Die Hedwigskathedrale in Berlin.
Bischofskirche seit Herbst 2018 geschlossen

Baugenehmigung erteilt: Umbau der Hedwigs-Kathedrale kann beginnen

Die umstrittene Umgestaltung der Hauptstadt-Kathedrale hat die letzte Hürde genommen. Jetzt liegt die Baugenehmigung vor, die Innenarchitektur der Nachkriegszeit wird verschwinden. Auch vor Gericht wurde lange gegen das Projekt gekämpft.

Berlin - 30.07.2020

Das Bezirksamt Berlin-Mitte hat den Bauantrag zur Sanierung und Umgestaltung der Sankt Hedwigs-Kathedrale genehmigt. Das teilte das Erzbistum Berlin am Donnerstag mit. Damit kann die Umgestaltung des Inneren der Kathedrale beginnen. Die Bischofskirche ist seit September 2018 geschlossen. Vor zwei Wochen hatte das Landgericht Berlin Klagen von Künstlern abgewiesen, die durch den geplanten Umbau ihre Urheberrechte verletzt sahen.

Denkmalpfleger und Kritiker im Erzbistum wenden sich vor allem dagegen, dass die zentrale Bodenöffnung mit einer Treppe zur Unterkirche beseitigt wird. Der Architekt Hans Schwippert (1899-1973) hatte sie beim Wiederaufbau der Kirche nach 1945 unter Mitarbeit von Künstlern aus Ost- und Westdeutschland angelegt. Bei der Umgestaltung wird der Altar ins Zentrum der Rundkirche gerückt, um nach Angaben des Erzbistums Berlin besser nach den gegenwärtigen kirchlichen Vorgaben Gottesdienste feiern zu können.

Dompropst Tobias Przytarski erklärte zur erteilten Baugenehmigung: "Ich freue mich, dass wir jetzt mit der Umgestaltung beginnen dürfen. Dies ist kein Abbruch, sondern ein liturgisch stimmiger und konsequenter Aufbruch in die Zukunft." Die nächsten Schritte seien das Fortsetzen der Ausführungs- und Detailplanung sowie die Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen. Aktuell wird die Kuppel der Kathedrale saniert. Dafür ist das Gotteshaus teilweise außen eingerüstet. Diese Maßnahme sei mit den zuständigen Denkmalbehörden abgestimmt und nicht Teil des gestellten Bauantrags, so das Erzbistum.

Projekt vor drei Jahren beschlossen

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hatte das Umbau-Projekt vor über drei Jahren beschlossen. Zuvor hatte er dazu Experten-Symposien veranstaltet und Voten aller Gremien des Erzbistums eingeholt, die dem Projekt zustimmten. Mit einem Architekten-Wettbewerb eingeleitet hatte das Vorhaben noch Kochs Amtsvorgänger, Kardinal Rainer Maria Woelki, bevor er Erzbischof von Köln wurde.

Zuvor hatte bereits das Landgericht dem Erzbistum Recht gegeben, als an der damaligen Gestaltung beteiligte Künstler wegen verletzter Urheberrechte geklagt hatten. Beim Umbau werde die bisherige künstlerische Gestaltung des Innenraums nicht nur verändert, sondern beseitigt, so dass die Künstler keine Urheberrechte mehr geltend machen könnten, begründete der zuständige Richter vor zwei Wochen das Urteil.

Die Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale gehört zu den bedeutenden katholischen Gotteshäusern in Deutschland. Sie ist eines der historischen Wahrzeichen der Hauptstadt. Die Bischofskirche des Erzbistums Berlin hatte bis zu ihrer sanierungsbedingten Schließung jährlich mehr als 200.000 Besucher. Geweiht wurde der runde Kuppelbau am 1. November 1773. Architektonisches Vorbild war das antike Pantheon in Rom. Seit der Weihe wurde die Kirche bereits dreimal umgestaltet. Die momentanen Bauarbeiten sollen 2023 abgeschlossen sein. (cph/KNA)