Eine Stunde nach dem Abwurf der Bombe auf Hiroshima steht ein gigantischer Atompilz über der Stadt.
Gemeinsame Erklärung von Justitia et Pax und EKD

Gegen das Inferno: Kirchen fordern nuklearwaffenfreie Welt

Die Atombombenabwürfe auf Japan mit Hunderttausenden Todesopfern jähren sich bald zum 75. Mal. Die Deutsche Kommission Justitia et Pax und die EKD stellen aus diesem Anlass gemeinsam klare Forderungen an die Weltpolitik – und auch an Deutschland.

Bonn - 31.07.2020

Zum 75. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki rufen Vertreter der beiden großen Kirchen Politiker zum Einsatz für eine nuklearwaffenfreie Welt auf. "Hierzu bedarf es der (Wieder-)Aufnahme vertrauensvoller Dialoge und des politischen Willens zur Veränderung", fordern der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, und der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, in einer am Freitag veröffentlichten Gemeinsamen Erklärung. Am 6. und 9. August 1945 hatten die USA über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki Atombomben abgeworfen. Nach Schätzungen starben mehr als 250.000 Menschen sofort oder teils Jahre später an Verbrennungen und Strahlenschäden.

"Ein erstes und eindrückliches Zeichen sollte die Annahme und Ratifizierung des Atomwaffenverbotsvertrags der UN - auch durch Deutschland - sein", heißt es. Wilmer und Brahms erinnern an die zivilen Opfer der ersten Atombombenabwürfe, die das Inferno erlitten hätten: "Der Blick in die Vergangenheit ist uns Mahnung für die Gegenwart und Zukunft." Dies gelte gerade in einer Zeit, in der eine "fatale Deregulierung internationaler Nuklearwaffenabkommen und Rüstungspolitik" zu erleben sei. In einer globalen Krise der internationalen Beziehungen wachse die Gefahr atomarer Gewalteskalation.

"Genährt wird diese Sorge durch das Bestreben, vorhandene nukleare Waffensysteme zu modernisieren, um ihre Einsatzfähigkeit zu erhalten oder an veränderte Bedrohungsszenarien anzupassen", heißt es in der Erklärung. Auch neue Gefährdungslagen wie Cyberwar, Terrorismus und Handelskriege stellten die strategische Bedeutung dieser nuklearen Waffensysteme fundamental infrage, so Wilmer und Brahms.

Ethisch nicht zu rechtfertigen

Beide erinnern daran, dass für die katholische und die evangelische Kirche immer klar gewesen sei, dass der Einsatz nuklearer Massenvernichtungswaffen ethisch nicht zu rechtfertigen sei. In jüngerer Zeit hätten sich in beiden Kirchen die Stimmen gemehrt, dass der Einsatz von Atomwaffen und die nukleare Abschreckungsstrategie als "Mittel der politischen Interessensdurchsetzung" unverantwortlich seien. Unter Verweis auf jüngste Äußerungen von Papst Franziskus und auf die EKD-Friedensdenkschrift von 2007 fordern Wilmer und Brahms, dass das politische Ziel "Global Zero" sein müsse: eine Welt ohne Atomwaffen.

Der Papst war im November nach Japan gereist und hatte auch die Städte Hiroshima und Nagasaki besucht. Dort forderte er die Abschaffung aller Atomwaffen weltweit. Frieden und internationale Stabilität ließen sich nicht mit einer "Logik der Angst und des Misstrauens" sichern, sagte er. Nachdrücklich verlangte er ein Festhalten an Abrüstungs- und Verbotsabkommen. Schwerer als die Entwicklung neuer Waffensysteme wiege die derzeitige "Erosion des Multilateralismus". Die hohen Rüstungsausgaben angesichts von Armut und Klimaproblemen in der Welt nannte Franziskus "himmelschreiend". (tmg/KNA)