Himmelklar – Der katholische Podcast

Bedford-Strohm: Das hat der Synodale Weg mit Martin Luther gemeinsam

Aktualisiert am 09.09.2020  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Seenotrettung, Rechtspopulismus, Ökumene: Über diese und weitere Themen spricht der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm im Interview – und gibt eine Einschätzung zum Synodalen Weg aus protestantischer Perspektive.

  • Teilen:

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Heinrich Bedford-Strohm ist Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und bayerischer Landesbischof. Im Interview spricht er nicht nur über die neue Initiative der evangelischen Kirche zur Seenotrettung im Mittelmeer, sondern auch über das Problem des Rechtspopulismus in Deutschland. Und er gibt eine Einschätzung des katholischen Reformdialogs Synodaler Weg aus ökumenischer Sicht.

Frage: Herr Bedford-Strohm, wir sind jetzt ein halbes Jahr in der Pandemie. Die Zahlen steigen. Trotzdem wünschen sich immer mehr Menschen auch zusätzliche Freiheiten im Alltag. Wie ist das bei Ihnen persönlich? Wie hat sich bei Ihnen der Alltag in der Pandemie verändert?

Bedford-Strohm: Der hat sich natürlich seit März sehr verändert. Viele Veranstaltungen, wo ich sprechen sollte, auch Gottesdienste, sind abgesagt worden. Man könnte jetzt denken: Mensch, dann hat er ja endlich mal Zeit gehabt. Das dachte ich eigentlich auch. Aber diese Zeit-Dividende ist nicht eingetreten, denn es ist gleichzeitig eine Explosion von digitaler Kommunikation für mich spürbar geworden. Natürlich habe ich auch noch mehr Fernsehgottesdienste gehalten als sonst. Aber vor allem war es die digitale Kommunikation, also viele Konferenzen und ganz viele Mails. Da war ganz vieles zu entscheiden, weil ganz viele Leute Rat gesucht haben, ganz viele Leute mit mir konsultieren mussten auf EKD-Ebene und auf bayerischer Ebene, also in zwei großen Zusammenhängen. Und deswegen war es eine sehr, sehr dichte Zeit. Ich habe dann sehr bald schon – am 17. März – begonnen, jeden Morgen um 6.30 Uhr im Englischen Garten ein geistliches Morgenvideo aufzunehmen. Ich bin da rausgegangen, habe mir ein Mikro angesteckt und mein iPhone auf den Selfie-Stick gesteckt und habe dann einen Bibelvers ausgelegt, der tröstlich ist in dieser Zeit und aufbauend für mich gewesen ist. Zwei Minuten waren das, und das habe ich dann bis zum 8. August täglich gemacht. Dann irgendwann außer dem Sonntagmorgen, aber sonst immer täglich. Und jetzt mache ich das noch jede Woche am Montag. Aber das war schon auch prägend, dass ich jeden Morgen auch für mich selbst diese geistliche Besinnung hatte. Die konnte ich dann mit allen Menschen teilen, die auf meiner Facebook-Seite, wo ich das gleich reingestellt habe oder über die YouTube-Kanäle unserer Kirche, dann das sehen wollten. Das war mir wichtig, dass ich da diesen geistlichen Zuspruch auch wirklich gebe in dieser Zeit.

Frage: Sie haben es gerade schon gesagt. Corona hat unglaublich viele Herausforderungen für uns alle mitgebracht. Ist darüber das Thema der Flüchtlingskrise und das Sterben im Mittelmeer, was ja trotzdem nicht aufgehört hat, vielleicht ein bisschen in Vergessenheit geraten?

Bedford-Strohm: Das war jedenfalls die große Gefahr. Für uns war es natürlich überhaupt nicht vergessen, denn persönlich bin ich ja laufend konfrontiert damit, dass Menschen Hilfe suchen, und auch Flüchtlingsinitiativen bestimmte Fälle mir melden und sagen: Können Sie nicht was tun? Und dem einen oder anderen Fall kann ich dann sogar auch helfen. Das war natürlich gerade da auch überhaupt nicht weg vom Fenster, sondern das war nach wie vor Teil meiner Realität. Das Zweite ist, dass wir über unsere kirchlichen Kanäle natürlich mit der ganzen Welt verbunden sind. Das Leid der Welt, das kannst du – und ich sage als Mensch, der in der Kirche Verantwortung trägt, glücklicherweise! – nicht ausblenden. Denn wir sind eine Gemeinschaft – ich sage es mal so pathetisch – von Schwestern und Brüdern, die keine nationalen oder kulturellen Grenzen kennt. Deswegen sind wir eng verbunden mit unseren Partnerkirchen in der ganzen Welt. Da ist das Leid, die schwierige Situation, in der Menschen anderswo auf der Welt waren und noch sind natürlich auch Teil unserer täglichen Realität.Und etwa die Frage der Seenotrettung im Mittelmeer. Die war natürlich bei uns kein bisschen aus dem Bewusstsein, auch wenn das Schiff, das wir mit dem Bündnis "United4Rescue" zur Seenotrettung neu rausgeschickt haben, eine ganze Weile in Spanien, dann in der Werft liegen musste und nicht weiter umgebaut werden konnte. Aber aus der Realität waren diese Fragen nicht. Aber die Sorge, dass es in der Gesellschaft, weil wir einfach mit uns selbst beschäftigt waren, immer mehr zur Seite rückt. Die hatte ich natürlich, und das habe ich auch immer wieder angesprochen.

Frage: Vor einigen Wochen ist die "Sea-Watch 4" nun in See gestochen. Das ist ein Projekt, das auf die Initiative der Evangelischen Kirche zurückgeht. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus? Wie blicken Sie bis heute auf dieses Projekt?

Bedford-Strohm: Ich habe natürlich sehr Anteil genommen an dem Prozess, und wir haben alle darauf gewartet, dass dieses Schiff endlich rausfahren kann. Denn die Meldungen kamen ja. Es sind ja Menschen nach wie vor ertrunken im Mittelmeer, und niemand war da. Irgendwann gab es überhaupt kein Schiff mehr, die waren alle festgesetzt, und vor den Toren Europas, an den Grenzen Europas, ist dieses Sterben weitergegangen und eben nicht in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden. Aber es ist passiert und deswegen war es so wichtig, dass die "Sea-Watch 4" von dem Bündnis "United4Rescue" dann endlich auslaufen konnte. Die Wochen danach haben gezeigt, wie notwendig das war. Denn es sind am Ende 353 gerettete Menschen auf dem Schiff gewesen. Dann begann natürlich auch die Verhandlung darüber: Wo können die an Land gehen? Die sind jetzt glücklicherweise zu einem guten Ende gekommen. Jetzt, gerade vor wenigen Tagen, konnten die geretteten Menschen umsteigen in das Quarantäne-Boot im Hafen von Palermo, sind auf sicherem Grund und können jetzt darauf warten, dass die Quarantäne vorbei ist. Jetzt kommt es darauf an, dass der Verteil-Mechanismus in Europa endlich gefunden wird, der dafür sorgt, dass nicht Italien mit den Menschen, die hier gerettet werden, alleine gelassen wird, sondern dass die Aufnahmebereitschaft überall in Europa, in den Städten und Gemeinden, die ja da ist, auch wirklich abgerufen wird. Es geht darum, dass nicht länger die nationalen Regierungen blockieren, dass die Menschen da hingehen können und dort aufgenommen werden können, wo die Bereitschaft zur Aufnahme ja da ist.

Sea-Watch 4
Bild: ©KNA/Michael Althaus

Heinrich Bedford-Strohm (2.v.l.), Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), spricht bei der Schiffstaufe des Rettungsschiffs für Flüchtlinge "Sea-Watch 4" am 20. Februar 2020 in Kiel.

Frage: Das Projekt "Sea-Watch 4" geht auf die Initiative der Evangelischen Kirche zurück. Würden Sie sich eigentlich auch wünschen, dass die katholische Kirche auch mitmacht?

Bedford-Strohm: Das ist ja der Fall. Viele Menschen in der katholischen Kirche, auch Gemeinden, auch Pax Christi, bestimmte Teile der katholischen Kirche sind ja Unterstützer. Kardinal Marx hat 50.000 Euro, wie auch für andere Seenotrettungsorganisationen auch hierfür zur Verfügung gestellt. Dafür bin ich sehr dankbar. Insofern, glaube ich, arbeiten wir hier bestens zusammen. Es muss nicht immer jeder alles machen. In den Reihen der katholischen Kirche gibt es so viele Menschen, die an ihrer Stelle ihren Mann und ihre Frau stehen und helfen. Und ich bin dankbar für alle ökumenischen Aktivitäten und auch für all das, was dann aus der eigenen Konfession heraus für die genau gleiche Sache getan wird. Insofern bin ich dankbar für alle Unterstützung. Die gibt es auch schon. Aber wenn im Raum der katholischen Kirche auf anderen Wegen Flüchtlingen geholfen wird, dann bin ich auch dafür sehr dankbar.

Frage: Mit Kardinal Marx scheinen Sie sich ja auch auf persönlicher Ebene ganz gut zu verstehen. Sie haben gerade erst gemeinsam den Augsburger Friedenspreis erhalten. Würden Sie das als Freundschaft bezeichnen? Geht man mal zusammen ein Bier trinken oder Karten spielen?

Bedford-Strohm: Es ist eine Freundschaft, ganz klar. Aber wir haben beide jetzt nicht so die vielen Abende, wo wir uns zum Kartenspielen verabreden könnten. Wir treffen uns schon immer wieder auch mal zum Essen, und da ist dann auch mal Zeit zum Reden. Aber das sind schon leider relativ seltene Gelegenheiten. Ich selbst bin ja dann, wenn ich nach Hause komme, froh, wenn ich mit meiner Frau auch Zeit habe zu reden und mich auszutauschen. Wir sind beide so eingebunden, dass es leider nicht genug Gelegenheiten gibt. Aber es gibt sie, und auf jeden Fall ist es eine Freundschaft. Ich freue mich sehr darüber, und es ist ganz viel Vertrauen gewachsen, insbesondere auch durch das Reformationsjubiläum. Wir haben das in dieser Klarheit persönlich, aber auch in unseren Funktionen vor Augen gehabt, dass Christus keine konfessionellen Grenzen kennt. Es gibt eben keinen katholischen oder evangelischen Christus. Es gibt nur den einen Herrn Jesus Christus, der führt uns zusammen, und deswegen kann es gar nichts anderes geben, als dass wir als Christinnen und Christen alles tun, um diese Grenzen zu überwinden. Und wenn dann auch so persönliche Freundschaften, wie ich sie mit Reinhard Marx habe, dazu beitragen können, auch in Verbindung mit unseren jeweiligen Ämtern, dann ist das umso besser.

Frage: Ist das ein Beispiel auch für andere Christen? Mehr auf das Verbindende achten als auf das, was trennt?

Bedford-Strohm: Das haben wir ja glücklicherweise in vielen persönlichen Beziehungen jetzt schon erfahren und erlebt. Ein wichtiger Abschnitt war sicher die gemeinsame Reise ins Heilige Land, wo neun Mitglieder des Rates der EKD und neun katholische Bischöfe gemeinsam diese Reise gemacht haben. Das hat uns sehr verbunden, und darüber hinaus gibt es glücklicherweise oft auch vor Ort viele sehr persönliche Beziehungen. Durch die Corona-Pandemie habe ich jetzt Georg Bätzing (Nachfolger von Kardinal Marx als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Anm. d. Red.) noch nicht so oft treffen können. Aber wir kennen uns schon aus dem Kontaktgesprächskreis zwischen EKD und Bischofskonferenz und haben uns jetzt mehrfach, etwa bei der Aufnahme zum Wort zum Sonntag oder bei dem ökumenischen Gottesdienst am 8. Mai im Berliner Dom, sehen und austauschen können. Da gibt es eine sehr schöne persönliche Beziehung, und ich freue mich darauf, die zu vertiefen.

„Ich blicke erstens mit viel Spannung darauf und dann mit viel Sympathie, denn ich spüre ja, wie da ganz unterschiedliche Menschen mit dem ganz starken Willen zusammenkommen, die Kirche zu verändern.“

—  Zitat: Heinrich Bedford-Strohm zum Synodalen Weg

Frage: Beide Kirchen debattieren gerade über ihre Zukunft. Die EKD hat gerade ihr großes Zukunftspapier vorgestellt, die katholische Kirche begeht den "Synodalen Weg". Wie sieht ihr evangelischer Blick auf den katholischen Reformdialog aus?

Bedford-Strohm: Ich blicke erstens mit viel Spannung darauf und dann mit viel Sympathie, denn ich spüre ja, wie da ganz unterschiedliche Menschen mit dem ganz starken Willen zusammenkommen, die Kirche zu verändern, und zwar in die Richtung zu verändern, die mit dem Zentrum unseres Glaubens, Jesus Christus, verbunden ist. Dazu gehört Austausch auf Augenhöhe. Dass dieser Reformprozess sich "Synodaler Weg" nennt, ist natürlich etwas, was ganz starke ökumenische Bedeutung hat. Denn ich als Landesbischof, als Ratsvorsitzender  bin von der Synode gewählt. Und diese Verwurzelung auch der leitenden kirchlichen Ämter in der Gemeinschaft der Gläubigen spielt evangelisch natürlich eine ganz große Rolle, aber die spielt ja auch in der katholischen Kirche eine wichtige Rolle. Dass das vertieft wird, ist sicher ein starkes ökumenisches Zeichen. Aber vor allem hoffe ich sehr, dass es der katholischen Kirche neue Kraft gibt. Denn wir können uns ja nur aneinander freuen, wenn wir solche Kraft spüren. Und wenn wir spüren, dass wir von unseren jeweiligen konfessionellen Traditionen her dieses Zentrum wieder neu entdecken. Martin Luther ging es ja um nichts anderes. Er wollte doch Christus neu entdecken, und das können wir heute wirklich nur noch ökumenisch gemeinsam. Und wenn in der katholischen Kirche Menschen beteiligt werden, wenn sie auch durch die Beteiligung neue Hoffnung für die Zukunft der Kirche gewinnen, dann freue ich mich als Evangelischer darüber von Herzen.

Frage: Die Pandemie hat auch dazu geführt, dass Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker gerade wieder an Aufschwung gewinnen. Wir erinnern uns gerade an die Proteste vor dem Reichstag. Diese Menschen gibt auch in kirchlichen Kreisen. Wie sollten wir als Christen damit umgehen?

Bedford-Strohm: Im Hinblick auf Rechtsradikale muss man glasklar sein: Was Rechtsradikale an menschenverachtenden Ideologien zu verbreiten versuchen und wo sie jetzt die Demonstrationen als Bühne zu nutzen versuchen, um ihre Ideen salonfähig zu machen, da kann man nur sagen: Das steht in tiefem Widerspruch zum christlichen Glauben. Dass Rechtspopulisten sozusagen neuen Zugewinn, neuen Zulauf haben, kann man jetzt glücklicherweise nicht sagen. Im Gegenteil: Alles, was die Umfragen im Moment sagen, deutet darauf hin, dass die Rechtspopulisten, dass auch die AfD nicht von dieser Corona-Krise profitiert. Und das ist auch nicht verwunderlich, denn es sind ja Lösungen gefragt, und die sind manchmal in Dilemma-Situationen sehr differenziert zu finden. Mit einfachen Schwarz-Weiß-Parolen kommt man da nicht weiter. Das spüren die Menschen auch, und deswegen lassen sie sich auch nicht von solchen Parolen einfangen. Man muss jetzt bei den Demonstrationen wirklich aufpassen, dass man die einzelnen lauten Rechtspopulisten oder Rechtsradikalen, die versuchen, das politisch zu nutzen, und die sehr laut sind, dass man die jetzt nicht als die einzigen wahrnimmt, sondern dass man sieht, dass das sehr unterschiedlich zusammengesetzt ist. Das sind Menschen, die auch die krudesten, abstrusesten Verschwörungstheorien durch die Verbreitungskanäle im Internet wirklich glauben. Das ist sehr emotional zum Teil. Da ist es manchmal nicht einfach, wirklich ins Gespräch zu kommen. Da gibt es aber auch viele, mit denen man reden kann und die dann einfach ihre Argumente bringen müssen. Ich sage auch ganz klar: Wenn es bestimmte Fakten gibt, die man so vorher noch nicht erkannt hatte, wenn es gute Argumente gibt, dann muss man auch immer offen sein, immer bereit sein, dazuzulernen. Ich jedenfalls prüfe das alles und glaube nicht einfach das, was jetzt etwa in der Tagesschau gesagt wird. Ich versuche, mich breit zu informieren, und wenn irgendein Argument dabei ist, was mich überzeugt, dann frage ich nach. Dann versuche ich herauszufinden: Warum ist es in der öffentlichen Diskussion nicht wirklich im Zentrum? Meistens gibt es dann gute Gründe dafür, dass diese Argumente eben nicht wirklich stark sind. Aber man muss das prüfen und diesen Geist des Diskurses, den wünsche ich mir für die ganze Gesellschaft. Das gilt natürlich auch im Gespräch mit Leuten, die hier gegenüber dem offiziellen Handeln bei der Corona-Krise kritische Fragen haben. Die sollte man auf keinen Fall in die Reihen von Rechtsextremen oder kruden Verschwörungstheoretikern treiben.

Himmelklar: Was bringt Ihnen Hoffnung in diesen ungewissen Zeiten?

Bedford-Strohm: Also gerade in diesen Zeiten der Corona-Krise ist für mich schon dieser Glaube, diese Hoffnung und auch diese innere Gewissheit, dass Gott diese Welt nicht alleine lässt, die ist für mich schon zentral. Die gibt mir auch persönlich viel Kraft. Für mich ist es am deutlichsten in der Geschichte von der Arche Noah. Das ist ja eine Quarantäne-Geschichte. Man muss sich ja mal vorstellen, das, was da beschrieben wird in dieser alten Geschichte, dass Noah mit seiner Familie und den Tieren da auf die Arche kommt. Das ist ja ganz ähnlich der Situation, die viele Menschen in ihren Häusern erlebt haben. Die konnten nicht raus. Denen ist die Decke auf den Kopf gefallen. Die wussten auch nicht: Wie lange geht es noch? Und wie sollte das werden? Was kommt danach? Das ist genau die Situation, die in der Arche Noah-Geschichte beschrieben wird. Und am Ende, und das finde ich so berührend daran, am Ende wird die Taube ausgesandt. Die Arche Noah setzt auf. Man kann wieder leben. Und dann sagt Gott, nachdem er vorher gesagt hat: Ich will diese Erde vernichten, weil die Menschen sich die Köpfe einschlagen und es nicht so ist, wie ich es mir in der Schöpfung gedacht habe, dann sagt Gott nochmal: Das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an und sagt aber nicht: Deswegen will ich die Erde vernichten, sondern: Deswegen soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Es soll nie wieder die Erde vernichtet werden - und er setzt zum Zeichen dafür einen Regenbogen in den Himmel. Dieses sinnliche Zeichen, wenn wir es anschauen im Himmel oder wenn wir Bilder davon sehen, soll uns daran erinnern, dass Gott sich festgelegt hat. Gott will nicht die Vernichtung, Gott will das Leben. Und darauf verlasse ich mich auch in diesen Corona-Zeiten, denn diese Zusage gilt. Das ist ein Bund mit der ganzen Schöpfung, den Gott geschlossen hat, wie diese Geschichte erzählt. Und deswegen, glaube ich, können wir als Christinnen und Christen, und ich hoffe, viele andere Menschen auch trotz all der Herausforderung, trotz all dem, was uns immer wieder hinterzieht, dieses Grundvertrauen, auch wirklich leben. Dass es vielleicht eine Situation geben wird, wo wir, weil Gott uns die Kraft dazu gibt, am Ende stärker aus dieser Krise herauskommen, als wir reingegangen sind.

Von Renardo Schlegelmilch und Ina Rottscheidt