Parteizeitung: Vatikan und China werden umstrittenes Abkommen erneuern
Vereinbarung zu Bischofsernennungen läuft in acht Wochen aus

Parteizeitung: Vatikan und China werden umstrittenes Abkommen erneuern

Das vorläufige Abkommen des Heiligen Stuhls und Chinas zu Bischofsernennungen aus dem Jahr 2018 ist höchst umstritten. Bis heute ist der genaue Inhalt nicht öffentlich bekannt, die Vereinbarung liefe in acht Wochen aus. Doch offenbar wird das Abkommen nun verlängert – dann dauerhaft.

Peking - 05.08.2020

Einem Bericht der chinesischen Parteizeitung "Global Times" (Mittwoch) zufolge ist der Vatikan entschlossen, das vorläufige Abkommen mit der Volksrepublik zu erneuern. Die derzeitigen Verhandlungen seien "ein Beweis dafür, dass das Rahmenabkommen in den vergangenen zwei Jahren gut funktioniert" habe, heißt es in dem Bericht. Dies werde dazu beitragen, "die bilateralen Beziehungen auf die nächste Ebene zu heben". Für ihre Einschätzung zitiert die Zeitung unter anderem den Kanzler der Vatikanischen Wissenschaftsakademie, Bischof Marcelo Sanchez Sorondo, mit den Worten, Peking und der Vatikan "werden das Abkommen erneuern, was bedeutet, dass die ersten Erfahrungen gut liefen".

Den stellvertretenden Vorsitzenden der staatlichen Chinesischen Bischofskonferenz, Bischof Zhan Silu von Mindong, zitiert das Blatt mit den Worten, das am 22. September auslaufende vorläufige Abkommen werde bei einer Verlängerung dauerhaft. Zhan war einer von sieben Bischöfen, deren Ernennung der Papst im Herbst 2018 nachträglich anerkannte, nachdem sie zuvor von der staatlichen Katholischen Patriotischen Vereinigung ernannt und anderen Bischöfen geweiht worden waren.

Umstrittenes Abkommen

Im September 2018 hatten der Heilige Stuhl und China ein vorläufiges Abkommen geschlossen, in dem die Ernennung von Bischöfen sowie die Regelung von Diözesangrenzen geregelt sind. Die umstrittene Vereinbarung, deren genauer Inhalt nicht öffentlich bekannt ist, läuft in acht Wochen aus. Kritiker werfen dem Vatikan vor, mit dem Abkommen unterwerfe er sich dem Regime in Peking und verrate die Katholiken in der Volksrepublik. Andere argumentieren, der Heilige Stuhl habe gar keine andere Wahl, wenn der Katholizismus in China nicht ganz aussterben solle und er nicht jeglichen Dialog mit der Führung des Landes verspielen wolle.

Schätzungen zufolge sind 9 bis 10 Millionen der knapp 1,4 Milliarden Einwohner der Volksrepublik China Katholiken. Eine große Besonderheit des chinesischen Katholizismus ist die Teilung in zwei Gruppierungen: Neben einer regimenahen und staatlich zugelassenen "Patriotischen Vereinigung" gibt es die sogenannte Untergrundkirche in erklärter Gemeinschaft mit dem Papst. Seit 1951 unterhalten der Vatikan und China keine offiziellen diplomatischen Beziehungen mehr. In den vergangenen Jahrzehnten war es wegen vom chinesischen Staat beeinflussten Bischofsernennungen und der Verfolgung der papsttreuen Untergrundkirche immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem kommunistischen Land gekommen. Das vorläufige Abkommen gilt daher als historischer Meilenstein der chinesisch-vatikanischen Beziehungen. Das Abkommen war wiederholt von Vertretern der Untergrundkirche kritisiert worden. Hongkongs emeritierter BischofKardinal Zen Ze-Kiun, warf dem Vatikan etwa Naivität vor und warnte vor einem "Ausverkauf" der Kirche in China. Zuletzt sollen Berichten zufolge chinesische Hacker das Computernetzwerk des Vatikan infiltriert haben. (tmg/KNA)