Sogar die Zahl der Bischofsweihen soll höher liegen

Zeitung: 2020 nur eine Priesterweihe in Irland

Aktualisiert am 19.08.2020  –  Lesedauer: 

Dublin ‐ Dramatische Zahlen aus Irland: In dem mehrheitlich katholischen Land wird in diesem Jahr laut einem Zeitungsbericht nur ein Mann neu zum Priester geweiht. Damit könnte es 2020 in Irland mehr Bischofsweihen als Priesterweihen geben.

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In den 26 katholischen Bistümern in Irland wird laut einem Bericht der Zeitung "Irish Independent" in diesem Jahr nur ein Mann neu zum Priester geweiht. Damit werde es in dem mehrheitlich katholischen Land 2020 mehr Bischofsweihen als Priesterweihen geben, schrieb die Zeitung am Dienstag. Das Blatt zitierte den in Irland bekannten Priester Paddy Byrne mit den Worten: "Das ist nicht nachhaltig – wir haben niemanden, der uns nachfolgt". Er bezeichnete die Zahl der Weihen gegenüber der Zeitung als "miserabel". Die einzige Priesterweihe soll dem Bericht zufolge an diesem Sonntag im Erzbistum Tuam im Westen des Landes stattfinden.

Byrne, der mit 46 Jahren der zweitjüngste Priester im Bistum Kildare und Leighlin ist, betonte im "Irish Independent", die katholische Kirche in Irland befinde sich in einer "echten Berufungskrise". Dies sei auch im Zuge der anhaltenden Corona-Pandemie deutlich geworden. "In unserer Diözese und in jeder Diözese im ganzen Land opfern sich die Priester weiterhin auf", so Byrne. Viele Geistliche stünden auch noch mit über 80 Jahren in der vollen Verantwortung für ihre Pfarreien.

Byrne nannte die Tätigkeit als Priester "zutiefst erfüllend". Zugleich erklärte er, dass er in diesem Sommer die alleinige Verantwortung für eine dritte Pfarrei übernommen habe; in der Vergangenheit hätten sieben Priester den Betrieb dieser Pfarreien geführt. "Im ländlichen Irland haben wir den Verlust der Kneipe und der Post gesehen, und sehr bald werden wir den Verlust des Priesters erleben", sagte der Geistliche. Er forderte "eine radikale Neubewertung und einen ehrlichen Dialog darüber, was bei den Priesterberufungen schief gelaufen ist". Byrne räumte ein, dass Skandale in der Kirche und eine stärker säkularisierte Gesellschaft zu dem Mangel an Berufungen beigetragen hätten. Die Verantwortlichen in der Kirche müssten deshalb nun "ehrlich, mutig und couragiert" handeln. Beispielhaft nannte der Priester in der Zeitung die Weihe von Frauen zu Diakoninnen. (stz)