Mutmaßlicher Terroranschlag auf der Berliner Stadtautobahn
Iraker soll absichtlich Unfälle auf der Berliner Stadtautobahn verursacht haben

Nach mutmaßlichem Terroranschlag: Bischöfe äußern Mitgefühl mit Opfern

Der mutmaßliche Terroranschlag auf der Stadtautobahn in Berlin hat viele Menschen schockiert. Die Berliner Bischöfe der beiden großen christlichen Konfessionen haben sich nun zu der Tragödie geäußert und ihr Mitgefühl mit den Opfern ausgedrückt.

Berlin - 19.08.2020

Nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Dienstagabend auf der Berliner Stadtautobahn haben Berlins Erzbischof Heiner Koch und der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, ihr Mitgefühl mit den Opfern ausgedrückt. "Unsere Gedanken und Gebete gelten den Opfern der offenbar bewusst herbeigeführten Unfälle und ihren Angehörigen. Gleichzeitig verwahren wir uns erneut gegen jegliche Versuche, die Religion für die Begründung von Terror und Gewalt zu missbrauchen", hieß es in einer am Mittwochnachmittag verbreiteten gemeinsamen Stellungnahme.

Am Dienstag war es um kurz vor 19 Uhr auf der A100 zu mindestens drei schweren Verkehrsunfällen gekommen. Sechs Menschen wurden dabei laut Feuerwehr verletzt, drei von ihnen schwer. Polizei und Generalstaatsanwaltschaft in der Hauptstadt vermuten nach derzeitigem Ermittlungstand einen islamistischen Anschlag, da die Unfälle offenbar von einem religiös oder politisch motivierten 30-jährigen Iraker verursacht und mutwillig herbeigeführt wurden. Nach den Unfällen hatte der Mann zudem eine vermeintliche Munitionskiste auf die Fahrbahn gestellt und angekündigt, in der Kiste befände sich ein "gefährlicher Gegenstand". Kriminaltechniker entdeckten später aber nur Werkzeug. Die Autobahn war nach den Unfällen in beide Richtungen voll gesperrt. Es bildeten sich lange Staus, Autofahrer berichteten von mehrstündigen Wartezeiten. Rund 300 Menschen waren betroffen.

Mann soll "Jagd" auf Motoradfahrer gemacht haben

Die Äußerungen des Fahrers legten eine religiös motivierte Tat nahe, sagte der Sprecher der Berliner Generalstaatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Mittwoch. Der Angreifer habe mit seinem Auto "quasi Jagd" auf Motorradfahrer gemacht. Betroffen seien zwei Motorrad- und ein Motorrollerfahrer. Die Motorradfahrer und ein Auto seien gerammt, ein weiteres Auto gestreift worden. Wie der Sprecher weiter mitteilte, soll der Mann zuvor auf seiner Facebook-Seite Hinweise auf die geplante Tat veröffentlicht haben. Er hatte demnach Fotos des Autos gepostet, mit dem er am Dienstagabend unterwegs war. Dazu schrieb er einen Kommentar, in dem er sinngemäß Gott seinen Dank aussprach und das Wort Märtyrer benutzte.

Noch am Mittwoch sollte der mutmaßliche Täter einem Haftrichter wegen versuchten Mordes vorgeführt werden. Allerdings sei unklar, ob er in Haft komme oder wegen der Anzeichen von psychischer Labilität in einer Einrichtung untergebracht werden müsse, sagte Steltner. Die Justizverwaltung teilte mit, dass Generalstaatsanwältin Margarete Koppers am Nachmittag den Rechtsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses über die bisherigen Erkenntnisse informieren werde. (stz)