Papst Franziskus zeigt "Daumen-hoch".
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Genuss sei früher oft dem "Übereifer" der Kirche zum Opfer gefallen

Papst Franziskus: Gutes Essen und Sex zu genießen ist "göttlich"

Gut gekochtes Essen und liebevoller Geschlechtsverkehr: Der Genuss von beidem sei "göttlich", findet Papst Franziskus. Dabei habe die Kirche das in ihrer Vergangenheit oft verdammt – mit Folgen bis in die heutige Zeit.

Vatikanstadt - 10.09.2020

Nach Papst Franziskus sind die Freuden gut gekochten Essens und liebevollen Geschlechtsverkehrs "göttlich". "Der Genuss des Essens ist dazu da, dich durch das Essen gesund zu halten, so wie der sexuelle Genuss dazu da ist, die Liebe schöner zu machen und den Fortbestand der Spezies zu garantieren", so der Pontifex in einem Interviewbuch, wie der irische öffentlich-rechtliche Sender "RTÉ.ie" berichtete. Das Buch von Carlo Petrini, Gründer der "Slow Food"-Bewegung, erschien am Mittwoch und enthält Gespräche mit Franziskus.

"Das Vergnügen kommt direkt von Gott, es ist weder katholisch noch christlich noch irgendetwas anderes, es ist einfach göttlich", so der Papst weiter. Zwar habe die Kirche "unmenschliche, brutale, vulgäre Vergnügungen verurteilt, aber auf der anderen Seite hat sie immer menschliche, einfache, moralische Vergnügungen akzeptiert", heißt es weiter.

"Übereifrige Moral" richtete Schäden an

Der Pontifex räumte jedoch ein, dass der Genuss in der Vergangenheit zu Unrecht dem "Übereifer" der katholischen Kirche zum Opfer gefallen sei. Das sei jedoch "eine falsche Interpretation der christlichen Botschaft", da es keinen Platz für eine "übereifrige Moral" gebe, die den Genuss verwehrt. Derartige Ansichten "haben enormen Schaden verursacht, der in einigen Fällen auch heute noch stark spürbar ist", fügte der Pontifex hinzu. Aber: "Die Freude am Essen und die sexuelle Lust kommen von Gott".

Autor Carlo Petrini gründete in den 1980er Jahren die "Slow Food"-Bewegung als Antwort auf Fast Food. Das Interviewbuch "TerraFutura, Gespräche mit Papst Franziskus über integrale Ökologie" konzentriert sich auf Franziskus' Vision von Umweltschutz mit sozialem Charakter, was er 2015 in seiner Enzyklika "Laudato Si" zum Ausdruck gebracht hat. (mpl)