Pontifex suche Bestätigung für Ideen im Gebet

Papstvertrauter Spadaro: Franziskus verfolgt keinen Reformplan

Aktualisiert am 28.07.2020  –  Lesedauer: 
Papst Franziskus im Gespräch mit dem Jesuitenpater Antonio Spadaro.
Bild: © KNA

Freiburg/Berlin ‐ Ist Papst Franziskus ein Reformer oder nicht? Eine Art "Regierungsplan" verfolge er nicht, sagt der Jesuit Antonio Spadaro, der als Vertrauter des Pontifex gilt. Wenn es um Entscheidungen gehe, verfolge Franziskus einen spirituellen Ansatz.

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Laut dem italienischen Jesuiten und Journalisten Antonio Spadaro verfolgt Papst Franziskus in seiner Amtszeit kein abstraktes theologisches Reformprogramm. "Er hat sich keinen Regierungsplan für sein Pontifikat vorgenommen, den es abzuarbeiten gelten würde", sagte der Chefredakteur der Jesuiten-Zeitschrift "Civiltà Cattolica" im Interview mit der "Herder Korrespondenz" (August-Ausgabe). Für Franziskus bestehe wahre Reform in der Unterscheidung im Lichte des Heiligen Geistes. "In diesem Sinne geht er voran, hörend und meditierend." Der Ort, an dem Franziskus seine Entscheidungen treffe, sei nicht sein Schreibtisch, sondern die Morgenandacht in seiner Kapelle.

Wenn Franziskus eine Reformidee habe, setze er sie nicht einfach um, sondern bete darüber und warte auf eine geistliche Bestätigung, so Spadaro weiter. Wenn er diese nicht erhalte, betrachte er das Anliegen noch nicht für reif. In diesen Fällen würge Franziskus die Diskussion zwar nicht ab und schließe nichts aus. "Er sagt: Gehen wir weiter voran, denken wir weiter darüber nach! Aber er fällt keine endgültige Entscheidung", betont der Journalist. So sei es beispielsweise auf der Amazonas-Synode bei der Debatte um die Weihe von "viri probati" gewesen.

Ein Nachfolger werde "nicht zurückkönnen"

Auf die Frage, ob ein künftiges Konklave einen Kandidaten wählen werde, der den Kurs von Franziskus fortführen wolle, antwortete Spadaro, dass der nächste Papst die "Samen", die der argentinische Pontifex in seiner Amtszeit ausgesät habe, nicht ignorieren könne. Ein möglicher Nachfolger werde "nicht zurückkönnen. Er wird weiter vorangehen."

Die Beziehung zwischen Franziskus und seinem Vorgänger Benedikt XVI. ist laut Spadaro von gegenseitiger Achtung und Verbundenheit geprägt. Allerdings versuchten gewisse Kreise, den emeritierten Papst zu instrumentalisieren. "Traditionalistische oder hyperkonservative Medien verdrehen Benedikts Lehramt. Das muss einem vor allem für ihn leidtun, weil auf diese Weise sein Ansehen in gewisser Weise beschmutzt wird", sagte der Jesuit.

Spadaro gilt als Vertrauter von Franziskus und ist einer der meistgefragten Interpreten der Anliegen des Papstes. Allerdings sei er weder sein Berater noch Ghostwriter, betonte der Theologe. Hin und wieder gebe es einen Austausch, der "durchaus auch lebhaft" sein könne. Doch er mische sich "in keiner Weise ein, weder als Berater, als Autor seiner Texte oder sonst etwas, absolut nicht", so Spadaro. (mal)