"Monarchischer Klerikalismus": Pfarrer kritisieren Vatikan-Instruktion
Bischöfe und Priester seien "aus pastoraler Not zum 'Ungehorsam'" gedrängt

"Monarchischer Klerikalismus": Pfarrer kritisieren Vatikan-Instruktion

Die Pfarrer-Initiative Österreich findet harte Worte für die vor zwei Wochen erschienene Vatikan-Instruktion: Sie sei von "monarchischem Klerikalismus" geprägt und berge die Gefahr der Spaltung. Nun fordern die Pfarrer ihre Bischöfe zum Handeln auf.

Wien - 05.08.2020

Die Pfarrer-Initiative Österreich hat die vor zwei Wochen veröffentlichte Pfarreien-Instruktion aus dem Vatikan scharf kritisiert. Das Papier sei von einem "monarchischen Klerikalismus" geprägt, heißt es in einer Stellungnahme des Zusammenschlusses von Priestern und Diakonen der Alpenrepublik, die sich für kirchliche Reformen einsetzen. Würden die Forderungen der Instruktion tatsächlich umgesetzt, verlören die Pfarrgemeinden viele engagierte Gläubige. Daher seien Bischöfe und Priester "aus pastoraler Not zum 'Ungehorsam'" gedrängt. Das Schreiben aus dem Vatikan berge zudem die Gefahr der Spaltung von Klerus und Pfarreien in sich. 

Die Instruktion biete "nur in Ansätzen eine Analyse der geänderten gesellschaftlichen und kirchlichen Situation"so die Pfarrer-Initiative weiter. Die darin genannten kirchenrechtlichen Regelungen seien "schon zur Zeit der Verabschiedung vor 40 Jahren nicht mehr auf der Höhe der Zeit" gewesen. Es sei eine Illusionals Kirche "die Menschen von heute missionarisch ansprechen" zu können"ohne als Kirchenleitung die grundlegenden Werte der modernen Gesellschaft und des Evangeliums" zu leben. Als Beispiele führt die Pfarrer-Initiative die Möglichkeit zur Partizipation und die Umsetzung der Würde jeder Person an. Durch eine "Überhöhung des Priesteramtes" werde "Gott selbst" aus dem kirchlichen Leben hinausgedrängt.  

Initiative fordert "mutige Eingaben nach Rom"

Mit ihrer Kritik beruft sich die Initiative auch auf Papst Franziskus. Der Pontifex habe "eine synodalere Kirche mit dezentraleren Strukturen" angemahnt. Daher erwarte die Priester-Vereinigung von den österreichischen Bischöfen und den diözesanen Gremien, dass sie trotz der Instruktion aus dem Vatikan "Anregungen und neue regionale Regelungen finden", wie Laien und Priester besser zusammenarbeiten könnten. "Dazu gehören auch mutige Eingaben nach Rom für ein erneuertes Amt in der Kirche, das für Frauen und Männer, Verheiratete und Zölibatäre geöffnet wird." 

Die Pfarrer-Initiative Österreich wurde 2006 von neun Priestern gegründet und ist heute nach eigenen Angaben ein Zusammenschluss von fast 400 Geistlichen. Mehrere Tausend Gläubige sollen die Bewegung unterstützen, die etwa für "das Recht der Frauen auf ebenbürtigen, vollen Zugang zu allen Weiheämtern" eintritt.  

Am 20. Juli hatte der Vatikan seine Instruktion "Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche" veröffentlicht. Die große Mehrheit der deutschen Bischöfe hat mit Kritik auf das im Vatikan-Papier reagiert und die Instruktion unter anderem als realitätsfern und rückwärtsgewandt bezeichnet. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode etwa sieht in dem Papier eine "Umkehr zur Klerikalisierung". 

Einige Oberhirten kündigten an, trotz der Instruktion an ihren Plänen zu Pfarreienreformen festzuhalten. Auch aus dem deutschsprachigen Ausland kam Kritik: Am Mittwoch kritisierte der Basler Bischof und Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Felix Gmür, die Instruktion und verteidigte das Schweizer Leitungsmodell. Es gab jedoch auch zustimmende Äußerungen. So verteidigten der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und zuletzt der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt das Schreiben. (rom)