Rochetts hängen an Haken
Ausbildungsstätte in Argentinien gilt als ultrakonservative Hochburg

Wegen Protests für Mundkommunion: Bischof schließt Priesterseminar

In Argentinien soll ein Priesterseminar geschlossen werden, nachdem davor zahlreiche Priester und weitere Gläubige für die Wiederzulassung der Mundkommunion protestiert haben. Der Bischof gab an, Anweisungen direkt aus dem Vatikan zu haben.

San Rafael - 30.07.2020

In Argentinien hat ein Bischof die Schließung des Priesterseminars seiner Diözese angekündigt, weil es dort zu massiven Protesten gegen das Verbot der Mundkommunion während der Corona-Pandemie gekommen war. An der Spitze der Proteste stand der bisherige Leiter des Priesterseminars in San Rafael im Westen des Landes, wie die argentinische Zeitung "Clarín" am Mittwoch berichtete. Dieser trat jedoch inzwischen von seinem Amt zurück, nachdem bekannt geworden war, dass er die Seminaristen dazu angehalten hatte, auf der Praxis der Mundkommunion zu bestehen, obwohl dies aufgrund der staatlichen Vorgaben zur Corona-Pandemie derzeit verboten ist.

Zudem beteiligten sich die Hälfte des etwa 80 Priester zählenden Diözesanklerus von San Rafael und zahlreiche Gläubige an den Protesten: Sie versammelten sich demnach vor dem Seminargebäude und beteten dort kniend. Ein Sprecher der Demonstranten begründete den Protest damit, dass die Mundkommunion ein Recht der Gläubigen sei, "das nur der Papst aufheben" könne.

Der Bischof der Diözese, Eduardo Taussig, verkündete am Montag die Einsetzung eines neuen Leiters des Priesterseminars, dessen Aufgabe es sei, "die Seminaristen auf einem Weg der Unterscheidung während des Semesters" zu begleiten. Das Priesterseminar werde zum Jahresende geschlossen und die etwa 39 Seminaristen auf Ausbildungsstätten im ganzen Land verteilt. Mit dieser Entscheidung folge er "den genauen Anweisungen, die der Heilige Stuhl ausgegeben habe", so Taussig.  

Örtliche Medien werteten die Schließung des Seminars als Versuch Taussigs in Absprache mit dem Vatikan, seine zerstrittene Diözese zu einen. Erst vor wenigen Wochen hatte der Bischof in einer Video-Botschaft beklagt, dass es eine "große Spaltung, viel Konfrontation und viel Ungehorsam" in seinem Bistum gebe. Die Diözese San Rafael und auch das dortige Priesterseminar hatte sich während der 70er- und 80er-Jahre unter dem Kurs des damaligen Bischofs León Kruk zu einer Hochburg des ultrakonservativen Katholizismus entwickelt. Während dieser Zeit war das Seminar die größte Priesterausbildungsstätte Argentiniens. (rom)