Schachfigur
Standpunkt

"Laien" sollten sich Vertrauen nicht erst erarbeiten müssen

Die Heftigkeit der Kritik an der neuen vatikanischen Instruktion in Deutschland überrascht Albrecht von Croy. Er sieht eine andere Realität in der Behandlung von Laien in der Kirche – vor allem mit Blick auf die (vermeintlichen) "Laien".

Von Albrecht von Croy |  Bonn - 31.07.2020

Noch ein Beitrag zur vatikanischen Instruktion? Ja, denn die Heftigkeit der Kritik gerade aus Deutschland an der Weisung "Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche" ist doch überraschend. Und die Wortwahl der Kanonade auch. "Realitätsfern" sei sie, die Instruktion in ihrer Weisung, Laien von der Gemeindeleitung auszuschließen. Die Instruktion hinterlasse "neben Ratlosigkeit und Verärgerung auch großen Schaden. Manche wird sie demotivieren, sich für unsere Kirche überhaupt noch einzusetzen", sagt etwa der Magdeburger Bischof Feige und befindet sich mit diesem Statement in der überwiegenden Mehrheit der deutschen Bischöfe.

Überraschend ist diese Eruption gegen Rom deswegen, weil die "Realität" in deutschen Diözesen ja so eindeutig, wie hier getan wird, gar nicht ist. Vielleicht beginnt das Übel schon mit der Wortwahl "Laie". Laien sind die Nichtgeweihten. Laien sind umgangssprachlich aber auch "Amateure", "Ungelernte" oder im schlimmsten Fall auch "Dilettanten". Ist es nicht eher schon lange die Realität in deutschen Diözesen, dass man sich lieber auf "Profis" verlässt? Dass der Geweihte eo ipso einen Vertrauensvorschuss genießt, eben weil er "vom Fach" ist? Und die "Laien" sich das Vertrauen, wirklich "dazuzugehören", erst mühsam erarbeiten müssen und vor allem dadurch "demotiviert" werden?

"Wir Katholiken glauben, dass Gott Menschen beruft", schreibt der Autor Erik Flügge jüngst, "Gott ruft uns zu sich, und fordert uns auf, unsere Talente und unsere Qualifikationen in seinen Dienst zu stellen." Und eben das sollte das Vertrauen bei Geweihten schaffen, das auch der "Laie" "Profi" ist. Wir, durch die Taufe Mitglied der una sancta, wollen mit all unseren Kompetenzen (und mit unserem Vertrauen, dass wir noch immer haben, weil wir noch immer "da" sind) auf Augenhöhe wahrgenommen und behandelt werden. Liebe Bischöfe, das wäre dann mal "realitätsnah"!

Von Albrecht von Croy

Der Autor

Albrecht von Croy ist Mitherausgeber von "theo – das katholische Magazin".

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