim gehört das Sommerlager  zu den Höhepunkten des Jahres. Über 100 Kinder fahren mit dem Mainzer Jugendverband in die Ferien – auch die Corona-Pandemie kann die jungen Katholiken nicht stoppen.

Der Mainzer Generalvikar hatte in seiner Dienstanweisung zu den Corona-Schutzmaßnahmen des Bistums zwar im Mai verfügt, dass alle kirchlichen Ferienfreizeiten ausfallen müssen. Das heißt nicht, dass es gar keine Jugendarbeit in den Ferien gibt: Anstelle der Veranstaltungen mit Übernachtung sollen Ferienspiele stattfinden. Von über 100 solchen Aktionen im ganzen Bistum weiß der Diözesanverband des BDKJ, des Dachverbands der Jugendverbände.

Die KjG fährt aber trotzdem ins Zeltlager: Als selbständiger Jugendverband treffen sie eigene Entscheidungen. Schon vorher, im April fiel der Beschluss, als noch gar nicht absehbar war, wie sich das Jahr und die Pandemie entwickeln würden. "Wir haben in der Leitungsrunde überlegt, wie wir trotz Corona ins Lager fahren können", erzählt Jens Schweickhardt. Mit 31 ist der Elektrotechnik-Doktorand der Senior des sechsköpfigen Organisationsteams für das Zeltlager. Vor der Planung standen viele Gespräche: "Wir haben auch mit den Eltern unserer Teilnehmer aus den letzten Jahren gesprochen. Die haben uns alle signalisiert, dass es eine riesen Erleichterung wäre, wenn ihre Kinder zwei Wochen wegfahren könnten."

Wanderung beim Ferienlager

"Wir versuchen uns so weit es geht von der Außenwelt zu isolieren", erzählt Lager-Organisator Jens Schweickhardt. "Wir machen natürlich auch Wanderungen, aber wir versuchen, mit anderen Leuten nicht in Kontakt zu kommen. Auch wenn es im Vulkaneifelkreis gerade kaum Corona-Fälle gibt." (Die Bilder im Artikel zeigen das Zeltlager der KjG Laubenheim aus dem Vorjahr.)

Schnell war klar: Das Lager soll nicht ausfallen. Klar war aber auch: Die Gesundheit aller Teilnehmer muss sichergestellt werden. Ein Sommerlager sehen die KjGler sogar als sicherer an als Alternativen ohne Übernachtung: Formate wie Stadtranderholung oder Tagesaktionen bedeuten nämlich auch, dass die Verantwortlichen in der Jugendarbeit nicht wissen, ob Kontaktbeschränkungen außerhalb der begrenzten Betreuungszeiten eingehalten werden. Die jungen Ehrenamtlichen setzten sich also daran, ein Hygienekonzept zu entwerfen. "Erstmal haben wir die Verordnungen gelesen. Am Anfang war es ja noch nicht einmal erlaubt, dass sich kleine Gruppen treffen", erzählt Schweickhardt. Die Arbeit in solchen kleinen Gruppen ist im ausgearbeiteten Hygienekonzept zentral. Ursprünglich wurde mit Zehnergruppen geplant, mittlerweile sind auch etwas größere Gruppen erlaubt: Maximal 25 Kinder, Jugendliche und Betreuer dürfen eine Gruppe bilden.

Sorgfältige Planung, damit alles sicher ist

Auch das zuständige Gesundheitsamt in Daun in der Vulkaneifel hat eine Kopie des 17-seitigen Hygienekonzepts erhalten – und genehmigt. Mittlerweile gibt es zwar auch ein offizielles Hygienekonzept vom Gesundheitsministerium des Landes Rheinland-Pfalz, das verbindlich für alle Freizeiten ist. Das Laubenheimer Konzept geht aber viel weiter ins Detail, um bei typischen Situationen in einer Ferienfreizeit Infektionen zu verhindern: Der Zeltplatz ist abgelegen, Ausflüge in Städte und an andere belebte Orte gibt es nicht, die Kinder bleiben dauerhaft in kleinen Bezugsgruppen, "Hot-Spots" wie Sanitäranlagen, Mahlzeiten und Lagerfeuer werden besonders geschützt. Es gibt Aufbauskizzen für Küche, Waschgelegenheiten und Feuerstelle, Laufpläne für das Ausladen der LKWs mit dem Material und vieles mehr. Das alles erzeugt Mehrkosten: Ein größerer Zeltplatz wurde gebucht, es braucht Desinfektionsmittel, die Küche arbeitet nicht nur in einem Zelt, sondern hat auch ein Haus mit Spülmaschine, braucht überhaupt viel mehr Material.

Singen am Lagerfeuer

Das Lagerfeuer gehört zum Sommerlager dazu – dieses Jahr braucht es dafür besondere Regeln. Jede Gruppe bekommt einen Bereich mit ausreichendem Abstand zur nächsten Gruppe zugeteilt. "Ob Singen und Singspiele am Lagerfeuer möglich sind, wird derzeit mit Medizinern geklärt", heißt es im Hygienekonzept.

Die Betreuer haben untereinander viel weniger Kontakt als sonst: Die Arbeitsgruppen der Einkäufer, des Küchenteams, der Gruppenleitungen und der Öffentlichkeitsarbeit sind während des Lagers strikt getrennt. Jeden Tag fragen die Gruppenleiter ihre Gruppenmitglieder nach Symptomen und messen die Temperatur, alles wird dokumentiert, so dass man schnell eingreifen kann. Vor Beginn des Lagers wird sogar jedes einzelne Kind und jeder Betreuer auf eine Corona-Infektion getestet. Eine Firma aus Ingelheim stellt zum Selbstkostenpreis Corona-Tests zur Verfügung, die binnen 24 Stunden ein Ergebnis ermöglichen.

Das Testlabor hat die KjG durch einen glücklichen Zufall gefunden: Mehrere Einrichtungen wurden angefragt, das Ingelheimer Labor hat gleich zugesagt. Dort arbeiten auch zwei Kinderärzte, die sich bereit erklärt haben, die Testungen ehrenamtlich in ihrer Freizeit vorzunehmen und zu analysieren. "Die beiden wissen, wie sehr Kinder gerade belastet sind", erzählt Schweickhardt. Deshalb waren sie begeistert, so Kindern und Jugendlichen ihre Freizeit zu ermöglichen. Auch bei der Überarbeitung des Hygienekonzepts haben sie mitgearbeitet.

Es fehlen noch über 4.000 Euro für Corona-Tests

Dennoch kosten die Tests viel Geld: 51 Euro pro Person. Nicht alle Teilnehmer können sich das leisten. Deshalb sammelt die KjG Laubenheim jetzt Spenden. Bei 85 Teilnehmern und 40 Betreuern kommt einiges an Kosten zusammen. Zu den benötigten gut 6.500 Euro fehlen noch etwas über 4.000 Euro, doch Schweickhardt ist guter Dinge, dass die Summe zusammenkommt.

Lagerpatenschaft übernehmen

Dieses Jahr müssen alle Kinder und Betreuer vor dem Zeltlager einen Coronatest machen, der 51 Euro kostet. Als "Zeltlagerpate" kann man die KjG Laubenheim unterstützen, indem man die Testkosten für ein Kind oder Teammitglied übernimmt!

Anfang August geht es los – ausgebucht ist das Lager schon lange. Die meisten der Kinder und Jugendlichen sind nicht zum ersten Mal dabei. Auch die Eltern freuen sich darauf, dass es für ihre Kinder doch noch eine Möglichkeit gibt, in den Sommerferien etwas gemeinsam zu unternehmen. Vorbehalte aufgrund der Sicherheitslage habe es kaum gegeben, erzählt Schweickhardt. Nur ein Kind sei von den Eltern wieder abgemeldet wegen der Corona-Regeln: "Aber auch diese Eltern haben nicht an der Sicherheit gezweifelt, sie konnten sich nur nicht vorstellen, dass ein Lager unter diesen Bedingungen Spaß macht."

Das sehen die Betreuer anders: Seit Monaten fiel die Jugendarbeit in Laubenheim flach, Gruppenstunden und andere Aktivitäten waren nicht möglich – umso mehr Engagement und Begeisterung haben daher alle in die Vorbereitung von Spielen und Aktionen für die erste Veranstaltung nach der Corona-Zwangspause gesteckt. Ganz untätig war die KjG neben der Lagervorbereitung allerdings auch nicht: Wie in vielen anderen Verbänden und Gemeinden haben sie gleich zu Beginn der Kontaktsperre angeboten, für Ältere und andere Angehörige von Risikogruppen einzukaufen. Anfangs haben das viele genutzt, mittlerweile wird der Einkaufsservice gar nicht mehr nachgefragt. Daher sind jetzt auch alle froh, dass es wieder etwas zu tun gibt – und auch die nächsten Veranstaltungen nach den Sommerferien werden schon geplant. Natürlich mit allen notwendigen Sicherheitsvorkehrungen.

Von Felix Neumann